Blogger brachte religiöse Autoritäten gegen sich auf

Ägyptischer Christ sitzt schon länger als ein Jahr lang wegen Kritik in Haft

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FRANKFURT, 12. November 2009 (ZENIT.org).- Der 28-jährige koptische Blogger Hani Nazeer aus dem oberägyptischen Qena ist am 9. November in einen Hungerstreik getreten. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) befindet er sich seit über einem Jahr ohne Anklage in Haft. Mit dem Hungerstreik will der gelernte Sozialarbeiter seine Haftentlassung, zumindest aber ein formelle Anklage erzwingen. Nach Auffassung der IGFM hat sich der Blogger keines Deliktes schuldig gemacht, sondern ist aus rein politischen Gründen in Haft, weil er religiöse Autoritäten verärgert hat.

Seine bisherigen Ersuchen wurden ohne Begründung durch das Innenministerium zurückgewiesen. Nazeer ist Autor des Blogs „Karz El Hob", in dem er sich sowohl die aggressive Islamisierung als auch gegen politische Einflussnahmen der orthodoxen Kirchenführung wandte. Dadurch brachte er sowohl islamische Autoritäten als auch die Hierarchie der koptisch-orthodoxen Kirche gegen sich auf.

Hani Nazeer ist am 3. Oktober 2008 von der ägyptischen Staatssicherheit verhaftet worden. Er hatte eine Verhaftung bereits befürchtet und war untergetaucht. Daraufhin nahm die Staatssicherheit Familienangehörige Nazeers fest und drohte damit, sie so lange gefangen zu halten, bis sich Nazeer stellen würde. Er stellte sich umgehend der Polizei und wird seither im Burj Al-Arab Gefängnis ohne Angabe von Gründen festgehalten. Nach Angaben des Anwaltes sitzt der Blogger im Gefängnis zusammen mit gewalttätigen Schwerverbrechern in einer Zelle. Zudem hätten ihn Angehörige des Gefängnispersonals unter Druck gesetzt, zum Islam überzutreten. Ihm soll auch die Entlassung in Aussicht gestellt worden sein, wenn er Muslim werde.

Nach der Ermordung des früheren ägyptischen Präsidenten Anwar El-Sadats im Jahr 1981 wurde in Ägypten der Ausnahmezustand ausgerufen. Auf dieser Grundlage sind bis heute Teile der verfassungsmäßigen Rechte außer Kraft gesetzt, internationale Menschenrechtsabkommen werden von der Regierung ignoriert. Gamel Eid, Direktor des arabischen Netzwerkes für Menschenrechtsinformationen, schätzt, dass annähernd 14.000 Menschen mit Berufung auf die Notstandsgesetzgebung verhaftet worden sind. Erst im Mai 2008 wurde der „Ausnahmezustand" um zwei weitere Jahre verlängert.

Mamdouh Naklah, ägyptischer Anwalt und Bürgerrechtsaktivist, erläuterte, dass die Unterdrückung und Einschüchterung der koptischen Christen in Ägypten auch durch Polizeioffiziere erfolge: „Sie geben den Islamisten grünes Licht und schützen sie. Und sie geben ihnen das Gefühl, das sie immun gegen Strafverfolgung sind." (mk)