Botschaft zum Weltgebetstag zur Heiligung der Priester 2007

Der Priester, „universaler Zeuge der Liebe Christi“

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ROM, 14. Juni 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Botschaft, die Kardinal Claudio Hummes, Präfekt der Kongregation für den Klerus, und Erzbischof Mauro Piacenza, Sekretär des genannten Dikasteriums, den Seelsorgern aus Anlass des diesjährigen Weltgebetstages zur Heiligung der Priester am 15. Juni zukommen lassen.



Das Schreiben will neu bewusst machen, dass der vom Wort Gottes genährte Priester „universaler Zeuge der Liebe Christi“. Die drei großen Kapitel, in denen dieser Aspekt der priesterlichen Identität näher ausgeführt wird, stehen unter den Überschriften: „Mann Gottes, Mann der Mission“; „In der Gesellschaft ein wahrer Zeuge der Liebe Christi sein“ und schließlich „Froh den Kelch des Heils erheben und den Namen des Herrn anrufen“

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Schreiben der Kongregation für den Klerus anläßlich des Weltgebetstages zur Heiligung der Priester am 15. Juni 2007, dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu

»Der Priester, vom Wort Gottes genährt, ist universaler Zeuge der Liebe Christi«


Liebe Freunde im priesterlichen Dienst!

Der Weltgebetstag zur Heiligung der Priester, der am bevorstehenden Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu gefeiert wird, bietet Gelegenheit, gemeinsam über das Geschenk unseres priesterlichen Dienstes nachzudenken, indem ihr eure Hirtensorge für alle Gläubigen, für die ganze Menschheit und besonders für den Teil des Volkes Gottes teilt, der euren jeweiligen Ordinarien anvertraut ist, deren wichtigste Mitarbeiter ihr seid.

Das in diesem Jahr vorgesehene Thema: »Der Priester, vom Wort Gottes genährt, ist universaler Zeuge der Liebe Christi«, steht im Einklang mit dem jüngsten Lehramt Benedikts XVI. und insbesondere mit seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Sacramentum caritatis (22. Februar 2007). Darin schreibt der Papst: »Tatsächlich können wir die Liebe, die wir im Sakrament feiern, nicht für uns behalten. Sie verlangt von ihrem Wesen her, an alle weitergegeben zu werden. Was die Welt braucht, ist die Liebe Gottes — Christus zu begegnen und an ihn zu glauben. Darum ist die Eucharistie nicht nur Quelle und Höhepunkt des Lebens der Kirche, sondern auch ihrer Sendung: )Eine authentisch eucharistische Kirche ist eine missionarische Kirche (Propositio 42)« (Nr. 84).

1. Mann Gottes, Mann der Mission

Den Menschen Gott bringen: Das ist die wesentliche Sendung des Priesters, ein Auftrag, den der geweihte Diener ausüben kann, weil er, der von Gott Erwählte, mit Ihm und für Ihn lebt. In seiner Ansprache zur Eröffnung der Fünften Generalversammlung der Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik (13. Mai 2007), deren Thema lautete: »Jünger und Missionare Jesu Christi, damit unsere Völker in ihm das Leben haben«, sagte Benedikt XVI. zu den Priestern: »Die ersten Förderer der Jüngerschaft und der Mission sind jene, die berufen worden sind, um bei Jesus zu sein und dann ausgesandt zu werden, damit sie predigten (Mk 3,14), das heißt die Priester. ... Der Priester muß vor allem ein Mann Gottes (1 Tim 6,11) sein, der Gott direkt kennt, der eine tiefe persönliche Freundschaft zu Jesus hat, der den anderen gegenüber so gesinnt ist wie Christus (vgl. Phil 2,5). Nur so wird der Priester fähig sein, die Menschen zu Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, hinzuführen und Repräsentant seiner Liebe zu sein« (O.R. dt., Nr. 20, 18.5.2007, 5. 6, 5).

