Bundestag beschließt Lockerung des Stammzellgesetzes

| 789 klicks

BERLIN, 11. April 2008 (ZENIT.org).- Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages heute für eine Lockerung des Stammzellgesetzes: In Zukunft wird die Forschung in der Lage sein, Zelllinien zu importieren, die vor dem 1. Mai 2007 entstanden sind. Die bis jetzt gültige Regelung sah den 1. Januar 2002 als Stichtag vor.



Bernd Posselt, Mitglied des CSU-Parteivorstandes und der EVP-Arbeitsgruppe „Bioethik“ im Europäischen Parlament, kritisiert diese Entscheidung scharf: Damit sei eine Bundestags-Mehrheit moralisch eingeknickt und habe dazu beigetragen, europaweit die bioethischen Standards noch weiter zu senken. Nun komme es darauf an, die Forschung mit adulten Stammzellen, für die anders als bei jener mit embryonalen Stammzellen „keine ungeborenen Menschen getötet werden müssen“, zu forcieren und außerdem dafür zu sorgen, dass das Stammzellgesetz „nicht, wie zu befürchten, zur ethischen Wanderdüne wird, weil gewisse Kreise in einigen Jahren erneut eine Stichtagsverschiebung propagieren“.

In namentlicher Abstimmung hatten sich 346 Abgeordnete für eine einmalige Verschiebung des Stichtags ausgesprochen. Dagegen stimmten 228 Parlamentarier, sechs enthielten sich. Wer wie gestimmt hat, lässt sich im Internet nachlesen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe richtete mahnende Worte an die Politiker: „Wenn heute der Stichtag verschoben wird, weil die Forscher aktuelle Stammzellen wollen oder brauchen, dann verschieben wir den Stichtag erst recht wieder, wenn die jetzt neuen Stammzellen in ein paar Jahren veraltet sind.

Natürlich wirft das über kurz oder lang die Frage auf, warum wir die Tötung der Embryonen dem Ausland überlassen, aber die Forschung mit den dadurch gewonnenen Stammzellen als "hochrangig" bezeichnen und sie für so erwünscht halten, dass wir sie aus Steuern finanzieren.

Natürlich wirft das auch die Frage auf, ob wir die Tötung dieser Embryonen überhaupt noch für ethisch falsch halten - ja, warum wir sie nicht in Deutschland selbst zulassen. Und natürlich wäre es ein Vorteil für die Qualität der Stammzellen, wenn die Embryonen unter standardisierten Bedingungen erzeugt würden, um optimale Stammzellen aus ihnen zu gewinnen. Wenn heute der Stichtag verschoben wird, machen wir ein Tür auf, die wir nicht mehr zu bekommen.“

Die katholischen Bischöfe hatten sich wiederholt vehement gegen eine Lockerung der Richtlinien und für den Schutz des menschlichen Lebens ausgesprochen.

Von Dominik Hartig