"Bota fé - Tu Glauben dazu"

Papst Franziskus traf gestern zum ersten Mal die Teilnehmer des WJT

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 313 klicks

Gestern versammelten sich mehr als eine Million Jugendliche und Besucher auf dem berühmten Strand von Rio de Janeiro, der Copacabana, um am ersten Treffen von Papst Franziskus mit den Teilnehmern des Weltjugendtages teilzunehmen. Das kühle, teils stark regnerische Wetter konnte die Begeisterung der Anwesenden nicht mindern. Mit den Worten: „Heiliger Vater, herzlich Willkommen beim 28. Weltjugendtreffen“begrüßten fünf Vertreter der fünf Kontinente den Papst.

Bereits viele Stunden zuvor hatten sich die Gläubigen aus allen Teilen der Welt am Strand versammelt. Bevor die Eröffnungszeremonie begann, fuhr der Heilige Vater in einem offenen Jeep für etwa eine halbe Stunde durch die Menge und begrüßte die Anwesenden unter andauerndem Applaus. Anschließend setzte Musik ein;es folgten Gesänge; Gebete wurden gesprochen und szenische Darbietungen gezeigt. Anschließend begrüßte Papst Franziskus in seiner gewohnt unkomplizierten und herzlichen Art die Jugendlichen mit den Worten „Liebe junge Freunde, guten Abend!“Er sagte, er sehe in ihren Gesichtern das jugendliche Antlitz Jesu Christi,und sein Herz sei voller Freude. Er erinnerte an die Worte von Johannes Paul II. anlässlich des Weltjugendtages 1987 in Buenos Aires, Argentinien, in denen er die Jugendlichen dazu aufrief, ihre Treue zu Jesus Christus und zum erlösenden Kreuz zu erneuern. Bevor er fortfuhr, ließ er eine Schweigeminute anlässlich des tragischen Unfalls in Französisch-Guayana, bei dem eine junge Pilgerin aus Paris ums Leben gekommen war, abhalten. Anschließend dankte er Benedikt XVI., der noch während seines Pontifikats die Einladung nach Rio de Janeiro ausgesprochen hatte.

Er sagte, dass beim Weltjugendtag alle trotz existentieller, kultureller und sozialer Unterschiede vereint seien, um „den Glauben und die Freude der Begegnung mit Christus zu teilen, die Freude, seine Jünger zu sein.“ Die Jugendlichen seien mit Großherzigkeit und Mut der Einladung Jesu an sie gefolgt, „bei ihm zu bleiben, seine Freunde zu sein.“ Vom Corcovado aus umarme und segne sie Christus der Erlöser.

Jesus frage alle Gläubigen immer noch, ob sie seine Jünger, seine Freunde und Zeugen seines Evangeliums sein wollten. Das Jahr des Glaubens lade alle dazu ein, ihren Einsatz als Christen zu erneuern. Er, Papst Franziskus, sei gekommen, um alle Anwesenden in ihrem Glauben an den lebenden Christus, der in ihnen wohne, zu bestärken. Aber, so fügte er hinzu, sei er auch gekommen, um durch die Begeisterung ihres Glaubens selbst gestärkt zu werden.

Die Grußworte von Papst Franziskus richteten sich auch an all diejenigen, die nicht nach Rio de Janeiro kommen konnten. Er sagte: „Fühlen wir uns miteinander verbunden in der Freude, in der Freundschaft, im Glauben. Und seid sicher: Mein Herz als Hirte umfängt euch alle mit grenzenloser Zuneigung.“

Am Ende der Begrüßungsworte dankte der Pontifex dem Präsidenten des Päpstlichen Laienrates, Kardinal Stanislaw Rylko, und seinen Mitarbeitern. Ebenso dankte er Seiner Exzellenz Orani João Tempesta, dem Erzbischof von São Sebastião do Rio de Janeiro,für den herzlichen Empfang und die Arbeit, die die Diözesen im Land geleistet hätten. Sein Dank ging auch an alle am 28. Weltjugendtag beteiligten Organisatoren: „Ich danke allen Verantwortungsträgern auf nationaler, staatlicher und lokaler Ebene sowie allen anderen, die daran beteiligt waren, um diesen einzigartigen Moment der Feier der Einheit, des Glaubens und der Brüderlichkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Ein Dank an die Mitbrüder im Bischofsamt, die Priester, Seminaristen, an die gottgeweihten Personen und die gläubigen Laien, welche die Jugendlichen aus verschiedenen Teilen der Erde auf ihrer Pilgerschaft zu Jesus begleiten. Alle und jeden umarme ich von Herzen im Herrn.“

