Botschaft von Johannes Paul II. für den Weltjugendtag 2002

Motto: "Ihr seid das Salz der Erde ... Ihr seid das Licht der Welt"

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VATIKAN, 31. Juli 2001 (ZENIT.org).- Im Folgenden veröffentlichen wir die Botschaft des Heiligen Vaters zum 17. Weltjugendtag, der dieses Mal unter dem Motto steht: "Ihr seid das Salz der Erde ... Ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5,13-14). Er wird im Juli 2002 in Toronto (Kanada) stattfinden und vom 27. auf den 28. Juli mit einer Jugendgebetswache unter Anwesenheit des Papstes und einer abschließenden Messe seinen Höhepunkt und gleichzeitigen Abschluss finden.




"Ihr seid das Salz der Erde...
Ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5, 13-14)



Liebe Jugendliche!

1. In meinem Gedächtnis ist die Erinnerung lebendig an die wunderbaren Momente, die wir während des Jubiläums des Jahres 2000 zusammen in Rom erlebt haben, als ihr zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus gepilgert seid. In langen schweigenden Reihen habt ihr die Heilige Pforte durchschritten und euch auf den Empfang des Sakraments der Versöhnung vorbereitet; bei der Gebetswache und in der Messe am Vormittag in Tor Vergata habt ihr dann eine eindringliche geistliche und kirchliche Erfahrung gemacht; im Glauben gestärkt seid ihr nach Hause zurückgekehrt mit dem Auftrag, den ich euch anvertraut habe: in dieser Zeit des anbrechenden neuen Jahrtausends, mutige Zeugen des Evangeliums zu werden.

Die Veranstaltung des Weltjugendtages ist bereits zu einem wichtigen Moment eures wie auch des Lebens der Kirche geworden. Ich lade euch daher ein, mit der Vorbereitung auf die 17. internationale Durchführung dieses großen Ereignisses zu beginnen, das im Sommer nächsten Jahres in Toronto, Kanada, stattfinden wird. Es wird eine neuerliche Gelegenheit sein, Christus zu begegnen, von seiner Gegenwart in der heutigen Gesellschaft Zeugnis zu geben und zu Baumeistern der "Zivilisation der Liebe und der Wahrheit zu werden".

2. "Ihr seid das Salz der Erde... ihr seid das Licht der Welt" (Mt 5,13-14): Das ist das Thema, das ich für den nächsten Weltjugendtag gewählt habe. Die beiden von Jesus verwendeten Bilder vom Salz und vom Licht ergänzen sich und sind tiefsinnig. In der Antike galten Salz und Licht nämlich als wesentliche Elemente des menschlichen Lebens.

"Ihr seid das Salz der Erde...". Eine der Haupteigenschaften des Salzes besteht bekanntlich darin, die Nahrungsmittel zu würzen, ihnen Wohlgeschmack zu verleihen. Dieses Bild erinnert uns daran, daß durch die Taufe unser ganzes Sein tiefgreifend verändert worden ist, weil es mit dem neuen Leben, das von Christus kommt, "gewürzt" wurde (vgl. Röm 6,4). Das Salz, dank dem die christliche Identität auch in einer stark säkularisierten Umgebung nicht entartet, ist die Gnade der Taufe. Diese hat uns zu neuem Leben erweckt, indem sie uns in Christus leben läßt und uns dazu fähig macht, auf seinen Anruf zu antworten und uns "selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen" (Röm 12,1). Der heilige Paulus schreibt an die Christen in Rom und ermahnt sie, ihre Denk- und Lebensweise, die sich von jener ihrer Zeitgenossen merklich unterscheidet, mit aller Klarheit herauszustellen: "Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist" (Röm 12,2).

Lange Zeit ist das Salz auch das gebräuchlichste Mittel zur Konservierung der Nahrungsmittel gewesen. Als Salz der Erde seid ihr aufgerufen, den Glauben, den ihr empfangen habt, zu bewahren und unversehrt an die anderen weiterzugeben. Eure Generation wird besonders nachdrücklich mit der Herausforderung konfrontiert, das Glaubensgut unversehrt zu erhalten (vgl. 2 Thess 2,15; 1 Tim 6,20; 2 Tim 1,14).