Diese Wahrheit wird in einem Vers eines Priesterpsalms ausgedrückt, der einst zum Ritus der Zulassung zum Priestertum gehörte: »Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; du hältst mein Los in deinen Händen« (Ps 16,5). Wir wissen aus dem Deuteronomium (vgl. 10,9), daß nach der Inbesitznahme des verheißenen Landes jeder Stamm — durch Verlosung — einen Landanteil empfing, so daß sich die Verheißung gegenüber Abraham erfüllte. Nur der Stamm Levi erhielt kein Land, weil sein Land Gott selbst war. Die Bestimmung hatte gewiß auch einen praktischen Grund: Die Priester lebten nicht wie die übrigen Stämme von der Landwirtschaft, sondern von den Opfergaben. Die Aussage des Psalmisten ist jedoch Zeichen und Symbol einer tieferen Wirklichkeit: Das wahre Fundament des priesterlichen Lebens, die Existenzgrundlage des Priesters, sein Land, in dem er lebt, ist Gott selbst. Die Kirche hat in dieser alttestamentlichen Deutung die Erklärung dessen gesehen, was die priesterliche Sendung in der Nachfolge der Apostel und in der Gemeinschaft mit Christus selbst ist.

Benedikt XVI. sagte dazu: »Der Priester kann und muß auch heute mit dem Leviten sagen: Dominus pars heriditatis meae et calicis mei. Gott selbst ist mein Anteil am Land, der äußere und innere Grund meiner Existenz. Diese Theozentrik der priesterlichen Existenz ist gerade in unserer ganz funktionalistischen Welt nötig, in der alles auf errechenbaren und greifbaren Leistungen beruht. Der Priester muß wirklich Gott von innen her kennen und ihn so zu den Menschen bringen: Das ist der allererste Dienst, den die Menschheit heute braucht« (Ansprache an die Römische Kurie beim Weihnachtsempfang, 22. Dezember 2006; O.R. dt., Nr. 1, 5.1.2007, 5. 7).

Wenn im Leben eines Priesters diese Theozentrik verloren geht, entleert sich die ganze Grundlage der pastoralen Tätigkeit, und man läuft Gefahr, durch übermäßige Aktivität den Inhalt und den Sinn des pastoralen Dienstes zu verlieren.

Dann könnten Protagonismus und irreführende Extravaganzen entstehen. Anstelle von Substanz würde man Surrogate liefern. Man würde umsonst laufen und dabei zur Erschöpfung kommen, ohne voranzusch reiten.

Nur diejenigen, die gelernt haben, »bei Christus zu bleiben«, sind bereit, von ihm in Wahrheit »ausgesandt zu werden, damit sie predigen (vgl. Mk 3,14). Die leidenschaftliche Liebe zu Christus ist das Geheimnis einer überzeugten Verkündigung Christi. »Er soll zuerst ein Mann des Gebets sein und dann ein Prediger«, sagte Augustinus (De doctrina christiana, 4,15,32: PL. 34,100), als er die geweihten Priester ermutigte, Jünger des Gebets in der Schule des Meisters zu sein.

Wenn die Kirche jetzt das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu feiert, lädt sie alle Gläubigen ein, im Glauben auf den zu schauen, »den sie durchbohrt haben« (Joh 19,37), auf das Herz Christi, lebendiges und beredtes Zeichen der unbesiegbaren Liebe Gottes und unerschöpfliche Quelle der Gnaden. Die Kirche tut das, indem sie die Priester aufruft, in sich selbst dieses Zeichen zu suchen, weil sie Hüter und Verwalter der Reichtümer des Herzens Christi sind, und die barmherzige Liebe Christi auf die anderen, auf alle, auszugießen.

In der Tat: »Die Liebe Christi drängt uns« (2 Kor 5,14), schreibt der Apostel Paulus. »Wenn du Christus lieben willst, dann breite deine Liebe über die ganze Erde aus, damit in aller Welt Glieder Christi sind«, betont Augustinus (Kommentar zum ersten Johannesbrief 10,5).

