Botschaft Benedikts XVI. an die Jugend in den Niederlanden

\"Richtet nach Möglichkeit Momente in eurem Tageslauf ein, in denen Ihr nur die Gesellschaft Gottes sucht\"

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ROM, 15. Dezember 2005 (ZENIT.org).- Anlässlich des ersten holländischen katholischen Jugendtags, der am ersten Adventssonntag in Nieuwegein (Provinz Utrecht) stattfand, verfasste Papst Benedikt XVI. eine Botschaft, in der er den Jugendlichen den Weg des Glaubens und der Freude weist.



Der Heilige Vater erklärt den jungen Menschen in seinem Schreiben, das seit kurzem auf Deutsch vorliegt, wie sie Christus begegnen und mit ihm verbunden bleiben können. Dabei hebt er die Bedeutung des persönlichen Gebets, der Eucharistie und des Bußsakraments hervor. In Bezug auf die Beichte schreibt er: \"Wenn Ihr demütig und wahrheitsgetreu Eure Sünden bekennt, dann werdet Ihr von Gott selbst durch die Worte seines geweihten Dieners Vergebung empfangen. Welch großartige Gelegenheit, uns innerlich zu erneuern und in unserem Leben als Christen voranzukommen, hat der Herr uns mit diesem Sakrament gegeben.\"

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Liebe junge Freunde!

Ich freue mich, Euch allen, die Ihr Euch in Nieuwegein zum ersten Nationalen Katholischen Jugendtag versammelt habt, einen herzlichen Gruß zu senden. Ich grüße Kardinal Simonis, den Erzbischof von Utrecht und Vorsitzenden der niederländischen Bischofskonferenz, und alle Bischöfe der Niederlande und spreche Ihnen meine tiefe Anerkennung aus für die Verwirklichung dieser gelungenen Initiative. Darüber hinaus möchte ich der \"Arbeitsgruppe Katholischer Jugendlicher\" für ihren unermüdlichen Einsatz in diesen Jahren sowie den in der Jugendpastoral tätigen Priestern und Laien, die Euch in Euren Überlegungen begleiten, meinen Dank aussprechen.

Liebe Jugendliche, durch diese Botschaft möchte ich im Geiste bei Euch sein und Euch mein Gebet zusichern. Ich weiß, dass viele von Euch am Weltjugendtag in Köln teilgenommen haben, und freue mich sehr, dass Ihr die in jenen Tagen begonnene Glaubenserfahrung fortsetzen wollt und auch Eure Altersgenossen mitbringt, die nicht die Gnade hatten, am Weltjugendtag teilzunehmen.

Das heutige Treffen, das auf Einladung Eurer Bischöfe stattfindet, ist ein sehr gutes Zeichen für die niederländische Gesellschaft: Es bedeutet, dass Ihr keine Angst habt, zu sagen, dass Ihr Christen seid, und dass Ihr Euch öffentlich dazu bekennen wollt.

Der tiefste Grund für Eure Zusammenkunft ist nämlich die Begegnung mit dem Herrn Jesus Christus. So war es auch für die Teilnehmer des vergangenen Weltjugendtages, der unter dem Thema \"Wir sind gekommen, um ihn anzubeten\" (Mt 2,2) stand. Auf den Spuren der Weisen aus dem Morgenland, die mit brennender Sehnsucht auf der Suche nach der Wahrheit waren, sind junge Menschen aus allen Teilen der Erde nach Köln gekommen, um den Mensch gewordenen Gott zu suchen und anzubeten, und sind dann, durch die Begegnung mit ihm verändert und durch seine Gegenwart erleuchtet, ebenso wie die Weisen aus dem Morgenland \"auf einem anderen Weg\" (Mt 2,12) in ihre eigenen Länder zurückgekehrt. So seid auch Ihr in die Niederlande zurückgegangen – mit dem Wunsch, den Reichtum dessen, was Ihr erlebt habt, mitzunehmen. Und heute wollt Ihr ihn mit Euren Altersgenossen teilen.

Liebe Freunde, Jesus ist Euer wahrer Freund und Herr, schließt echte Freundschaft mit Ihm! Er wartet auf Euch, und nur in Ihm findet Ihr das Glück. Wie bequem ist es doch, sich mit den oberflächlichen Vergnügungen zufrieden zu geben, die der Alltag uns bietet; wie bequem ist es doch, nur für sich selbst zu leben und das Leben scheinbar zu genießen! Aber früher oder später merkt man, dass dies nicht das wahre Glück ist, weil es viel tiefer liegt: Das wahre Glück findet man nur in Jesus, wie ich schon in Köln sagte: \"Das Glück, das Ihr sucht, das Glück, auf das Ihr ein Anrecht habt, hat einen Namen, ein Gesicht: Es ist Jesus von Nazaret\" (18. August 2005, (Ansprache bei den Poller Rheinwiesen).

