Botschaft des Heiligen Vaters an den Präsidenten von ADVENIAT

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VATIKAN, 24. September 2001 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen im folgenden die Botschaft, die der Heilige Vater an Msgr. Franz Grave, den Präsidenten von Adveniat, dem karitativen Verband der Deutschen Bischofskonferenz für Lateinamerika.



Meinem verehrten Bruder im Bischofsamt
Monsignore Franz Grave

Präsident der Bischöflichen Aktion ADVENIAT

1. Vor vierzig Jahren hat die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz entschieden, an den Weihnachtsgottesdiensten zum ersten Mal eine Kollekte zugunsten der Kirchen in Lateinamerika durchzuführen. Dieser Beschluß vom 30. August 1961 steht gleichsam an der Wiege jenes verdienstvollen Werkes der Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den Teilkirchen in Deutschland und den Teilkirchen auf dem lateinamerikanischen Kontinent, das später den Namen der Bischöflichen Aktion ADVENIAT tragen und in den Jahren seines Bestehens wesentlich dazu beitragen sollte, den Einsatz für die Evangelisierung in Lateinamerika anzuregen und zu stärken.

2. Auch ich möchte mich einreihen in die Schar derer, die dem Herrn Dank sagen für die Großherzigkeit, mit der die deutschen Katholiken dem Wunsch meines verehrten Vorgängers, des seligen Papstes Johannes XXIII., entsprochen und die Kirchen in Lateinamerika mit Spenden unterstützt haben, um dadurch kirchliche Projekte zu verwirklichen.

Mit besonderer Wertschätzung und Dankbarkeit erinnere ich an die beiden herausragenden Kardinäle Joseph Frings, Erzbischof von Köln, und Franz Hengsbach, Bischof von Essen, die als eine Art Baumeister dieses Bischöflichen Werkes gelten können. Ich drücke meine Anerkennung auch der gesamten Deutschen Bischofskonferenz gegenüber aus, die eine so bedeutende Aktion anzustoßen und voranzutreiben vermochte. Ebenso danke ich allen Wohltätern und den zahlreichen "einfachen" Gläubigen, die Jahr um Jahr mit ihrem Beitrag ihre Brüder und Schwestern in Lateinamerika wirksam unterstützen. Der Herr, der auch das Verborgene sieht, wird ihnen ihre Güte reichlich vergelten (vgl. Mt 6, 2-4).

3. Nach vier Jahrzehnten fruchtbaren Zusammenwirkens in der Kirche können wir heute voller Freude auf die reiche Ernte schauen, die aus der großen und unerschöpflichen Liebe der deutschen Katholiken zu den Schwesterkirchen in Lateinamerika erwachsen ist: Es wurden Hilfen gewährt zur Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Katechisten sowie Zuschüsse für den Bau von Kirchen, Kapellen, Seminarien, Pfarrzentren und Klöstern; Autos und Fahrzeuge wurden ebenso zur Verfügung gestellt wie zahlreiche andere nützliche Hilfsmittel, die dem Werk der Evangelisierung dienen und den Bedürfnissen der Seelsorge entsprechen sollten.

Auf diese Weise haben die deutschen Katholiken in Gemeinschaft mit ihren Oberhirten nicht nur auf die große pastorale Herausforderung geantwortet, die materiellen Nöte zu lindern, die auf den an Glauben so reichen, aber an religiösen Infrastrukturen mitunter armen Ortskirchen in Lateinamerika lasten. Denn die deutschen Katholiken nehmen in gewissem Sinn auch an der besonderen Sorge Anteil, die der Nachfolger Petri für die Brüder und Schwestern in Lateinamerika hegt, und werden sich so mehr und mehr bewußt, daß sie Glieder der universalen Kirche sind.

4. Die konkreten Gesten der Verbundenheit mit den Schwesterkirchen ebenso wie die wirtschaftliche Hilfe oder andere Zeichen der Solidarität drücken das Geheimnis der Kirche als Communio aus: Alle sind Glieder eines einzigen Leibes, und Christus ist das Haupt. So möchte ich meine Wertschätzung auch für die Partnerschaften ausdrücken, die zwischen deutschen und lateinamerikanischen Diözesen mit Hilfe von ADVENIAT gewachsen sind und im wechselseitigen Geben und Nehmen gute und reiche Früchte der Solidarität hervorbringen.

Dank des unermüdlichen Wirkens von ADVENIAT wurde ein festes Netz der Verbundenheit zwischen der Kirche in Deutschland und den Teilkirchen in Lateinamerika geknüpft, deren Länder das Licht Christi vor mehr als fünfhundert Jahren empfangen haben und nunmehr etwa die Hälfte der Katholiken auf dem Erdball bergen. Diese Gebiete zeichnen sich durch eine kulturelle Identität aus, in der sich das Evangelium tief eingeprägt hat; gleichzeitig gibt es dort eine lebendige Kirche, die darauf drängt, das Werk der Evangelisierung anzugehen (vgl. Rede an die Päpstliche Kommission für Lateinamerika, 23. März 2001).

5. Der Reichtum und die Lebenskraft der Kirche auf dem "Kontinent der Hoffnung" sollen für die deutschen Katholiken ein Ansporn sein, den eigenen Glauben immer intensiver undüberzeugender so zu leben, wie es der heilige Paulus der Kirche von Korinth im Hinblick auf die Kirche von Jerusalem ans Herz gelegt hat: "Im Augenblick soll euer Überfluß ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluß einmal eurem Mangel abhilft. So soll ein Ausgleich entstehen" (2 Kor 8, 14).

Mein Herzenswunsch ist es, daß das enge Band zwischen euren Ortskirchen und den Ortskirchen in Lateinamerika auch in Deutschland reiche Früchte hervorbringe, so daß die Kirche sich erneuere und sich dabei am "hohen Maßstab des christlichen Lebens" orientiere, den ich in meinem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte vor Augen stellte (vgl. Nr. 31).

6. Am Beginn des dritten Jahrtausends rufe ich die Hirten und Gläubigen in Deutschland auf, die im Jubiläumsjahr "empfangene Gnade zu beherzigen und sie in eifrige Vorsätze und konkrete Maßstäbe zum Handeln in einer Weise umzusetzen" (Novo millennio ineunte, 3), daß für eine globale kirchliche Solidarität so wichtige und erfolgreiche Werke wie ADVENIAT noch mehr aufblühen und gedeihen können.

Möge der Herr auf die Fürsprache der Jungfrau von Guadalupe und Schutzfrau Amerikas eure Herzen mit der Gabe der Liebe erfüllen und eure Taten begleiten, die ihr für die ärmsten Brüder und Schwestern im Glauben vollbringt. Mit diesem Wunsch erteile ich euch von Herzen den Apostolischen Segen.

Castel Gandolfo, am 30. August 2001
IOANNES PAULUS II
[Originalsprache: Deutsch]