Deshalb muß jeder Priester missionarischen Geist haben, das heißt einen wirklich »katholischen« Geist, der »von Christus ausgehen« muß, um sich an alle zu wenden, eingedenk dessen, was unser Erlöser bekräftigt hat, der »will, daß alle Menschengerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen« (1 Tim 2,4—6). Der Priester ist berufen, Christus im Gebet zu begegnen und ihn auch auf dem Weg des Kreuzes kennenzulernen und zu lieben, welcher der Weg des tätigen und entsagungsvollen Dienstes der Nächstenliebe ist. Nur so wird die Wahrhaftigkeit seiner Liebe zu Gott geprüft, und nur so erscheint auf allen das barmherzige Antlitz Christi. »Die Schönheit dieses Bildes erstrahlt in uns, die wir in Christus sind, wenn wir uns als Menschen der guten Werke erweisen«, ermahnt uns Cyrill von Alexandrien (Tractatus ad Tiberium Diaconum sociosque, II, In divi lohannis Evangelium).

2. In der Gesellschaft ein wahrer Zeuge der Liebe Christi sein

Die Sendung, die der Priester mit der Ordination erhält, ist kein äußeres Element neben der Weihe, sondern sie bildet deren innere und vitale Bestimmung: »Die Weihe ist um der Sendung willen da« (Johannes Paul II., Nachsynodales Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 24).

»Gottes- und Nächstenliebe verschmelzen: Im Geringsten begegnen wir Jesus selbst, und in Jesus begegnen wir Gott«, schrieb Benedikt XVI. (Deus caritas est, 15). Besonders in der Eucharistie, die der unermeßliche Schatz der Kirche ist, wenn wir uns zu hochherzigen Dienern des Brotes des ewigen Lebens machen, werden wir immer eingeladen, die Schönheit und Tiefe des Geheimnisses der Liebe Christi zu betrachten und den Eifer seines liebenden Herzens auf alle Menschen ohne Unterschied auszugießen, vor allem auf die Armen und Schwachen, auf die Ärmsten der Armen: die Sünder, in einem ständigen, demütigen und zumeist verborgenen Liebesdienst.

Die missionarische Spannung ist grundlegender Bestandteil der eucharistischen Form der priesterlichen Existenz. Dazu schreibt Papst Benedikt XVI.: »Die erste und fundamentale Aufgabe, die uns aus den heiligen Geheimnissen, die wir feiern, erwächst, ist die, mit unserem Leben Zeugnis abzulegen. Das Staunen über das Geschenk, das Gott uns in Christus gemacht hat, gibt unserem Leben eine neue Dynamik, indem es uns verpflichtet, Zeugen seiner Liebe zu sein. Wir werden Zeugen, wenn durch unser Handeln, unsere Worte, unser Sosein ein Anderer erscheint und sich mitteilt« (Nachsynodales Apost. Schreiben Sacramentum caritatis, 85).

Der Priester ist berufen, sich zum »gebrochenen Brot für das Leben der Welt« zu machen, allen mit der Liebe Christi zu dienen, der uns »bis zur Vollendung« geliebt hat: So wird die Eucharistie im priesterlichen Leben das, was sie in der Meßfeier bedeutet. Das Opfer Christi ist Geheimnis der Befreiung, das uns fortwährend hinterfragt und herausfordert.

Jeder Priester soll sich in seinem Innern gedrängt fühlen, unter den Menschen wirklich Bauleute der Gerechtigkeit und Solidarität zu sein: Vor ihnen ist der Priester aufgerufen, Christus selbst zu bezeugen. Vom Wort des Lebens genährt, dürfen die Priester im Kampf für den Schutz und die Verkündigung der Würde des Menschen und seiner universalen unveräußerlichen Rechte nicht am Rand stehen. Diesbezüglich hat Benedikt XVI. geschrieben: »Gerade kraft des Mysteriums, das wir feiern, müssen die Umstände angeprangert werden, die der Würde des Menschen widersprechen, für den Christus sein Blut vergossen und so den hohen Wert jeder einzelnen Person bekräftig hat« (ebd., 89).

