Botschaft Benedikts XVI. an die Kamaldulenser zur 1000-Jahr-Feier der Geburt des heiligen Petrus Damiani

„Gelehrter, Eremit und Mann der Kirche, vor allem aber ein Mensch, der Christus liebte“

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ROM, 14. März 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Botschaft, die Benedikt XVI. zur 1000-Jahr-Feier der Geburt des heiligen Petrus Damiani verfasst hat.



Der Heilige Vater hebt in seinem Schreiben an den Oberen des Klosters San Gregorio al Celio und alle Mitglieder des Kamaldulenserorden hervor, dass der heilige Petrus Damiani vom Wunsch beseelt gewesen sei, „dass die kirchliche Gemeinschaft sich stets als heilige und makellose Braut zeigen möge, bereit für ihren himmlischen Bräutigam“.

Petrus Damiani, der 1007 in der italienischen Stadt Ravenna geboren wurde, wirkte in seiner Heimatstadt als Lehrer und Priester. 1035 trat er in die Abtei des heiligen Benedikt in Fonte Avellana ein, wo er bald Prior wurde. Er setzte sich sehr für die Reform der Kirche in Italien ein, die er nur im Zusammenwirken von Kaiser und Papst für möglich hielt.

1057 wurde er von Papst Stephan IX. zum Bischof von Ostia ernannt und in den Kardinalsstand erhoben. Auf vielen Reisen trat er im Auftrage der römischen Kurie für die Freiheit der Kirche ein. Er starb im Februar 1072 in Faenza. Seine Gebeine wurden später im dortigen Dom beigesetzt. 1829 wurde Petrus Damiani zum Kirchenlehrer erhoben.

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An den Ehrwürdigen Pater
GUIDO INNOCENZO GARGANO
Oberer des Klosters »San Gregorio al Celio«

Das heutige Fest des hl. Petrus Damiani bietet mir die willkommene Gelegenheit, einen herzlichen Gruß an alle Mitglieder des verdienstvollen Ordens der Kamaldulenser zu richten, sowie auch an diejenigen, die sich mit Bewunderung an der Gestalt und am Werk dieses großen Zeugen des Evangeliums inspirieren. Er war einer der Protagonisten der mittelalterlichen Kirchengeschichte und zweifellos der produktivste Schriftsteller des 11. Jahrhunderts. Die Tausendjahrfeier seiner Geburt stellt eine äußerst günstige Gelegenheit dar, die Aspekte zu vertiefen, die bezeichnend sind für seine vielseitige Persönlichkeit als Gelehrter, Eremit und Mann der Kirche, vor allem aber als Mensch, der Christus liebte. In seinem Leben zeigt der hl. Petrus Damiani eine glückliche Synthese von Eremitenleben und pastoraler Tätigkeit. Als Eremit verkörpert er jene evangeliumsgemäße Radikalität und jene vorbehaltlose Liebe zu Christus, die in der Regel des hl. Benedikt so trefflich zum Ausdruck kommen: »Nichts, überhaupt nichts der Liebe zu Christus voranstellen«. Als Mann der Kirche wirkte er mit weitblickender Weisheit und traf, wenn nötig, auch kühne und mutige Entscheidungen. Seine ganze menschliche und geistliche Geschichte befindet sich im Spannungsfeld zwischen Eremitenleben und kirchlichen Verpflichtungen.

Der hl. Petrus Damiani war vor allem ein Eremit, er war sogar der letzte Theoretiker des Eremitenlebens in der lateinischen Kirche, zu der Zeit, als sich das Schisma zwischen Ost und West vollzog. In seinem interessanten Werk mit dem Titel »Vita Beati Romualdi« hat er uns eine der bedeutendsten Früchte der monastischen Erfahrung der ungeteilten Kirche hinterlassen. Für ihn ist das Eremitenleben eine nachdrückliche Mahnung an alle Christen, den Primat Christi und seine Herrschaft anzuerkennen. Es ist eine Einladung, die Liebe zu entdecken, die Christus, ausgehend von seiner Beziehung zum Vater, zur Kirche hat, eine Liebe, die der Eremit seinerseits nähren muß »mit, durch und in« Christus gegenüber dem ganzen Volk Gottes. Er verspürte so stark die Gegenwart der Universalkirche im Eremitenleben, daß er in der ekklesiologischen Abhandlung mit dem Titel »Dominus vobiscum« schrieb, die Kirche sei eine in allen ihren Gliedern und zugleich ganz in jedem ihrer Glieder.

