Botschaft der Mitglieder der Bischöflichen Europäischen Kommission für die Medien (CEEM) an die Bischöfe Europas

Die Medien "können eine wahrhaftige Chance darstellen, wenn sie verantwortlich und kreativ eingesetzt werden"

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WARSCHAU, 20. September 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Schlusserklärung, die die Mitglieder der Vollversammlung der Europäischen Bischöflichen Kommission für die Medien (CEEM) und die Presseattachés und Pressesprecher der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) anlässlich ihres am 18. September zu Ende gegangenen Treffens in Warschau (Polen) verabschiedet haben. Sie erinnern daran, dass eine Kirche, die fern bleibt oder zu entgegenkommend ist, "weder von den Medien, noch von den jungen Menschen respektiert" werde. Aus diesem Grund müsse die Kirche "so auftreten, wie sie wirklich ist": kühn und furchtlos.



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"Das aktuelle Phänomen der sozialen Kommunikationsmittel spornt die Kirche zu einer Art pastoraler und kultureller Erneuerung an (…). Darauf müssen vor allem die Hirten achten" (Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben "Die Schnelle Entwicklung").

Die Kultur der jungen Generation wird durch Kommunikationsmittel geprägt. Die Massenmedien zeigen eine unendliche Vielfalt von unterschiedlichen Wegen zum Glück auf, welchen die Kirche mit einer anderen Lebensart in der Kommunion mit Christus entgegen tritt. Dieses Zeugnis muss in einer Sprache kommuniziert werden, die authentisch ist und jungen Menschen in gleicher Weise zugänglich ist wie die Musik, die über sämtliche Grenzen hinweg verstanden wird.

Was bieten wir jungen Menschen an, um ihren Durst nach Wahrheit, Schönheit, Glauben und Liebe zu stillen? Vermögen wir zu verstehen, was sie uns durch ihre Lebensart, ihre Entscheidungen und ihre Sprache sagen wollen?

Die Kirche ist aufgerufen, den Glauben in die neuen Formen menschlicher Beziehungen einzubringen, die von den Medien geschaffen worden sind. Durch Information, Aus- und Fortbildung, die Entdeckung anderer europäischer Kulturen usw. kann die Kirche der jungen Generation helfen, Europa aufzubauen. Wie die Weltjugendtage beweisen, zeigt sich im Glauben der jungen Menschen das Antlitz Christi.

Die Medien sind ein Geschenk Gottes. Wir müssen sie positiv betrachten und diejenigen respektieren, die in den Medien arbeiten. Die neuen Technologien tragen zum Aufbau neuer Solidargemeinschaften und Freundschaften sowie zu Zeugnis und Ausdruck des Glaubens in der Achtung vor Meinungsunterschieden bei. Sie können eine wahrhaftige Chance darstellen, wenn sie verantwortlich und kreativ eingesetzt werden. Es ist eine Herausforderung, der sich die Kirche stellen muss.

Wir, die Bischöfe und Mitglieder des Bischöflichen Europäischen Komitees für die Medien (CEEM) sowie die mit uns zusammen arbeitenden Experten, Priester, Ordensleute und Laien, Eltern und Jugendliche, fordern die Bischöfe Europas dazu auf,

– die jungen Menschen in die seelsorgerische Arbeit mit einzubeziehen. Ein beträchtlicher Teil der audiovisuellen, musikalischen und Kinoproduktion umfasst Werke großen – wenngleich manchmal impliziten – spirituellen und religiösen Reichtums. Wir müssen diesen Reichtum erkennen und fördern können. Dieses Ziel verfolgen etwa ökumenische Jurys bei Kino- oder Fernsehfestivals. Wir sollten nicht zögern, in solche Gremien auch junge Menschen einzubinden.

– die sozialen Kommunikationsmittel in die Seelsorge einzugliedern, indem wir menschliche und finanzielle Ressourcen in die medienrelevante Aufklärung der Öffentlichkeit einerseits, sowie in die Aus- und Fortbildung derjenigen investieren, die in den Medien arbeiten. Falls die Kirche nicht über die Mittel verfügt, in all diese Felder zu investieren, dann sollte sie sich Prioritäten setzen und Initiativen fördern, die dieselben Ziele verfolgen.

– neue Mittel einsetzen, etwa die Versendung von Einladungen auf Jugendtreffen mittels SMS-Nachrichten, die Teilnahme an Internetforen über relevante Themen, europaweite Werbekampagnen, die Schaffung einer europäischen Webseite in mehreren Sprachen u.ä. Diese Mittel werden es der Kirche ermöglichen, größere Präsenz bei jungen Menschen zu zeigen und zu demonstrieren, dass die Botschaft des Evangeliums ihren Erwartungen durchaus entsprechen kann.

Mit den Worten Christi ermuntern wir Sie: "Habt keine Angst!" Seit Anfang seines Pontifikats hat uns Papst Benedikt XVI. in die Pflicht genommen: Die junge Generation erwartet von uns, dass wir keine Angst vor den Medien haben. Wir müssen dort sein, wo man uns nicht erwartet, wir müssen sprechen, wenn die Kirche dazu aufgerufen ist, an öffentlichen Debatten teilzunehmen, und wir müssen diejenigen unterstützen, die dies bereits tun. Eine Kirche, die fern bleibt oder zu entgegenkommend ist, wird weder von den Medien, noch von den jungen Menschen respektiert. Sie muss so auftreten, wie sie wirklich ist.

Warsaw, 18. September 2005

[Von der CEEM veröffentlichte deutsche Fassung]