Blogger: Diskussionen nicht fürchten

„Wenn Jesus heute predigen würde, würde er einen Blog eröffnen“

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Von Stéphane Lemessin

ROM, Mittwoch, 4. Mai 2011 (ZENIT.org) .- Die Teilnehmer einer Tagung für Blogger, die am 2. Mai im Vatikan vom Päpstlichen Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel und vom Päpstlichen Rat für Kultur veranstaltet wurde, appellierten an die Kirche, Diskussionsdebatten nicht zu fürchten.

Die Zusammenkunft der 150 Blogger gestaltete sich auf eine andere Art als Tagungen normalerweise in der Via dell'Ospedale neben der Via della Conciliazione vonstatten gehen. Sofort nachdem die Teilnehmer Platz genommen hatten, schalteten fast alle ihre Laptops an oder nahmen ihr Handy heraus, um eine Verbindung mit dem Internet herzustellen.

Während der Tagung wurde die Diskussion auf Facebook oder Twitter sehr intensiv geführt. Neben der physischen Anwesenheit ermöglichte das Treffen auch eine virtuelle Teilnahme, um weiteren 750 registrierten Bloggern, die aus Platzgründen nicht anwesend sein konnten, zu ermöglichen, die Sitzung zu verfolgen.

Diese Versammlung sollte ganz offen sein für alle, erklärte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Maria Celli, zu Beginn der Sitzung. Es handele sich nicht um „eine Tagung von katholischen Bloggern, auch wenn viele von Ihnen sich von den Werten des Evangeliums inspirieren lassen, vielmehr soll es eine Zusammenkunft sein, die auf einem respektvollen Dialog aufbaut, wozu der Papst uns oft einlädt: Respekt für die Wahrheit.“

Bei der ersten Diskussionsrunde meldeten sich mehrere der Blogger zu Wort, die die Bedeutung dieser Art der Kommunikation im Internet betonten.

Durch die Blogs könnte der Glauben weitergegeben werden und zwischen den im Netz Anwesenden entstünden Gespräche, sagten sie.

Andrés Beltramo, Autor des Blogs „Sacred and Profane“ (Heiliges und Profanes) und Romkorrespondent der Agentur Notimex, zitierte Johannes Paul II. und lud die Kirche ein, keine Angst davor zu haben, diese Debatten ins Leben zu rufen.

Diese Empfehlung wurde von Mattia Marasco, einem italienischen Ersteller von mehreren Blogs, aufgegriffen, und er ermutigte die Kirche, auf diesem Gebiet „mehr zu wagen“.

Die ersten fünf Redner unterstrichen den missionarischen Beitrag der Blogs.

Pater Roderick Vonhögen bekannte, dass er quasi durch Zufall die Auswirkung und die Möglichkeiten der Blogs entdeckt habe. Indem er Videos ins Internet stelle, sei er „ein Priester für diejenigen Menschen geworden, die dies brauchen“, und die ihn im Internet aufsuchten.

Der niederländische Priester, der seine Beiträge auf Englisch veröffentlicht, verglich seine pastorale Tätigkeit im Netz mit dem Aufbau einer lokalen Gemeinde.

Pater Federico Lombardi SJ, Direktor des Informationsbüros des Heiligen Stuhls, sprach von einem der wichtigsten Gesichtspunkte von Blogs für die christliche Gemeinschaft: „Katholische Blogger sind die öffentliche Meinung in der Kirche. Das konziliare Lehramt hat diese Tatsache vorausgesehen, die jedoch nicht sehr entwickelt wurde.“

Andere Vertreter des Heiligen Stuhls beschrieben die unzureichenden Mittel, die dem Heiligen Stuhl zur Verfügung stünden, um im Internet zugegen zu sein. Dies habe in der letzten Zeit die Nutzung von sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter, …) gefördert.

Diese beiden letzteren Mittel würden auf besonders wirksame Weise von der Organisation des nächsten Weltjugendtages eingesetzt werden, so wurde festgestellt.

Dieses Treffen von kurzer Dauer wurde von Erzbischof Celli als der Beginn anderer möglicher Initiativen größer Reichweite bezeichnet. Für den Heiligen Stuhl habe es dazu gedient, „ein offizielles Bewusstsein für die Existenz und die Bedeutung der ‚Blogsphäre’ im heutigen Leben zu erhalten“, erklärte er.

Auf dem Gesicht der Blogger könne man die Freude ablesen, die das Treffen mit Kollegen aus der ganzen Welt, die die gleiche Leidenschaft teilen, hervorgerufen hatte.

Durch die Gespräche wurde ein Punkt besonders deutlich: die Geburt einer neuen Art der pastoralen Präsenz im Internet bis zu dem Punkt, dass laut dem italienischen Priester Marco Sanavio heute die Rolle eines „Web-Priesters“ notwendig sei.

Eine Mission, die immer wieder auf der Tagung zur Sprache kam und die von François Jeanne-Beylot klar benannt wurde: „Wenn Christus heute predigen würde, würde er nicht auf einen Berg oder in ein Boot steigen, sondern er würde zu Twitter gehen und einen Blog öffnen.“

[Übersetzung aus dem Spanischen von Iria Staat]