Darum lade ich Euch ein, jeden Tag den Herrn zu suchen, der nichts anderes will, als dass Ihr wirklich glücklich seid. Haltet zu Ihm eine starke und dauerhafte Beziehung im Gebet aufrecht, und richtet nach Möglichkeit Momente in eurem Tageslauf ein, in denen Ihr nur seine Gesellschaft sucht. Wenn Ihr nicht wisst, wie Ihr beten sollt, dann bittet Ihn, es Euch zu lehren, und bittet seine himmlische Mutter, mit Euch und für Euch zu beten. Das Rosenkranzgebet kann Euch helfen, die Kunst des Betens zu erlernen, mit der Schlichtheit und Tiefgründigkeit Mariens.

Es ist wichtig, dass die Teilnahme an der Eucharistie, in der Jesus uns sich selbst schenkt, zu einem Mittelpunkt in Eurem Leben wird. Er, der für die Sünden aller Menschen gestorben ist, will mit jedem von Euch in Verbindung treten und an die Tür Eurer Herzen klopfen, um Euch seine Gnade zu schenken. Begegnet Ihm in der heiligen Eucharistie, geht in die Kirche, um Ihn anzubeten, und kniet vor dem Tabernakel nieder: Jesus wird Euch ganz mit seiner Liebe erfüllen und Euch die Gedanken seines Herzens offenbaren. Wenn Ihr auf Ihn hört, werdet Ihr immer tiefere Freude darüber empfinden, ein Teil seines mystischen Leibes, der Kirche, zu sein, der Familie seiner Jünger, die innig verbunden ist in der Einheit und in der Liebe. Zudem werdet Ihr es lernen, Euch mit Gott versöhnen zu lassen, wie der Apostel Paulus gesagt hat (vgl. 2 Kor 5,20). Vor allem im Sakrament der Buße und Versöhnung wartet Jesus auf Euch, um Eure Sünden zu vergeben und Euch durch den Dienst des Priesters mit seiner Liebe zu versöhnen. Wenn Ihr demütig und wahrheitsgetreu Eure Sünden bekennt, dann werdet Ihr von Gott selbst durch die Worte seines geweihten Dieners Vergebung empfangen. Welch großartige Gelegenheit, uns innerlich zu erneuern und in unserem Leben als Christen voranzukommen, hat der Herr uns mit diesem Sakrament gegeben!

Liebe Freunde, wie ich bereits erwähnte, werdet Ihr, wenn Ihr Jesus nachfolgt, nie das Gefühl haben, allein zu sein, da Ihr ein Teil der Kirche seid, einer großen Familie, in der Ihr in wahrer Freundschaft mit vielen Brüdern und Schwestern im Glauben, die in allen Teilen der Welt verstreut leben, wachsen könnt. Jesus braucht Euch, um die heutige Gesellschaft zu \"erneuern\". Strebt danach, die Glaubensinhalte immer tiefer zu erfassen, um echte Zeugen für Ihn sein zu können, und die katholische Lehre immer besser zu verstehen: Auch wenn sie oft eine Botschaft zu sein scheint, die aus weltlicher Sicht nicht einfach zu akzeptieren ist, so gibt sie Euch doch eine befriedigende Antwort auf Eure tiefsten Fragen.

Habt Vertrauen zu den Hirten, die Euch leiten, den Bischöfen und Priestern; bringt Euch aktiv ein in die Gemeinden, Bewegungen, Vereinigungen und kirchlichen Gemeinschaften, um gemeinsam mit anderen Menschen die Freude zu erfahren, Jünger Christi zu sein, der die Wahrheit verkündet und die Liebe schenkt. Mit dem Antrieb, den Ihr durch seine Wahrheit und Liebe erhaltet, wird es Euch möglich sein, gemeinsam mit anderen Christen und Jugendlichen, die auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens sind, eine bessere Zukunft für alle Menschen zu schaffen.

Liebe Freunde, ich bin Euch nahe im Gebet, auf dass Ihr Euch großherzig einlassen mögt auf den Ruf der Stimme des Herrn, der Euch große Ideale vor Augen hält, die Euch zu einem schönen Leben voller Freude verhelfen können. Seid Euch sicher: Nur wenn man seiner Aufforderung nachkommt, so anspruchsvoll diese auch scheinen mag, ist es möglich, Glück und Frieden für das Herz zu finden.

Möge die Jungfrau Maria Euch auf dem Weg christlichen Einsatzes begleiten und Euch in jedem guten Vorhaben zur Seite stehen. Mit dieser Gesinnung erteile ich Euch, die Ihr Euch in Nieuwegein versammelt habt, und all jenen, die Euch mit Liebe und Weisheit auf dem Weg menschlichen und geistlichen Heranreifens begleiten, meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, 21. November 2005

BENEDICTUS PP. XVI

[Vom Heiligen Stuhl veröffentlichte deutsche Übersetzung]