Entdeckt eure christlichen Wurzeln, lernt die Geschichte der Kirche, vertieft die Kenntnis des geistlichen Erbes, das an euch weitergegeben wurde, folgt den Zeugen und Lehrern, die euch vorausgegangen sind! Nur wenn ihr den Geboten Gottes, dem Bund, den Christus mit seinem am Kreuz vergossenen Blut besiegelt hat, treu bleibt, werdet ihr die Apostel und Zeugen des neuen Jahrtausends sein können.

Dem Menschen und in besonderer Weise der Jugend ist es eigen, nach dem Absoluten, nach dem Sinn und der Fülle des Daseins zu suchen. Liebe Jugendliche, möge euch nichts zufriedenstellen, was hinter den höchsten Idealen zurückbleibt! Laßt euch nicht von denen entmutigen, die, vom Leben enttäuscht, taub geworden sind für die tiefsten und echten Sehnsüchte ihres Herzens! Ihr tut gut daran, euch nicht mit geistlosen Vergnügungen, vorübergehenden Modeerscheinungen und einseitigen Plänen abzufinden. Wenn ihr euch die große Sehnsucht nach dem Herrn bewahrt, werdet ihr die Mittelmäßigkeit und den Konformismus, die in unserer Gesellschaft so verbreitet sind, vermeiden können.

3. "Ihr seid das Licht der Welt...". Bei allen, die Jesus am Anfang hörten, wie auch bei uns ruft das Symbol des Lichtes die Sehnsucht nach Wahrheit und den Drang hervor, zur Fülle der Erkenntnis zu gelangen, die jedem Menschen in seinem tiefsten Inneren eingeprägt sind.

Wenn das Licht abnimmt oder ganz schwindet, vermag man die umgebende Wirklichkeit nicht mehr zu erkennen. In der Tiefe der Nacht kann man sich verängstigt und unsicher fühlen und wartet dann voll Ungeduld auf das Licht des anbrechenden Morgens. Liebe junge Leute, ihr müßt die Wächter des Morgens sein (vgl. Jes 21,11-12), die den Aufgang der Sonne, den auferstandenen Christus, ankündigen!

Das Licht, von dem Jesus zu uns im Evangelium spricht, ist das Licht des Glaubens, ein ungeschuldetes Geschenk Gottes, das uns das Herz erhellt und den Verstand erleuchtet: "Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unserem Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6). Das ist der Grund, warum die Worte Jesu eine außerordentliche Bedeutung annehmen, wenn er seine Identität und seine Sendung erläutert: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8,12).

Die persönliche Begegnung mit Christus erleuchtet das Leben mit neuem Licht, läßt uns auf dem guten Weg wandeln und verpflichtet uns, seine Zeugen zu sein. Die von ihm auf uns gekommene neue Betrachtungsweise der Welt und der Menschen läßt uns tiefer in das Geheimnis des Glaubens eindringen; dieses ist ja nicht nur eine Summe von theoretischen Aussagen, die mit dem Verstand angenommen und bestätigt werden müssen, sondern vielmehr eine Erfahrung, die man sich aneignen, eine Wahrheit, die gelebt werden muß, das Salz und das Licht der ganzen Wirklichkeit (vgl. Enzyklika Veritatis splendor, Nr. 88).

Im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Säkularisierung, wo viele unserer Zeitgenossen denken und leben, als ob es Gott nicht gäbe, oder von irrationalen Religiositätsformen angezogen werden, müßt gerade ihr, liebe Jugendliche, wieder beteuern, daß der Glaube eine persönliche Entscheidung ist, die die ganze Existenz in Anspruch nimmt. Das Evangelium soll das große Kriterium sein, das die Entscheidungen und Ausrichtung eures Lebens leitet! So werdet ihr mit Taten und Worten zu Missionaren werden und überall, wo ihr arbeitet und lebt, werdet ihr Zeichen für die Liebe Gottes, glaubwürdige Zeugen der liebenden Gegenwart Christi sein. Vergeßt nicht: "Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber" (Mt 5,15)!

Wie das Salz die Speise würzt und das Licht die Finsternis erleuchtet, so gibt die Heiligkeit dem Leben dadurch seinen vollen Sinn, daß sie es zum Widerschein der Herrlichkeit Gottes macht. Wie viele Heilige verzeichnet die Kirchengeschichte auch unter den jungen Menschen! In ihrer Liebe zu Gott haben sie ihre heroischen Tugenden im Angesicht der Welt erstrahlen lassen und sind so zu Vorbildern für das Leben geworden, welche die Kirche als nachahmenswertes Beispiel für andere hinstellte. Es soll genügen, einige unter den vielen Namen zu erwähnen: Agnes von Rom, Andreas Di Phú Yen, Pedro Calungsod, Giuseppina Bakhita, Teresa von Lisieux, Pier Giorgio Frassati, Marcel Callo, Francisco Castelló Aleu oder auch Kateri Tekakwitha, die junge Irokesin, bekannt als "die Lilie der Mohawks". Ich bete zum dreimal heiligen Gott, daß er durch die Fürbitte dieser unendlichen Zeugenschar euch, liebe Jugendliche, zu Heiligen mache, zu den Heiligen des dritten Jahrtausends!

