Bräutigam und wahrer Vater: Worin uns der heilige Josef Vorbild sein kann

Impuls zur Aktion „Nazaret-Gebet“ 2008 der Wiener Berufungspastoral

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WIEN, 29. Januar 2007 (ZENIT.org).- Die eheliche Hingabe und die liebevolle väterliche Fürsorge stehen im Mittelpunkt der Betrachtung, die Stefan Lebesmühlbacher dem heiligen Josef gewidmet hat. Sie soll vor allem jene Eltern inspirieren, die im Rahmen der Initiative Nazaret-Gebet 2008 der Berufungspastoral der Erzdiözese Wien täglich den „Angelus“ für die Berufung ihrer Kinder beten.

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Der Bräutigam der seligen Jungfrau Maria

Unter den zahlreichen Bezeichnungen des hl. Josef ist für den liturgischen Kalender die Bezeichnung „Bräutigam der seligen Jungfrau Maria“ ausgewählt worden. Die Heilige Schrift ist diesbezüglich eindeutig – sie bezeichnet Josef als den Mann Marias und Maria als die Frau Josefs (vgl. Mt 1,16; 18-20; Lk 2,5). Die Glaubwürdigkeit der Ehe von Josef und Maria ist so unbestritten, dass Josef von allen als der Vater Jesu und Jesus als sein Sohn betrachtet wird.

Wir müssen die Ehe zwischen Josef und Maria aus dem Blickwinkel des Heiligen Geistes betrachten – sein Wirken konnte keine sensibleren Werkzeuge finden. Josef, der reich mit Gaben beschenkt war, was ebenfalls durch die Bezeichnung „gerecht“ zum Ausdruck kommt, kann das vollständige Geschenk seiner selbst gegenüber dem Plan Gottes machen, welcher sich in seinem Hause vollziehen soll. Als er durch den Engel den göttlichen Willen kennen lernt: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen“ (Mt 1,20), nimmt er Maria „um ihrer selbst willen“ an und folglich „erkannte er sie nicht“ (Mt 1,25), um Gottes Plan mit ihr zu respektieren.

Die Liebe des heiligen Josef zu Maria hat sich vor allem darin geäußert, mit reinem Herzen für den Plan, den Gott mit ihr hatte, verfügbar zu sein. Er hat jede Form von Egoismus und Eigenwillen überwunden und seine Frau „um ihrer selbst willen“ geliebt, indem er das Wirken des Geistes Gottes in ihr liebte. Er hat seine Freiheit den Plänen Gottes zur Verfügung gestellt und sich ganz für seine Frau „engagiert“ – ihm fallen die Last, die Verantwortung, die Risiken und die Mühsal der kleinen, einzigartigen heiligen Familie zu. Er dient, arbeitet und opfert sich auf, im Schatten jenes evangelischen Bildes, in welchem wir ihn so gerne betrachten.

Die besondere Ehe des heiligen Josef kann uns Eheleuten die Vollkommenheit der „ehelichen Hingabe“ wieder vor Augen führen. Maria und Josef haben die Erfahrung der Hingabe vollkommen gelebt, indem sie sich einander aufrichtig zum Geschenk machten und in einzigartiger Weise die Freiheit der Hingabe in aller Fülle gelebt haben.

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Ein wahrer Vater des Jesuskindes

Johannes Paul II. stellt in seinem Apostolischen Schreiben Redemptoris Custos über Gestalt und Sendung des hl. Josef fest: „… in der Familie von Nazareth ist Josef der Vater: seine Vaterschaft geht nicht auf die Zeugung von Kindern zurück; trotzdem ist sie nicht ,scheinbar´ oder nur ,Ersatz´, sondern sie besitzt die volle Authentizität der menschlichen Vaterschaft, des väterlichen Auftrags in der Familie“. Diese Übernahme der Vaterrolle wird Josef ausdrücklich zuerkannt, als er vom Engel den Auftrag erhält, dem Kind den Namen Jesus zu geben - ein Akt, der damals allein dem gesetzlichen Vater zustand. Auch die Gottesmutter selbst nennt den hl. Josef den Vater Christi: „Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht“ (Lk 2,48).

Paul VI. erklärte, dass sich in der Haltung Jesu die lange Lebensgemeinschaft mit dem heiligen Josef widerspiegelt und dass „der heilige Josef das Vorbild des Evangeliums darstellt, das Jesus … als Programm zur Erlösung der Menschheit verkünden wird“.

Ist man mit Psychologie und Pädagogik etwas vertraut, so wird ganz klar: Josef muss ein wunderbarer Mensch und ein liebevoller Vater gewesen sein, der seinem Sohn Sicherheit und ein unerschütterliches Vertrauen in die guten Kräfte der Seele und der Welt vermittelt hat. Jesus konnte wohl nur deshalb so überzeugt von der Fürsorge, der Liebe und der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters reden, weil er offenbar in Josef eine Väterlichkeit erlebt hat, die über diese Welt hinausweist.

Unsere Generation leidet an einem Mangel an Vaterfiguren und in der Folge an einem Identitätsproblem. Wir befinden uns gegenwärtig in einer trüben Strömung, in der es vielen Heranwachsenden nicht mehr gegeben ist, sich mit einem Vater zu identifizieren, der sich klar und eindeutig von der Mutter unterscheidet. In dieser Periode der Zweideutigkeit und Zwiespältigkeit besteht das Heilmittel wohl wesentlich darin, männliche Leitbilder vorzuschlagen, die ihre Vaterschaft ganz ergriffen haben sowie den Männern das einzige Abenteuer vorzuschlagen, das der Mühe wert ist: die Verrücktheit des Kreuzes, die dahin führt, sich Gott und den anderen hinzugeben. Der hl. Josef ist uns dazu als Vorbild und „vollkommene Verkörperung der Vaterschaft“ gegeben.