Bürger von Malta stimmen mit knapper Mehrheit für Scheidung

Bischöfe: Zerfall der Familien und Verlust der religiösen Identität

| 1417 klicks

ROM, 31. Mai 2011 (ZENIT.org). - Die Bürger der Insel Malta haben sich für die Legalisierung der Scheidung entschieden und damit eine Entscheidung getroffen, vor der die katholischen Bischöfe im Vorfeld gewarnt hatten, sie werde zu einem Zerfall der Familien und zum Verlust der religiösen Identität führen.

„Auch wenn es nicht das Ergebnis ist, das ich mir gewünscht hätte, ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass der Wille der Mehrheit respektiert wird”, sagte Regierungschef Lawrence Gonzi in seiner Rede am Sonntag nach der Bekanntgabe der Hochrechnungen des Referendums vom 28. Mai.

Die Nationale Partei von Premierministers Gonzi hat eine knappe Mehrheit in der Legislative. Doch einige Mitglieder der Partei, die maßgeblich daran beteiligt gewesen waren, die Scheidungsfrage an die Öffentlichkeit zu bringen, scheinen nun bereit gewesen zu sein, ihre Zustimmung dazu zu geben, dass der Entwurf Gesetz wird.

Das Referendum hatte zwar nur empfehlenden Charakter. Das Ja zur Scheidung zwingt die Parlamentarier juristisch zu nichts. Mit der klaren Ansage des Ministerpräsidenten scheint aber besiegelt, dass der von seiner eigenen National Party eingebrachte Gesetzentwurf zur Einführung der Scheidung gute Chancen hat, auch eine Mehrheit im Parlament zu erhalten.

Erste Zählungen zeigten, dass die Befürworter der Scheidung mit knapper Mehrheit einen Vorsprung erreichten und zwischen 52 und 54 Prozent der Stimmen bekamen. Fast drei Viertel aller Wahlberechtigten nahmen an der Abstimmung zum Referendum teil.

Der Gesetzentwurf zur Einführung der Scheidung wird nun zur endgültigen Abstimmung vor das Parlament gebracht.

Würde ein neues Gesetz verabschiedet,  bliebe Malta nicht länger eine Ausnahme in Europa. Alle anderen EU-Staaten lassen die Scheidung zu. Und auch weltweit ist die maltesische Rechtslage bislang fast einmalig, sieht man von den Philippinen, Andorra oder dem Vatikan ab.

Die Frage, über die Maltas Wahlbevölkerung zu entscheiden hatte, war kompliziert formuliert. „Sind Sie dafür, die Option der Scheidung im Fall eines verheirateten Paares einzuführen, das mindestens vier Jahre getrennt lebt, wenn keine vernünftige Hoffnung auf Versöhnung zwischen den Eheleuten besteht, sofern der angemessene Unterhalt garantiert ist und die Kinder geschützt sind?“

Von den etwa 400.000 Maltesern ist die überwiegende Mehrheit – nahezu 98 Prozent-‑  katholisch. Seit Jahrzehnten war die Insel eines der wenigen Länder der Welt, die keine Scheidung zuließ,  obwohl die Annullierung ungültiger Ehen erlaubt war.

Die katholische Kirche, laut maltesischer Verfassung Staatsreligion, hatte in der scharf geführten Debatte vor dem Abstimmungsdatum ihren Standpunkt klar vertreten. Sie war dafür, die Referendumsfrage mit „Nein" zu beantworten. Nötig sei, die Einstellung zur Ehe zu verändern, nicht aber die Gesetze.

Die katholischen Bischöfe Maltas machten vor allem in einem Hirtenbrief im Vorfeld des Referendums am 21. Mai ihren Widerstand gegen die Scheidung deutlich.

„Eine Entscheidung zugunsten einer dauerhaften Ehe ist ein Akt des Glaubens in der Familie, der auf einem Band der Liebe aufbaut, das nicht zerrissen werden kann“, schrieben sie.

Wo es die Möglichkeit zur Ehescheidung gebe, hätten sich die Probleme vervielfacht, so die Bischöfe:

„Wohingegen eine Wahl zugunsten der Scheidung zu einer weiteren Zerstörung von Ehe und Familie führt und demzufolge zu einer Zerstörung von Werten und Lebensqualität.“