Dieser große Eremit und Heilige war auch ein herausragender Mann der Kirche, der bereit war, die Einsiedelei zu verlassen und sich überall dorthin zu begeben, wo seine Anwesenheit nötig war, um zwischen Streitenden zu vermitteln, seien dies Kirchenmänner, Mönche oder einfache Gläubige. Obgleich er radikal auf das »unum necessarium« konzentriert war, entzog er sich nicht den praktischen Erfordernissen, die die Liebe zur Kirche ihm auferlegte. Er war getrieben von dem Wunsch, daß die kirchliche Gemeinschaft sich stets als heilige und makellose Braut zeigen möge, bereit für ihren himmlischen Bräutigam, und er brachte mit lebhafter »ars oratoria« seinen aufrichtigen und uneigennützigen Eifer für die Heiligkeit der Kirche zum Ausdruck. Nach jeder kirchlichen Mission kehrte er jedoch in den Frieden der Einsiedelei von »Fonte Avellana« zurück. Frei von jedem Ehrgeiz ging er sogar soweit, endgültig auf die Kardinalswürde zu verzichten, um sich nicht von der Eremiteneinsamkeit zu entfernen, der Zelle seines in Christus verborgenen Daseins.

Schließlich war der hl. Petrus Damiani die Seele der »Gregorianischen Reform«, die den Übergang vom ersten zum zweiten Jahrtausend prägte und deren Herz und Antriebskraft der hl. Gregor VII. war. Konkret ging es darum, Entscheidungen auf institutioneller Ebene und von theologischem, disziplinärem und geistlichem Charakter umzusetzen, die im zweiten Jahrtausend eine größere »libertas Ecclesiae« zuließen, indem der Atem der großen Theologie zurückgewonnen wurde mit Bezug auf die Kirchenväter und insbesondere auf den hl. Augustinus, den hl. Hieronymus und den hl. Gregor den Großen. In Wort und Schrift wandte er sich an alle: Von den Eremiten, seinen Mitbrüdern, verlangte er den Mut zur radikalen Hingabe an den Herrn, einer Hingabe, die dem Martyrium möglichst nahekommen sollte; vom Papst, von den Bischöfen und von den hochrangigen Kirchenmännern forderte er einen evangeliumsgemäßen Abstand von Ehren und Privilegien bei der Erfüllung ihrer kirchlichen Funktionen; die Priester erinnerte er an das sehr hohe Ideal ihrer Sendung, die sie ausüben müssen, indem sie die Sittenreinheit und eine wirkliche persönliche Armut pflegen.

In einer Epoche, die gezeichnet war von Parteilichkeiten und Ungewißheiten, da sie keine einigenden Prinzipien besaß, vermittelte Petrus Damiani, der sich der eigenen Grenzen bewußt war – er liebte es, sich als »peccator monachus« zu bezeichnen –, seinen Zeitgenossen das Bewußtsein, daß sich nur durch eine beständige harmonische Spannung zwischen zwei grundlegenden Polen des Lebens – der Einsamkeit und der Gemeinschaft – ein wirksames christliches Zeugnis entfalten kann. Gilt diese Lehre vielleicht nicht auch für unsere Zeit? Ich bringe gern den Wunsch zum Ausdruck, daß die Tausendjahrfeier seiner Geburt dazu beitragen möge, nicht nur die Aktualität und die Tiefe seines Denkens und Handelns wiederzuentdecken, sondern daß sie auch eine günstige Gelegenheit sein möge zur persönlichen und gemeinschaftlichen Erneuerung, durch einen ständigen Neubeginn in Jesus Christus, »derselbe gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebr 13,8).

Ich versichere Sie und alle Kamaldulensermönche eines Gedenkens im Gebet und sende allen einen besonderen Apostolischen Segen, in den ich gern auch diejenigen einschließe, die Ihre Spiritualität teilen.

Aus dem Vatikan, am 20. Februar 2007

BENEDICTUS PP. XVI

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