Bringt Besuch von Tawadros II. bei Papst Franziskus die Einheit bei der Taufe?

Koptisch-katholischer Patriarch Sidrak: Hoffnung auf konkrete und verpflichtende Schritte

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 332 klicks

Der koptisch-katholische Patriarch von Alexandrien, Seine Seligkeit Ibrahim Isaac Sidrak, erhofft sich von der Begegnung des  koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II mit Papst Franziskus einen Schritt hin auf die gegenseitige Anerkennung der Taufe. Bei seiner Ankunft im Gästehaus am Donnerstag, dem 9. Mai, war das orthodoxe Kirchenoberhaupt vom Papst am Eingang persönlich empfangen worden. Sidrak hob hervor:

„Die Tatsache, dass beide im Gästehaus ‚Domus Sanctae Marthae’ wohnten, hat es ermöglicht, dass sie sich nicht nur zu offiziellen Gesprächen trafen, sondern auch andere Momente der Begegnung und des gemeinsamen Gebets erlebten. In einer derart familiären Atmosphäre kann man über viele Dinge sprechen“, so der Patriarch von Alexandrien zum Fidesdienst in einem Kommentar zum Besuch von Tawadros II. Die Hoffnung der ägyptischen Katholiken beschrieb er bei dieser Gelegenheit so:

„Über die Begegnung zwischen Papst Franziskus und Tawadros II freuten sich vor allem die einfachen Menschen. Nun wünscht man sich, dass man auf dem Weg zur vollen Einheit durch konkrete und verpflichtende Schritte vorankommen wird.“

In seiner Ansprache an den koptisch-orthodoxen Patriarchen hatte Papst Franziskus seinerseits bereits seine Auffassung von der Gemeinsamkeit der Taufe hervorgehoben:„..dass wir uns vereint durch die Taufe wissen, deren besonderer Ausdruck das gemeinsame Gebet ist, in dem wir darum bitten, dass sich eines Tages auch der Wunsch des Herrn erfüllen wird, aus einem einzigen Kelch zu trinken“.

In der koptisch-orthodoxen Kirche werden Gläubige, die aus der katholischen Kirche kommen, neu getauft [ZENIT berichtete]. Wie aus verschiedenen Kreisen bekannt wurde, soll Patriarch Tawadros II in Betracht ziehen, dieses Thema bei einer künftigen Synode in die Tagesordnung aufzunehmen.

Nach Ansicht des mit Rom unierten koptischen Patriarchen Sidrak ist „der Weg zur Gemeinschaft lang und es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern. Doch es wäre ein wichtiger Schritt, wenn anerkannt würde, dass wir mit den koptisch-orthodoxen Gläubigen die Taufe teilen.“

An der kürzlichen Inthronisation des Oberhaupts der koptisch-katholischen Glaubensgemeinschaft hatte der orthodoxe Kirchenführer teilgenommen und damit nach Auffassung verschiedener katholischer Kirchenvertreter ein deutliches Zeichen ökumenischer Zusammenarbeit gesetzt.

Weiterhin verwarf der koptisch-katholische Patriarch eine politische Auslegung dessen, was Franziskus eine „Ökumene der Bedrängnis" genannt hatte. Weder Papst Franziskus noch der koptisch-orthodoxe Patriarch hätten sich in ihren offiziellen Ansprachen zur schwierigen politischen und sozialen Lage in Ägypten geäußert: „Es handelte sich um ein kirchliches Treffen und die Bezugnahme von Papst Franziskus auf eine ‚Ökumene der Bedrängnis’ war sehr schön und von geistlicher Ausdruckskraft.

Doch jede Art der politischen Auslegung dieser Worte würde deren Tragweite nur mindern. Als Christen müssen wir vereint sein, damit wir den anderen dienen können. Unsere Einheit darf nicht als politisches Bündnis gegen einen gemeinsamen Feind verstanden werden.“