Anschließend an die Worte zur Begrüßung hielt Papst Franziskus eine Ansprache. Er begann mit einem Ausruf Petri: „Es ist gut, dass wir hier sind“. Dies sei eine Aussage, die alle gemeinsam wiederholen könnten, da es gut für sie sei, gemeinsam um Jesus versammelt zu sein, der alle in Rio empfange und gegenwärtig sei. Doch müssten auch sie ihn aufnehmen, um sein Wort zu hören: „Denn gerade wenn wir Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort, aufnehmen, verwandelt uns der Heilige Geist. Er erhellt den Weg in die Zukunft und lässt uns die Flügel der Hoffnung wachsen, um diesen Weg freudig zurückzulegen.“

Im Folgenden machte der Pontifex eines der Themen des Weltjugendtages „Bota fé – Tu Glauben dazu“ zum Zentrum seiner Ausführungen. „Dazutun“ bedeute, etwas einzubringen. „So ist es auch in unserem Leben, liebe junge Freunde. Wenn wir wollen, dass es wirklich sinnerfüllt ist, so wie ihr es wünscht und verdient, dann sage ich jedem und jeder von euch: ‚Tu Glauben dazu‘, und dein Leben wird einen neuen Geschmack haben; es wird einen Kompass haben, der die Richtung anzeigt. „Tu Hoffnung dazu“,und jeder deiner Tage wird hell sein und dein Horizont wird nicht mehr düster, sondern klar sein. „Tu Liebe dazu“,und dein Leben wird wie ein Haus sein, das auf Fels gebaut ist; dein Weg wird voll Freude sein, denn du wirst viele Freunde treffen, die mit dir gehen. Tu Glauben, Hoffnung und Liebe dazu!“

Durch Jesus Christus verwandle sich das ganze Leben; man könne es mit neuen Augen sehen, vom Gesichtspunkt Jesu aus, mit seinen Augen. Er bringe uns Gott und uns zu Gott. „Tu Christus dazu, nimm Christus in dein Leben hinein,und du wirst einen Freund finden, auf den du dich immer verlassen kannst. Tu Christus dazu,und du wirst die Flügel der Hoffnung wachsen sehen, um den Weg der Zukunft voll Freude zu beschreiten. Tu Christus dazu,und dein Leben wird voll von seiner Liebe sein, es wird ein Leben sein, das Frucht bringt.“

Papst Franziskus stellte die Anwesenden vor eine entscheidende Frage: Nämlich, in wen sie vertrauten, in sich selbst, in materielle Dinge oder in Jesus. Während die ersten beiden Punkte nur eine Illusion des Glückes verursachten und einen dazu drängten, immer mehr zu wollen, sei es der Glaube, der eine wirkliche Revolution im Leben verursache. „…denn er rückt uns aus dem Mittelpunkt heraus und stellt Gott wieder in die Mitte; der Glaube taucht uns in Gottes Liebe ein, die uns Sicherheit, Kraft und Hoffnung gibt. Äußerlich ändert sich nichts, aber tief in unserm Innersten ändert sich alles. In unserem Herzen wohnen Friede, Sanftmut, Herzlichkeit, Mut, Gelassenheit und Freude, die Früchte des Heiligen Geistes sind.“ In diesem Zusammenhang verwies der Pontifex auf das Jahr des Glaubens, das ein Geschenk und Angebot sei, sich noch mehr dem Herrn zu nähern, um ihn unser Leben erneuern zu lassen.

Er führte fort, Christus nehme alle im Sakrament der Vergebung an, um mit seiner Barmherzigkeit die Wunden der Sünde zu heilen. „Hab keine Angst,um Vergebung zu bitten. Wie ein Vater, der uns liebt, wird er nie müde zu vergeben.“ Jeder Jugendliche könne ein Zeuge der Liebe Christi sein, ein Zeuge seines Evangeliums, „um in diese unsere Welt ein wenig Licht zu bringen.“

Abschließend bat er um die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Aparecida, damit die Herzen aller fähig würden, Jesus zu lieben und dafür zu sorgen, dass andere ihn lieben würden. Er warte und zähle auf sie.