Botschaft der US-Bischöfe zur Präsidentschaftswahl 2012

Klare Stellungnahme zu nicht-verhandelbaren Themen

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ROM, 14. November 2011 (ZENIT.org). – Die Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten (USCCB) hat vor kurzem ein detailliertes Dokument mit dem Titel: „Forming consciences for faithful citizenship. A call to political responsibility form the Catholic bishops oft he United States“ („Gewissensbildung für das gläubige Bürgertum. Ein Aufruf der katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten zur politischen Verantwortung“), in dem einige allgemeine Richtlinien der politischen Haltung für katholische Laien vorgestellt werden, die 2007 vom Treffen der Bischöfe vor der Präsidentschaftswahl entwickelt worden waren.

Seitdem sind vier Jahre vergangen, aber die Situation hat sich nicht entscheidend verändert. Der Vorsitzende der US-Bischöfe, Erzbischof Timothy Kardinal Dolan von New York, wird jetzt aber deutlicher. Es geht ihm vor allem um sechs Punkte für die nächste Wahl:

An erster Stelle steht der Schutz des menschlichen Lebens (Abtreibungsgesetze), in diesem Zusammenhang geht es auch um die Gewissensfreiheit von Medizinern und medizinischem Personal. In zweiter Stelle steht die Ehe als eine lebenslange Verbindung von Mann und Frau. Diesen zentralen Punkten folgen Überlegungen zur momentanen Wirtschafts- und Finanzkrise, Arbeitsplatzversluste in Amerika, neue Armut in der amerikanischen Gesellschaft, das heikle Thema der Einwanderung ( in Staaten wie Kalifornien oder Florida ein mehr und mehr kontroverses Thema) und schließlich Krieg und Terrorismus.

Vor allem sticht der Punkt der „libertas Ecclesiae“ heraus, der dem Leser des Dokuments an mehreren Stellen begegnet. Die Bischöfe wünschen eine solide Grundlage für das legitime Eingreifen der Kirche in das öffentliche Leben, gerade wenn es um moralische Werte geht, da die Erziehung zu moralischen Werten eine fundamentale Mission darstelle und ein konstitutives Element der Demokratie in Amerika von Anfang an gewesen sei.

Der Inhalt des Dokuments ist eindeutiger und klarer, als man es normalerweise von europäischen Bischofskonferenzen gewohnt ist. Obwohl keine direkte Wahlempfehlung gegeben wird, äußert sich die Bischofskonferenz eindeutig, wenn es um nicht-verhandelbare Themen geht.

Die immer wiederkehrende Forderung  des gesamten Dokuments ist der Schutz des menschlichen Lebens, „das unabwendbare Recht auf Leben jeder unschuldigen menschlichen Person, das die anderen Anliegen übergeordnet ist.“ In Fragen der Bioethik gebe es Akte die „in sich schlecht“ seien, und „niemals gerechtfertigt werden können“.

Der Inhalt des Dokumentes entspricht der Lehre der letzten beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die aber bei der letzten Wahl nicht ausschlaggebend genug für die katholische Wählerschaft war. Ein Grund dafür sei möglicherweise das von moralischem Relativismus geprägte gesellschaftliche Umfeld.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Richtlinien zum Tragen kommen, wenn die Kandidaten öffentlich ihre Positionen zu diesen Themen beziehen. Im nächsten Jahr wird offenbar werden, inwiefern die mutige Stellungnahme der USCCB sich als wirksam erweist und sich eine konkrete Einwirkung auf die Wahlurne zeigt. [jb]