4. Meine Lieben, es ist Zeit, sich auf den XVII. Weltjugendtag vorzubereiten. Ich habe eine besondere Einladung für euch: Lest und verinnerlicht das apostolische Schreiben Novo millennio ineunte, das ich zu Beginn des Jahres geschrieben habe, um die Getauften in diesem neuen Lebensabschnitt der Kirche und der Menschen zu begleiten: "Ein neues Jahrhundert, ein neues Jahrtausend öffnen sich im Lichte Christi. Doch nicht alle sehen dieses Licht. Wir haben die wunderbare und anspruchsvolle Aufgabe, sein "Widerschein" zu sein" (Nr. 54).

Ja, die Zeit der Sendung ist gekommen! In euren Diözesen und in euren Pfarreien, in euren Bewegungen, Vereinen und Gemeinschaften ruft euch Christus, empfängt euch die Kirche als Haus und Schule der Gemeinsamkeit und des Gebets. Studiert eingehend das Wort Gottes und laßt zu, daß es euren Verstand und euer Herz erleuchtet. Schöpft Kraft aus der sakramentalen Gnade der Versöhnung und der Eucharistie. Besucht den Herrn "von Herz zu Herz" in der eucharistischen Anbetung. Tag für Tag werdet ihr neuen Auftrieb erhalten, der es euch erlauben wird, die Leidenden zu trösten und der Welt den Frieden zu bringen. Es gibt so viele Menschen, die vom Leben verletzt, aus der wirtschaftlichen Entwicklung ausgeschlossen, obdachlos, ohne Familie und ohne Arbeit sind; viele laufen falschen Illusionen nach oder haben jede Hoffnung aufgegeben. Wenn ihr das Licht seht, das auf dem Antlitz des auferstandenen Christus erstrahlt, lernt ihr eurerseits als "Söhne des Lichts und Söhne des Tages" (1 Thess 5,5) zu leben, indem ihr allen kundtut, daß "das Licht lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervorbringt" (Eph 5,9).

5. Liebe junge Freunde, für alle, die kommen können, findet das nächste Treffen in Toronto statt! Im Herzen einer Stadt mit vielen Kulturen und Konfessionen werden wir die Einzigkeit Christi, des Retters, und die Universalität des Heilsmysteriums, dessen Sakrament die Kirche ist, aussprechen. Wir werden für die volle Gemeinschaft unter den Christen in der Wahrheit und in der Liebe beten in Antwort auf die dringende Aufforderung des Herrn, der sehnlich wünscht, "daß alle eins seien" (Joh 17,11).

Kommt und laßt in den großen Verkehrsadern Torontos die freudige Botschaft Christi erschallen, der alle Menschen liebt und jedes in der menschlichen Stadt vorhandene Zeichen von Güte, Schönheit und Wahrheit vollendet. Kommt und sprecht vor der Welt von eurer Freude, Jesus Christus begegnet zu sein, von eurem Wunsch, ihn immer besser kennenzulernen, von eurer Aufgabe, sein Evangelium vom Heil bis an die Grenzen der Erde zu verkünden!

Eure kanadischen Altersgenossen bereiten sich, zusammen mit ihren Bischöfen und den zivilen Behörden, bereits darauf vor, euch mit Begeisterung und großer Gastfreundlichkeit aufzunehmen. Dafür danke ich ihnen schon jetzt ganz herzlich. Möge dieser erste Weltjugendtag am Beginn des dritten Jahrtausends allen eine Botschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe vermitteln können!

Mein Segen begleitet euch, während ich jeden von euch, eure Berufung und eure Sendung Maria, der Mutter der Kirche, anvertraue.

Castel Gandolfo, am 25. Juli 2001
IOANNES PAULUS II

[Originalsprache: Englisch - Französisch; Übersetzung vom Pressesaal des Heiligen Stuhls herausgegeben]