"Brücke zwischen Europa und China"

Ausstellung erinnert an China-Missionar Matteo Ricci

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Michaela Koller

ROM, 2. November 2009 (Zenit.org).- An den Gründer der neuzeitlichen China-Mission während der Ming-Dynastie, Matteo Ricci, erinnert derzeit eine Ausstellung im Vatikan. Unter dem Motto „Zu den Höhepunkten der Geschichte. Matteo Ricci (1552 - 1610) - Zwischen Rom und Peking" wird sie noch bis zum 24. Januar auf dem St. Petersplatz gezeigt. Anlass ist der 400. Todestag des Jesuitenpaters im kommenden Mai. Er war der erste Ausländer, für dessen Beisetzung in Peking ein chinesischer Kaiser ein Grundstück zur Verfügung stellte.

Manuskripte Matteo Riccis in italienischer Sprache sowie mit chinesischen Schriftzeichen werden bei der Ausstellung ebenso präsentiert, wie Karten, die der China-Missionar gezeichnet hat. Dutzende von Ausstellungsstücken zeigten, dass Pater Ricci die Möglichkeit erkannt habe, das Evangelium in alle Kulturen zu tragen. Papst Benedikt XVI. lobte in einem Schreiben an das Bistum Macerata in der Region Marken, in dem Ricci geboren wurde, die „außergewöhnliche Begabung" des Jesuiten, sich "mit Hochachtung an die spirituellen und kulturellen chinesischen Traditionen in ihrer Gesamtheit heranzutasten". Bischof Claudio Giuliodori von Macerata in Italien sagte, Pater Riccis „außergewöhnliches Missionsabenteuer ließ ihn erstmals in der Geschichte eine wahre Brücke des Dialogs und Austauschs zwischen Europa und China bauen".

Matteo Ricci wurde am 6. Oktober 1552 im italienischen Macerata geboren. Der Sohn vornehmer Eltern besuchte dort das Jesuitenkolleg und studierte Jura, Theologie und Philosophie in Rom, wo er 1571 in den Jesuitenorden eintrat. Im Jahr 1583 reiste Matteo Ricci nach China. Er lernte die Landessprache und studierte die chinesische Literatur. Statt seines christlichen nahm er einen chinesischen Namen, Li Madou, an und kleidete sich wie ein Gelehrter des Landes. Im Jahr 1597 wurde er Oberer der China-Mission und im Jahr 1601 erlaubte ihm der Kaiser die Einreise nach Peking, das sonst Ausländer nicht betreten durften. Dank seiner genialen Fähigkeiten auf allen Gebieten der Wissenschaft, besonders in der Physik, Astronomie, Mathematik, Philosophie und Kartographie, gewann er Freunde bis hinauf zum Kaiserthron. „Ricci brachte das Wissen der Kartographen seiner Zeit mit, was für die Chinesen etwas absolut Neues war", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi, selbst Jesuit, anlässlich der Ausstellungseröffnung in der vergangenen Woche. 

An seinen Bruder Antonio schrieb Matteo Ricci einmal: „Ich möchte bis zum Ende meines Lebens hier bleiben.... . Viele sind konvertiert, viele kommen zur Heiligen Messe. Sie gehen zur Beichte und zur Kommunion an den Hochfesten und erfreuen sich daran, Gottes Wort zu hören." Der Missionar hatte selbst einen Katechismus in chinesischer Sprache geschrieben und ihn veröffentlicht. Er starb am 11. Mai 1610 in Peking, wo sich immer noch sein Grab befindet. Im Jahr 1983 wurde sein Seligsprechungsverfahren eröffnet. Hinter der Ausstellung stehen die Leitung der Vatikanischen Museen, die Generalkurie der Gesellschaft Jesu, die Päpstliche Universität Gregoriana sowie ein eigens für die Gedenkfeierlichkeiten gegründetes Komitee.