Botschaft des Schweizer Jugendbischofs Denis Theurillat zum Weltjugendtag 2008

„Zeugen des lebendigen Christus und seiner Kirche“

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FRIBOURG, 18. September 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den Brief, den der Schweizer Jugendbischof Denis Theurillat den jungen Menschen zur Vorbereitung auf den Weltjugendtag 2008 hat zukommen lassen.



Der Basler Weihbischof bekräftigt in seiner Einladung zum Zeugnis für das Evangelium, dass die Botschaft Benedikts XVI. zum 23. Weltjugendtag geradezu Lust mache, „das Wort Gottes zu hören, das befreiend ist, aber auch, es weiterzugeben – dort weiterzugeben, wo wir leben“.

Die Weltjugendtage gehen auf Papst Johannes Paul II. zurück. Die 23. Ausgabe dieser „freudigen Begegnung des Glaubens“, wie sich Benedikt XVI. am 4. Juli ausdrückte (vgl. Aufruf zur geistigen Vorbereitung), wird unter dem Motto „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8), vom 14. bis zum 20. Juli 2008 in der australischen Metropole Sydney stattfinden.

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Weltjugendtag (WJT) – Sydney 2008

Liebe Jugendliche!

Es gibt Botschaften, die gut tun. Das gilt auf jedem Gebiet, es ist also auch in der Kirche der Fall. Diese Botschaften tun uns gut, weil sie uns bereichern, ermutigen, motivieren und begeistern. Unter den Botschaften, die wir von Papst Benedikt XVI. im Verlauf dieses Sommers erhalten haben, gibt es eine, die meine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat: Die Botschaft an die Jugendlichen zum Weltjugendtag (WJT), der im Juli 2008 in Sydney stattfinden wird.

Eine wunderbare Botschaft – um einen Ausdruck zu gebrauchen, den ich gern habe – weil sie einem wirklich Lust macht, Zeugnis abzulegen. Sie macht Lust, das Wort Gottes zu hören, das befreiend ist, aber auch, es weiterzugeben – dort weiterzugeben, wo wir leben.

Das ist ein zentraler Teil der Botschaft von Papst Benedikt XVI., welche unser Glaubensleben um eine wichtige Dimension bereichert: Die Gegenwart des Heiligen Geistes. Auf diese Gegenwart möchte ich nachher nochmals zurückkommen.

Kommen wir zuerst auf das Zeugnis zu sprechen.

Seit seiner Entstehung macht uns der WJT immer mehr bewusst, dass wir in unserem Glaubensleben nicht passiv bleiben dürfen, im Sinne, dass wir das Wort Gottes nicht nur konsumieren dürfen. Wir müssen im Gegenteil mit diesem Wort etwas tun. Natürlich besteht der WJT darin, dass wir uns an einem Ort versammeln, wohin die Jugendlichen der Welt eingeladen sind: an einen Ort, den der Papst auswählt. Der WJT besteht darin, dass die Geschwisterlichkeit und die Freundschaft mit den Jugendlichen der Welt gelebt wird. Er zeigt uns, dass wir Gott feiern und sein Wort hören sollen. Aber wir müssen noch weitergehen: Der WJT zeigt uns, dass wir uns engagieren müssen, das heißt, dass wir etwas tun müssen. Dass wir Zeugnis ablegen müssen. Aber ab wann kann man von einem Zeugnis sprechen?

Das Zeugnis entsteht und erhält immer mehr Gestalt, wenn das Wort Gottes, das wir oft hören, anfängt, in uns zu arbeiten, also anfängt, uns zu formen und zu verwandeln. Eines der Resultate dieser Verwandlung besteht dann darin, dass wir nicht mehr schweigen können und nicht mehr sitzen bleiben können. Wir müssen aufstehen, um auf einen Slogan zurückzugreifen, den wir nicht vergessen haben: „Steh auf“. Ihr erinnert euch bestimmt an das nationale Jugendtreffen in Bern am 5. und 6. Juni 2004 mit dem Besuch von Papst Johannes Paul II.

Es ist also sehr motivierend, dass Papst Benedikt XVI., uns mit einem solchen Thema für den WJT in Sydney darum bittet, zu Zeugen zu werden oder es immer mehr zu werden, also zu Missionaren zu werden in der eigentlichen Bedeutung des Wortes. Es handelt sich darum, im Namen eines anderen zu sprechen, das heißt, es handelt sich darum, im Namen des Anderen schlechthin zu sprechen. Es handelt sich darum, diesen Anderen zu verkünden und, wenn möglich, Ihn in seinen Taten und Worten nachzuahmen.

