„Bürger zweiter Klasse“: Unterdrückung und Verfolgung der Christen in Pakistan

P. Asi im Gespräch mit „Kirche in Not“

| 914 klicks

LAHORE/KÖNIGSTEIN, 22. August, 2007 (ZENIT.org).- Christen in Pakistan seien „sozialer Diskriminierung, politischer Unterdrückung und religiöser Verfolgung“ ausgesetzt, berichtete Pater Emmanuel Asi, Vorsitzender der theologischen Laieninstituts in Lahore und Sekretär der Katholischen Bibelkommission in Pakistan („Catholic Bible Commission of Pakistan“) im Gespräch mit dem weltweit tätigen Hilfswerk „Kirche in Not. Als Bürger zweiter Klasse würden den Christen die fundamentalen Menschenrechte verweigert, beklagte der Geistliche.



Im Hinblick auf den 60. Jahrestag der Gründung Pakistans als unabhängiger Staat am 14. August 1947 führte Pater Asi aus, dass die gegenwärtige Realität nicht den Vorstellungen von Ali Jinnah, dem „Vater der pakistanischen Nation“, entspreche. Jinnah habe von einem Land geträumt, in dem alle Bürger gleich wären und – unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen – vor allen Dingen als freie pakistanische Bürger leben könnten. Tatsächlich zeige sich diese Offenheit heute keineswegs: „Die Christen leben in großer Unsicherheit“, betonte der Priester gegenüber „Kirche in Not“. In der Kirche stehe es den Gläubigen zwar frei, „ihren Tätigkeiten nachzugehen. Was aber das gesellschaftliche Leben anbetrifft, dort erleiden sie Diskriminierung und Unterdrückung.“ Die Angst sei groß, denn religionsbedingte Übergriffe könnten zu jeder Zeit alle nur unvorstellbaren Probleme für Christen mit sich bringen.

Die katholische Kirche betone stets die besondere Bedeutung des interreligiösen Dialogs im Alltag. Freude und Leid miteinander zu teilen, wertete Pater Asi deshalb als einen Weg zum „Dialog des Lebens“. In diesem Sinn ermutige die Kirche ihre Gläubigen zum Beispiel, die Nationalfeiertage zu begehen – zur Stärkung des Gemeinschaftsbewusstseins unter den Anhängern unterschiedlicher Religionen in diesem Land.

Als Sekretär der Katholischen Bibelkommission sprach Pater Asi auch über die Bedeutung der Heiligen Schrift für die Christen in Pakistan. Die Katholische Bibelkommission habe soeben die neunte Ausgabe der Bibel in Urdu herausgegeben, das neben Englisch zur Amtssprache des Landes zählt.

„Unsere katholischen Gläubigen hegen eine natürliche und angeborene Liebe zur Heiligen Schrift“, berichtete Pater Asi dem Hilfswerk. Er sei stets von der tiefen Verehrung, die dem Wort Gottes entgegengebracht werde, ergriffen. Die Bibel werde mit großer Ehrfurcht gelesen und erhalte in Häusern und Kirchen einen besonderen Ehrenplatz. Selbst sehr einfache Menschen stellten tiefgründige Fragen zur Heiligen Schrift. „Diese Liebe zum Wort Gottes vereint die Christen mit den Anhängern anderer Religionen, zum Beispiel mit den Muslimen und Sikhs“, fügte Pater Asi hinzu.

In Pakistan leben 167 Millionen Menschen. Der Anteil der Christen beträgt lediglich 1,5 Prozent. „Kirche in Not“ ist ein weltweites Hilfswerk päpstlichen Rechts, das in nahezu 140 Ländern tätig ist. In Pakistan werden die Katholische Bibelkommission und andere pastorale Initiativen unterstützt.