Wir werden den eigentlichen Sinn des amoris officium entdecken, jener Hirtenliebe, von der Augustinus spricht (In lohannis Evangelium Tractatus 123, 5: CCL 36, 678): Die Kirche als Braut Christi will vom Priester mit der Vollkommenheit und Ausschließlichkeit geliebt werden, mit der Jesus Christus, das Haupt und der Bräutigam, sie geliebt hat. Wir werden die theologischen Beweggründe des Kirchengesetzes über den Zölibat in der lateinischen Kirche und seine zutiefst angemessene Verbindung mit dem Weihesakrament verstehen: als unschätzbares Geschenk Gottes, als einzigartige Teilhabe an der Vaterschaft Gottes und an der Fruchtbarkeit der Kirche, als außerordentliche missionarische Kraft, als größere Liebe, als Zeugnis vor der Welt für das eschatologische Reich. Der aus Liebe und freier Entscheidung angenommene Zölibat wird zur Selbsthingabe in und mit Christus an seine Kirche und drückt den Dienst des Priesters an der Kirche in und mit dem Herrn aus (vgl. II. Ökum. Vat. Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, 16; Johannes Paul II., Nachsynodales Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 29).

Jetzt können wir fragen: Aber was sind die Bereiche des priesterlichen Zeugnisses von der Liebe Christi?

a) Vor allem die Mission, das Kerygma und die Katechese; die Katechese der Jugend, der Erwachsenen, der Nahen und der Fernen. In ihr wird die Botschaft Christi in vollständiger und klarer Form vermittelt. In der heutigen Zeit ist eine angemessene Kenntnis des Glaubens dringend notwendig, wie er im Katechismus der Katholischen Kirche und mit seinem Kompendium deutlich dargelegt wird.

Es geht darum, keine Mühe zu scheuen und die Katholiken zu suchen, die sich entfernt haben und diejenigen, die Christus wenig oder überhaupt nicht kennen. Als Benedikt XVI. sich jüngst an die Bischöfe in Brasilien wandte, merkte er hierzu an:

»Zur Katechese gehört wesentlich auch die Erziehung zu den persönlichen und sozialen Tugenden des Christen sowie die Erziehung zu sozialer Verantwortung ... Wir müssen ... treue Diener des Wortes sein, ohne verkürzende Auffassungen oder Verwirrungen in der Sendung, die uns aufgetragen ist. Es reicht nicht, die Realität vom persönlichen Glauben ausgehend zu betrachten; es ist nötig, mit dem Evangelium in der Hand und im echten Erbe der apostolischen Tradition verankert zu arbeiten, ohne von rationalistischen Ideologien motivierte Interpretationen« (Ansprache bei der Begegnung und der Vesperfeier mit den brasilianischen Bischöfen, 11. Mai 2007; O.R. dt., Nr. 21, 25.5.2007, 4 und 5).

In diesem Bereich genügen die traditionellen Orte der Katechese nicht — Unterricht, Vorträge oder Stud ienkurse der Bibel und Theologie —‚ sondern es ist notwendig, neue Areopage der globalen Kultur zu öffnen: Neben der Presse, dem Radio und Fernsehen wird man hauptsächlich auf E-mail, Internetseiten, Video-Konferenzen und auf viele andere neue Systeme zurückgreifen, um einer großen Anzahl von Personen das Kerygma wirksam mitzuteilen. Auch die äußerliche Erscheinung des Priesters mit einer dem eigenen »Sein« entsprechenden würdevollen Haltung muß eine Katechese für alle sein. Vielleicht haben wir diesen Aspekt manchmal unterschätzt, der für die Menschen wichtig zu sein scheint und der, wenn er Ausdruck von Inhalten und keine reine Formalität ist, eine Form darstellt, die Substanz vermitteln kann.

b) Ein weiterer Bereich dieses Zeugnisses ist die Förderung der kirchlichen Wohltätigkeitseinrichtungen, die auf verschiedenen Ebenen den wertvollen Dienst an den Ärmsten und Schwächsten leisten können. »Wenn die Menschen, denen ihr begegnet, in Armut leben, muß man ihnen helfen, so wie es die ersten christlichen Gemeinden getan haben, indem man Solidarität übt, damit sie sich wirklich geliebt fühlen« (Benedikt XVI., ebd., 3).

