Brasilien, ein Land auf der Suche

Interview des Länderreferenten Adveniats mit Radio Vatikan

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 541 klicks

Der Länderreferent des Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat, Klemens Paffhausen, sagte in einem Interview mit Radio Vatikan am vergangenen Sonntag, Papst Franziskus treffe auf seiner Reise nach Brasilien auf ein Land, das religiös stark auf der Suche sei. So sei in Lateinamerika häufig die Rede von sogenannten Pfingstkirchen, die katholische Gläubige abwerben würden, jedoch könne er, Paffhasuen, das aus seiner langjährigen Projekterfahrung positiv bewerten, denn Brasilien sei ein Land, wo nach Gott gesucht werde. Es stelle sich nicht die Frage, ob geglaubt oder nicht geglaubt werde, sondern an wen man glaube und zu welcher kirchlichen oder religiösen Gemeinschaft man gehöre. Die Kirche werde vor allem durch junge Menschen geprägt, und es komme vor, dass junge Leute im Bus oder in der Metro die Bibel läsen.

Nach Paffhausen wird der Weltjugendtag in Rio de Janeiro alle vorgehenden in den Schatten stellen, nicht zuletzt, weil es sich um den ersten Weltjugendtag in Lateinamerika seit 26 Jahren handle, der zudem von einem lateinamerikanischen Papst begangen werde.

Er hält es für möglich, das die sogenannte „Kirche der Armen“ und die Protestbewegung in Brasilien einen Anschub erhalten werden. So hätten die Demonstranten nun einen wichtigen Fürsprecher, der bereits Themen angesprochen habe, die die Kirche in Brasilien beschäftigten: Es gehe nicht nur um einen wirtschaftlichen Aufschwung, sondern darum, dass die Mehrheit der Bevölkerung auch an diesem teilhabe. Auch die Bereiche Gesundheit und Bildung würden nicht ausreichend versorgt. Gerade hier helfe die Kirche sehr und mache die Basisarbeit, bei der sie von europäischen Hilfswerken unterstützt werde.

Auf dem Weltjugendtag werde ein internationales Jugendforum, „Youth Hearing“, stattfinden, das Themen wie globale Gerechtigkeit, Ökologie, Bildung und Kirche von morgen aufgreife. Hier hätten die Jugendlichen die Möglichkeit, auf Prominente aus Politik und Kirche zu treffen. Ein Abschlussdokument solle Papst Franziskus am Ende der Debatten überreicht werden.