Brasilien: Drei Ordensfrauen besiegen die Drogen

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KÖLN, 13. Dezember 2012 (ZENIT.org/KIN). ‑ „Früher war diese Gegend hier Sodom und Gomorrha“, sagt Bischof Dom Sérgio Eduardo Castriani, Bischof der Prälatur Tefé im brasilianischen Bundesstaat Amazonien. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Hilfswerks „Kirche in Not“ besucht er ein kleines Dorf in seiner Diözese am Rio Solimões. Caiambé heißt es, rund 3000 Einwohner leben hier, und die meisten von ihnen sind bitterarm. Arbeit gibt es nur vereinzelt, manche verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Maniok und Bananen, einige wenige arbeiten im öffentlichen Dienst. Ein wichtiger Wirtschaftszweig in Caiambé ist der Drogenhandel. Über die Flüsse wird das Rauschgift von Plantagen in Kolumbien und Venezuela nach Brasilien geschmuggelt. Die Polizei und das Militär sind im unwegsamen Dschungel nicht in der Lage, den Schmuggel zu stoppen.

Viele Dörfer wie Caiambé lebten und leben teilweise immer noch vom Drogenhandel. Das Rauschgift verursacht viele Probleme: Gewalt beherrscht die Straßen, und Familien brechen auseinander. Von geregelten Verhältnissen oder sogar einem geistlichen Leben in Caiambé konnte Bischof Castriani lange Zeit nur träumen. Doch dann kamen im Jahr 2009 drei Ordensfrauen in das Dorf, und seitdem geht es steil bergauf. Die Schwestern besuchten die Leute in ihren Häusern und sprachen mit ihnen über ihre Probleme. Schnell wurden sie von der Bevölkerung akzeptiert. Die Menschen spürten, dass es hier jemand gut mit ihnen meint.

Mittlerweile haben die Ordensfrauen die lange verwaiste Kapelle São Sebastião in Caiambé wieder auf Vordermann gebracht; längst ist das Gotteshaus viel zu klein für den Sonntagsgottesdienst geworden. Caiambé gehört zu einer Pfarrei mit 61 einzelnen Gemeinden. Im Dorf selbst lebt kein Priester. Der Pfarrer braucht über eine Stunde mit dem Boot nach Caiambé. Da viele der anderen Gemeinden keine Ordensschwestern vor Ort haben, muss er Prioritäten setzen. So kommt es, dass meist nur Andachten gehalten werden, denen die Schwestern oder Laien vorstehen. Es kann Monate dauern, bevor der Priester kommt und die Sakramente spendet.

Unter diesen widrigen Umständen arbeiten die Schwestern unermüdlich. Sie bieten Katechesen an, organisieren Kinderpastoral, leiten Jugendgruppen, begleiten einen Liturgiekreis, pflegen einen Gemeinschaftsgarten, engagieren sich für die vielen erwachsenen Analphabeten und in der Landpastoral. Darüber hinaus helfen sie, Katecheten für die riesige Pfarrei auszubilden, und engagieren sich bei der Drogenaufklärung in der Schule und in Jugendgruppen. Dass die Drogenkriminalität seit der Ankunft der Schwestern messbar zurückgegangen ist, spricht für den Erfolg ihrer umfangreichen Arbeit. Außer in Caiambé arbeiten die Ordensfrauen noch in sechs weiteren Gemeinden, die bis zu zwei Bootsstunden entfernt liegen. Ein Boot besitzen sie bisher nicht und müssen daher die Dorfbewohner um eine Mitfahrgelegenheit bitten.

Das möchte „Kirche in Not“ ändern: Damit die Schwestern ihre Arbeit fortsetzen können, bekommen sie vom Hilfswerk eine sogenannte „Existenzhilfe“: Geld für Lebensmittel, Kleidung und religiöse Literatur.