In seiner Botschaft spricht der Papst von einem neuen Pfingsten. Um ein neues Pfingsten zu erleben, ist es notwendig, dass jemand uns vorangeht und uns den Weg erhellt. Wir können die Überlegung zu Ende denken: Es ist wichtig, dass diese Person in uns wohnt. Kommen wir also jetzt wieder zurück zu dieser Präsenz.

Wir kennen den Namen dieser Person, es ist der Heilige Geist. Ich mag diese Überlegung des Papstes sehr, er schreibt: „Dennoch reicht es nicht, ihn nur zu kennen; er muss als Führer unserer Seelen angenommen werden, als »innerer Lehrmeister«, der uns in das Geheimnis der Trinität einführt, denn nur er kann uns für den Glauben offen machen und uns ermöglichen, ihn jeden Tag in Fülle zu leben.“

Aber wie können wir den Heiligen Geist in uns aufnehmen?

Der Papst lädt uns ein, es zu tun, indem wir uns an die Wichtigkeit der Sakramente erinnern, besonders an die Sakramente der christlichen Initiation. Er hält uns dazu an, zum Beispiel die ganze Bedeutung der Taufe und der Firmung zu entdecken. Er sagt: „Wer die Sakramente der Taufe und der Firmung empfangen hat, soll sich daran erinnern, dass er »Tempel des Heiligen Geistes « geworden ist: Gott wohnt in ihm.“ Er fügt hinzu: „Um im christlichen Leben zu wachsen, ist es notwendig, sich mit dem Leib und dem Blut Christi zu nähren: denn wir sind getauft und gefirmt im Hinblick auf die Eucharistie. Denn jedes Mal wenn wir die heilige Messe feiern, empfangen wir den Heiligen Geist, der uns tiefer mit Christus vereint und uns ihm ähnlich macht.“

Wie ihr wisst, feiere ich sehr oft Firmungen in den Gemeinden der Diözese Basel. Jede Firmung ist ein Ereignis, jedes Mal bin von den Worten beeindruckt, die ich bei der Chrisamsalbung spreche: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Ich verbinde diese Wort immer mit dem Moment, in dem Jesus, der Auferstandene, seinen Jüngern erscheint und ihnen sagt: „Friede sei mit euch.“ Und ein wenig später: „Empfangt den Heiligen Geist.“

In meinem Glaubensleben entdecke ich immer mehr, dass der Heilige Geist nicht eine Idee oder ein Konzept oder etwas Diffuses oder Vages ist, sondern dass der Heilige Geist ein Jemand, eine Person ist, die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit. Dieser Atem Gottes, liebe Jugendliche, steht am Anfang unserer Arbeit als Zeugen. Ohne diesen Atem kommen wir außer Atem. Ohne ihn, kann man sagen, haben wir keine Luft mehr. Wir ersticken und sterben. Mit ihm haben wir immer mehr Sauerstoff und leben immer intensiver!

Also, liebe Jugendliche: Sydney 2008. Gut, Sydney ist eine Stadt. Ja. Aber diese Stadt hört sich wie eine Botschaft an. Es bleiben uns noch einige Monate, um uns auf dieses große Ereignis des WJT vorzubereiten. Jedes Mal, wenn der Herr uns einlädt uns zu versammeln und uns versammelt sieht, kann man von einem neuen Pfingsten sprechen. Einige Monate nach dem Europäischen Taizé-Treffen in Genf, das auch ein neues Pfingsten sein wird, glaube ich auch an dieses neue Pfingsten in Sydney und auf der ganzen Welt.

Versammeln wir uns und bereiten wir uns darauf vor, dieses Ereignis zu feiern und Früchte tragen zu lassen. In der Tat, ob wir uns nun entschieden haben nach Sydney zu gehen oder nicht, weben wir die Verbindungen untereinander weiter, die uns helfen, zusammen Zeugen des lebendigen Christus und seiner Kirche zu sein. Was für ein Beitrag für eine Welt auf der Suche nach Frieden und Einheit! Diese Herausforderung ist es wirklich wert.

Solothurn, 15. August 2007

+ Denis Theurillat
Jugendbischof

[Von der Schweizer Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]