Britischer Bischof verlässt „Amnesty International“

Neuausrichtung in Sachen Abtreibung mache es Katholiken „sehr schwer“, Mitglieder zu bleiben

| 2006 klicks

EAST ANGLIA, 20. August, 2007 (ZENIT.org).- Bischof Michael Evans aus der Diözese East Anglia (Großbritannien) hat bekannt gegeben, dass er – wie viele andere Katholiken auch – seine Mitgliedschaft bei „Amnesty International“ kündige. Ursache für diesen Schritt ist die Entscheidung der Menschenrechtsorganisation, in Zukunft für eine „Entkriminalisierung der Abtreibung“ einzutreten.

In einer Erklärung, die auf der Webseite seiner Diözese erschienen ist, zitiert Bischof Evans aus einer Pressemitteilung von „Amnesty International“, die am Freitag veröffentlicht wurde. Darin beschreibt die Organisation, die in Mexiko eine Versammlung abgehalten hatte, ihr „Programm hinsichtlich bestimmter Aspekte der Abtreibung: die Entkriminalisierung der Abtreibung zu fördern; sicherzustellen, dass Frauen Zugang zur Gesundheitsfürsorge haben, wenn es zu Komplikationen infolge der Abtreibung kommt; und den Zugang zur Abtreibung – innerhalb von angemessenen Schwangerschaftsgrenzen – für Frauen zu verteidigen, wenn ihre Gesundheit oder ihre Menschenrechte auf dem Spiel stehen.“

Bischof Evans bedauert, dass diese Entscheidung von den Delegierten nicht infrage gestellt worden sei. „Die katholische Kirche“, erklärt er, „habe nicht die Absicht, Frauen zu bestrafen, die das Trauma einer Abtreibung durchgemacht haben.“ Vielmehr benötigten diese Frauen „Mitleid und Heilung“. Es sei „selbstverständlich“, dass Frauen, die nach einer Abtreibung unter Komplikationen litten, „qualitativ hochwertige Gesundheitsfürsorge“ erhalten sollten.

„Unsere Empörung bezüglich der weit verbreiteten Gewalt gegenüber Frauen sollte unser Urteil, was unsere Pflicht betrifft, die Verwundbarsten und Schutzlosesten zu behüten, nicht trüben“, hebt der Bischof hervor. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes betone, dass das Kind „des besonderen Schutzes und der besonderen Fürsorge“ und „insbesondere eines angemessenen rechtlichen Schutzes vor und nach der Geburt“ bedürfe. Das sei mit Sicherheit „Teil des Gesetzeskörpers internationaler Menschenrechte“, für die sich „Amnesty International“ einsetze, bekräftigt der 56 Jahre alte Bischof.

Die katholische Kirche teile „Amnesty Internationals“ entschlossene Bemühungen gegen Gewalt gegen Frauen, aber „derart entsetzliche Gewalt sollte nicht mit Gewalt gegenüber der verwundbarsten und schutzlosesten Form menschlichen Lebens im Schoß einer Frau beantwortet werden“.

Es gibt nach Worten des Bischofs kein wie immer geartetes Menschenrecht auf Zugang zur Abtreibung. „Amnesty sollte sich nicht in solche Extremfälle verwickeln. Amnesty setzt sich gegen die Folter und Todesstrafe unter allen Umständen ein, wie schrecklich die Situation auch sein mag. Das gleiche sollte auch für Amnestys Auftrag ‚Das Menschliche schützen‘ gelten – sowohl vor als auch nach der Geburt.“

Den Gebrauch von Folter für lediglich eine einzige Extremsituation einzuräumen – wie beispielsweise bei einer Terrordrohung – hieße „Amnesty Internationals“ absolute Ablehnung der Folter zu kompromittieren. Ebenso kompromittiere „die Förderung des Zugangs zur Abtreibung – mögen die Situationen auch noch so schlimm sein –Amnestys Auftrag, ‚das Menschliche zu schützen‘“.

Bischof Evans räumt zwar ein, dass „Amnesty International“ diesen Grundsatz womöglich in Zukunft noch weiterentwickeln könnte, betont aber, dass es die nun gefällte Entscheidung für Katholiken sehr schwer mache, „Mitglieder von Amnesty zu bleiben oder ihr finanzielle Hilfe zu gewähren“.

Abschließend heißt es in der Stellungnahme von Bischof Evans: „Mit großen Bedauern werde ich meine 31-jährige Mitgliedschaft bei Amnesty International beenden.“