»Wir müssen die anklagen, welche die Reichtümer der Erde verschwenden und dadurch Ungleichheiten hervorrufen, die zum Himmel schreien« (vgl. Jak 5,4), schrieb Benedikt XVI. und bekräftigte: »Jesus, der Herr, das Brot des ewigen Lebens, treibt uns an und macht uns aufmerksam auf die Situationen des Elends, in denen sich noch ein großer Teil der Menschheit befindet — Situationen, deren Ursache häufig eine klare und beunruhigende Verantwortung der Menschen einschließt« (Nachsynodales Apost. Schreiben Sacramentum caritatis, 90).

c) Unterstützung der Kultur des Lebens. Überall sind die Priester zusammen mit ihren Ordinarien aufgerufen, eine Kultur des Lebens zu fördern, die es erlaubt, wie Paul VI. geschrieben hat, »aus der Armut aufzusteigen, das Lebensnotwendige zu besitzen, Kultur zu erwerben ... und zum Gemeinwohl beizutragen ... Dann können die Menschen die höchsten Werte und selbst Gott erkennen, ihren Urheber und ihr Ziel« (Enzyklika Populorum progressio, 21). Dabei wird es notwendig sein, bei der Bildung der Laiengläubigen hervorzuheben, daß die echte Entwicklung »ganzheitlich« sein muß, das heißt, auf die Förderung des ganzen Menschen und aller Menschen ausgerichtet, und daß die notwendigen Mittel empfohlen werden, die die schweren sozialen Ungleichheiten und die großen Unterschiede beim Zugang zu den Gütern überwinden.

d) Die Bildung der Laien. Sie werden, in der Schule der Eucharistie herangebildet, immer mehr ermutigt und unterstützt werden, damit sie ihre politischen und sozialen Verantwortlichkeiten in begründeter Kohärenz mit ihrer Taufe direkt wahrnehmen. Alle getauften Männer und Frauen müssen sich dessen bewußt werden, daß sie in der Kirche Christus, dem Priester, Propheten und Hirten, durch das allgemeine Priestertum der Gläubigen gleichförmig geworden sind. Sie sollen sich mitverantwortlich für den Aufbau der Gesellschaft fühlen gemäß den Grundsätzen des Evangeliums und insbesondere entsprechend der Soziallehre der Kirche. »Diese in der gesamten Geschichte der Kirche gereifte Lehre ist durch Realismus und Ausgeglichenheit gekennzeichnet und hilft so, irreführende Kompromisse oder leere Utopien zu vermeiden« (Benedikt XVI., Nachsynodales Apost. Schreiben Sacramentum caritatis, 91).

Wie das petrinische Lehramt mehrmals in Erinnerung gerufen hat, obliegt den Laien die besondere Verantwortung, die ungerechten Strukturen zu ändern und gerechte Strukturen zu schaffen, ohne die sich eine gerechte Gesellschaft nicht halten kann, und den notwendigen Konsens über die moralischen Werte und die Kraft herbeizuführen, um nach dem Vorbild dieser Werte zu leben (vgl. Benedikt XVI., Ansprache zur Eröffnung der Fünften Generalversammlung der Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik, 4).

