Blutzeugnis für Christus: 498 Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs werden selig gesprochen

Von Regina Einig

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WÜRZBURG, 11. Oktober 2007 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Rom bereitet sich auf die größte Seligsprechung der Kirchengeschichte vor: Am 28. Oktober wird der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kardinal José Saraiva Martins, 498 Märtyrer des Spanischen Bürgerkriegs (1936–39) zur Ehre der Altäre erheben. Unter den neuen Seligen sind zwei Bischöfe, 24 Priester, 462 Ordensleute, ein Diakon, ein Subdiakon, ein Seminarist und sieben Laien. Fünf der Ordensleute stammten nicht aus Spanien: Selig gesprochen werden zwei französische Salesianer, ein Karmelit und ein Dominikaner aus Mexiko sowie ein Augustinerpater aus Kuba. Bemerkenswert ist der hohe Anteil junger Märtyrer: 145 neue Selige waren zum Zeitpunkt des Martyriums zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt, achtzehn gehörten der Altersgruppe 16–19 Jahre an. 489 der neuen Seligen kamen während des Terrors 1936 um, sieben erlitten das Martyrium 1937 und zwei kamen während der Kirchenverfolgung im Vorfeld des Kriegs im Oktober 1934 in Nordspanien um.



Das Pontifikat Johannes Pauls II. als Durchbruch

Mit der Feier erreicht die Aufarbeitung der Kirchenverfolgung während des Spanischen Bürgerkriegs ihren vorläufigen Höhepunkt. Während der Franco-Zeit behandelte der Vatikan die Kanonisierung von Märtyrern aus dieser Zeit äußerst zurückhaltend. Das änderte sich im Pontifikat Johannes Pauls II. Elfmal sprach der Papst aus Polen Opfer der Kirchenverfolgung aus den dreißiger Jahren selig oder heilig. 37 Prozesse für 479 Märtyrer des Bürgerkriegs sind bisher abgeschlossen worden. Mittlerweile haben die spanischen Diözesen 46 weitere Verfahren für 863 Märtyrer eröffnet. Dem Vernehmen nach liegt der Anteil der Laien bei den laufenden Verfahren höher als bei den bisherigen Selig- und Heiligsprechungen.

In der vergangenen Woche bestätigte die Spanische Bischofskonferenz, dass der Vatikan ihren Antrag genehmigt hat und die Feierlichkeiten auf dem Petersplatz stattfinden werden. Ursprünglich war die Basilika Sankt Paul vor den Mauern dafür vorgesehen. 25 000 Anmeldungen aus den spanischen Diözesen stimmten die Verantwortlichen um: In Sankt Paul vor den Mauern soll nun am Vorabend der Seligsprechung eine Willkommenszeremonie gefeiert werden, die der Kardinal Carlos Amigo, Erzbischof von Sevilla, leitet. Am 29. Oktober wird Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ein Dankamt feiern. Eine Papstaudienz für die spanischen Pilger beschließt die Festtage, bei denen nahezu der gesamte spanische Episkopat anwesend sein wird.

Im Vorfeld der Feier diskutiert die spanische Öffentlichkeit darüber, ob die Seligsprechung der Superlative auch als eine machtvolle Demonstration der Kirche gegen den antiklerikalen Laizismus der sozialistischen Regierung in Madrid zu verstehen ist. Am 28. Oktober feiern Spaniens Sozialisten den 25. Jahrestag der triumphalen Wahl von Felipe González zum Ministerpräsidenten im Jahr 1982. Die besonnene Amtsführung von González hat mit der provokativ antikirchlichen Politik der jetzigen Regierung allerdings wenig gemeinsam. Ob ein Regierungsmitglied an den Feierlichkeiten in Rom teilnehmen wird, ist derzeit noch offen.

Immerhin besänftigte der Sprecher der Spanischen Bischofskonferenz, Juan Antonio Martínez Camino, die Gemüter mit seiner Ankündigung, die Kirche wolle das zeitliche Zusammentreffen beider Termine nicht zum Anlass nehmen, um Schuldfragen oder politische Probleme zu diskutieren. Der Kirche gehe es ausschließlich um die Ehre Gottes. Um keine neuen Gräben aufzureißen, wollen die Bischöfe nach Angaben ihres Sprechers die künftigen Seligen nicht als „Märtyrer des Bürgerkriegs“ bezeichnen, sondern ihr Blutzeugnis in einen größeren Kontext stellen. Die Kirchenverfolgung in Spanien sei kein Zufall gewesen, so Martínez Camino, sondern Teil des „Holocausts der Christen im 21. Jahrhunderts unter totalitären Regimen, deren düsterstes Kapitel sich nicht in Spanien abgespielt habe“. Die Kirche wolle keine alten Wunden aufreißen oder sich gegen das von der Regierung geplante Gesetz zur Aufarbeitung der Geschichte des Bürgerkriegs stellen. Die Seligsprechung solle nicht spalten, sondern versöhnen, weil die Märtyrer sterbend vergeben hätten.“

Der Rektor der Salesianer in Spanien, Pascual Chávez, erklärte am Montag, die Märtyrer seien „weder Helden noch Opfer einer Bürgerkriegspartei, sondern Zeugen Jesu Christi. Nur für ihn haben sie ihr Blut vergossen“. Mit Blick auf die Seligsprechung von 63 Salesianern sprach Chávez von einem „unschätzbaren Geschenk“. Er habe die Hoffnung, dass das Blut der Märtyrer zum Samen neuer Berufungen werde.

Diese Hoffnung teilen viele spanische Gläubige, in deren Augen sich die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche in ihrer Heimat ähnlich bedrückend darstellt wie zu Beginn der dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Erzbischöfe von Madrid und Toledo jedenfalls lassen in allen heiligen Messen in ihren Diözesen neuerdings für die Einheit Spaniens beten.

[© Die Tagespost vom 11. Oktober 2007]