e.) Stütze der Familie. Alle Priester sind berufen, die christliche Familie zu stützen, indem sie in vielfacher Weise entsprechend den verschiedenen Charismen der Berufe und der ihnen anvertrauten Sendung mit besonderer Sorgfalt eine angemessene und organische Familienpastoral in den jeweiligen kirchlichen Gemeinschaften fördern (vgl. Johannes Paul II., Novo millennio ineunte, Nr. 47). Es ist dringend notwendig, den Wert und die Einzigartigkeit der Ehe als lebenslange Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau zu bekräftigen, in der sie als Ehemann und Ehefrau am liebevollen Schöpfungswerk Gottes teilhaben. Viele politische Lehren und Denkströmungen schüren leider weiterhin eine Kultur, die die Würde des Menschen verletzt, indem sie in verschiedenem Maß die Wahrheit über die Ehe und die Familie übergehen oder kompromittieren. Der Priester soll im Namen Christi unermüdlich verkünden, daß die Familie als die Erzieherin der Menschen schlechthin für eine wahre »Humanökologie« unerläßlich ist (vgl. Johannes Paul II., Centesimus annus, 39).

3. Froh den Kelch des Heils erheben und den Namen des Herrn anrufen (vgl. Ps 116,12—13).

In seinem Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 2002 betonte Johannes Paul II.:
»Was für eine wunderbare Berufung ist uns zuteil geworden, meine lieben Brüder im Priesteramt! Wir können tatsächlich mit dem Psalmisten wiederholen: Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er Dir Gutes getan hat? Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn (Ps 116,12—13)« (O.R. dt., Nr. 13.114., 29.3.2002).

Dieser Kelch ist der Kelch des Segens (vgl. 1 Kor 10,16), der Kelch des neuen Bundes (vgl. Lk 22,20; 1 Kor 11,25). Der hl. Basilius sagt dazu: »Womit kann ich das dem Herrn vergelten? Nicht mit Speise- oder Brandopfer, ... sondern mit meinem ganzen Leben. Deshalb sagt der Psalmist: lch will den Kelch des Heils erheben, wobei er mit dem Kelch das Leiden im geistlichen Kampf und den Widerstand gegen die Sünde bis zum Tod meint« (Homilie über Psalm 115: PGXXX, 109).

Viele heilige Priester haben es in der heroischen Ausübung ihres Amtes erfahren, und auch wir sind eingeladen, aus der Eucharistie die notwendige Kraft zu schöpfen, um die Wahrheit zu bezeugen, »ohne falsche Kompromisse, um das Evangelium nicht zu verwässern«, betonte Benedikt XVI. bei seiner Begegnung mit den Bischöfen in Deutschland (Ansprache im Priesterseminar in Köln am 21. August 2005; O.R. dt., Nr. 35, 2.9.2005).

In Gesellschaften und Kulturen, die sich oft der Transzendenz verschließen und von konsumistischen Verhaltensweisen erstickt werden und Sklaven alter und neuer Götzen sind, entdecken wir staunend den Sinn des eucharistischen Mysteriums. Wir erneuern unsere liturgischen Feiern, damit sie deutlichere Zeichen der Gegenwart Christi in unseren Diözesen und besonders in unseren Pfarreien seien; wir schaffen neue Räume der Stille, des Gebets und der anbetenden Betrachtung der Eucharistie, um in uns einen echten schwingenden Missionsgeist zu wecken.

Johannes Paul II. sagte zu unseren bischöflichen Brüdern aus Portugal: »Verehrte Mitbrüder, wacht als Wächter des Hauses Gottes, damit im ganzen kirchlichen Leben in gewisser Weise der zweigleisige Rhythmus der heiligen Messe mit dem Wortgottesdienst und mit der Eucharistiefeier fortgesetzt wird« (Ansprache an die portugiesischen Bischöfe beim »Ad-Iimina«-Besuch, Nr. 6).

In der Eucharistie ist das Geheimnis der Treue und der Standhaftigkeit unserer Gläubigen enthalten, der Sicherheit und der Festigkeit unserer kirchlichen Gemeinschaften inmitten der vielen Bedrängnisse und Schwierigkeiten der Welt. In unserem Hirtendienst des Wortes und des Sakraments werden wir die Klippen des Aktivismus, des Tuns um des Tuns willens, vermeiden und die Angriffe des Laizismus und Säkularismus überwinden, wo Christus weder Stimme noch Platz hat, indem wir das Brot des ewigen Lebens bringen. Wir denken an die missionarische Bedeutung unserer Pfarreien, die das Bindegewebe unserer Diözesen sind (vgl. CIC, can. 374, §1).

Wir denken an jede einzelne Pfarrei, die eine communitas christifidelium ist, die es aber nicht sein kann, wenn sie nicht eine eucharistische Gemeinschaft ist und für die Fernen offen steht, das heißt, wenn sie nicht fähig ist, Eucharistie mit dem Geist der Mission zu feiern, in der sie »die lebendigen Wurzeln ihres Wachstums sowie das sakramentale Band ihrer communio mit der gesamten Kirche findet« (Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles Iaici, Nr. 26, vom 30.12.1988).

Wir denken an die Pfarrer, die geweihte Priester sein müssen, weil sie in der Eucharistiefeier und im Wortgottesdienst das tun und das sagen, was sie »persönlich, von sich aus«, nicht tun und sagen dürfen: Denn sie handeln und sprechen »in persona Christi capitis«. Wir denken an euch alle, junge und alte, gesunde und kranke Priester, die ihr, indem ihr die eurem geweihten Amt innewohnende totale Selbsthingabe wiederentdeckt, die Worte Johannes Pauls II. wiederholen könnt: »Es ist der Zeitpunkt gekommen, mutig und beherzt vom Leben des Priesters als einem unschätzbaren Wert und einer herrlichen und bevorzugten Weise christlichen Lebens zu sprechen« (Nachsynodales Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 39).

So wird die Kirche des Wortes und der Sakramente notwendigerweise die Kirche der unermüdlichen Ausübung des Amtspriestertums sein, die Kirche des heiligen Priesters, des Priesters, der im Innersten seiner Seele mit seinem ganzen Sein die Berufung liebt, die er vom Meister empfangen hat, um sich in jedem Augenblick wie ipse Christus zu verhalten.

In seiner Ansprache an die Bischofskonferenz von Kanada-Qubec bei ihrem Ad-limina-Besuch am 11. Mai 2006 sagte Benedikt XVI.: »Unterdessen stellt die immer geringere Anzahl der Priester ... an einigen Orten ... die Position der Sakramentalität im Leben der Kirche in besorgniserregender Weise in Frage. Die Bedürfnisse der pastoralen Organisation dürfen die Wahrhaftigkeit der Ekklesiologie, die in ihr zum Ausdruck kommt, nicht aufs Spiel setzen. Die zentrale Rolle des Priesters, der die Gemeinde in persona Christi capitis lehrt, heiligt und leitet, darf nicht geschmälert werden. Für die Existenz einer kirchlichen Gemeinschaft ist das Amtspriestertum unerläßlich« (O.R. dt., Nr. 25, 23.6.2006).

Wir Priester sollen uns bemühen, unsere wahre, ontologische Identität auszustrahlen, auch unter den größten Schwierigkeiten einen frohen Dienst auszuüben, einen eifrigen missionarischen Dienst, der us unserer Identität erwächst; wir sollen uns darum bemühen, mit allen Gläubigen den Herrn unermüdlich zu bitten, daß er Arbeiter in seine Ernte sende. Es gibt Berufungen, aber wir müssen die positive Antwort durch diese Mittel, durch die Mittel, die der Herr uns lehrt, und durch keine anderen fördern.

Diese Kirche wollen wir erblühen und Frucht tragen sehen, in ihrer Lebenskraft und in ihrer Tätigkeit. Sie ist die Kirche der göttlichen Sendung, die Kirche in statu missionis.

Wir wenden uns an Maria, die Königin der Apostel und Mutter der Priester. Ihr vertrauen wir uns an, unseren Hirtendienst und jeden Priester. Sie sei unser Vorbild und helfe uns, Tabernakel und Monstranz Jesu, des guten Hirten, zu sein!

Kardinal CIaudio Hummes
Präfekt
Mauro Piacenza
Titularerzbischof von Vittoriano
Sekretär

[Von der Kongregation für den Klerus veröffentlichtes Original]