Bußakt und Taufgedächtnis während der Osterzeit

"Ich sah ein Wasser ausgehen vom Tempel"

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 286 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zum österlichen Bußritus.

Frage: Im Rundbrief „Paschalis Sollemnitatis“ über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung, wird in Bezug auf den Bußritus zum Ostersonntag folgende pastorale Anweisung gegeben (N. 97): „Als Bußakt empfiehlt sich heute die Besprengung mit dem Wasser, das in der Osternacht geweiht wurde; währenddessen singt man die Antiphon „Vidi aquam“ – „Ich sah ein Wasser“ oder ein anderes Lied mit Taufcharakter.“ Da das während der Vigil geweihte Wasser nicht ein zweites Mal geweiht zu werden braucht, würden demnach am Ostersonntag bei der Besprengung mit Weihwasser im Rahmen dieses Ritus sowohl die vom Priester gesprochenen einleitenden Worte entfallen, als auch die Segnung des Wassers und man würde sofort nach dem Kreuzzeichen und der Begrüßung mit dem Singen der Antiphon „Vidi aquam“ oder eines anderen Gesangs beginnen. Ist das richtig? -- S.V.R., Breda, Niederlande

P. Edward McNamara: Die Segnung des Wassers wird an diesem Tag nicht vorgenommen, wie das auch bei einer Taufe, die während der 50 Ostertage stattfindet, nicht der Fall ist, weil das Weihwasser benutzt wird, das während der Vigil gesegnet wurde.

Man muss allerdings sagen, dass die erwähnte Anweisung nur insoweit Klarheit schafft, als sie darauf hinweist, dass bei der Besprengung schon gesegnetes Weihwasser benutzt und die angegebene Antiphon gesungen werden soll. Ansonsten enthält sie, wie auch das Messbuch, keinen präzisen Hinweis auf den Ritus, der am Ostersonntag benutzt werden sollte, um die Besprengung einzuleiten.

Würde man unvermittelt mit der Besprengung und der Antiphon beginnen, dürfte das für die Gläubigen kaum nachvollziehbar sein. Daher meine ich, der Priester sollte mit einigen Worten den Ritus kommentieren, damit dessen Bedeutung in Verbindung mit dem Bußakt einsichtig wird.

Auch wenn dies nicht erwähnt wird, könnte der Zelebrant meiner Meinung nach die gewöhnliche Einleitungsformel für den Bußakt benutzen, ehe er mit der Besprengung beginnt.

Das Messbuch bietet aber am Ostersonntag auch eine Alternative zu dieser Vorgehensweise an, indem man nämlich den gewöhnlichen Bußakt vollzieht und nach der Predigt das Taufversprechen erneuert. Dabei hält man sich an den bei der Ostervigil aufgeführten Ritus und lässt das Glaubensbekenntnis aus. In diesem Fall wird die Besprengung mit dem Weihwasser der Ostervigil und das Singen der Antiphon im Anschluss an die Erneuerung des Taufversprechens ausgeführt.

Da der Ostersonntag der einzige Sonntag im Jahr ist, an dem die Erneuerung des Taufversprechens mit allen Gläubigen vorgesehen ist, sollte man sich vielleicht für diese zweite Option entscheiden, die Besprengung also nicht während des Bußakts durchführen.

An anderen Sonntagen in der Osterzeit hingegen empfiehlt es sich, die Weihwassersegnung und die Besprengung im Rahmen des Bußakts zu vollziehen (in diesem Fall verhält es sich anders als bei Taufen während der Osterzeit, bei denen das Wasser nicht geweiht wird). Im Anhang des Messbuchs finden Sie für die Osterzeit ein Segnungsgebet und passende Kehrverse. Die Segnung nimmt man mit folgendem Gebet vor:

„Herr, allmächtiger Vater, höre auf das Gebet deines Volkes, das deiner großen Taten gedenkt:

Wunderbar hast du uns erschaffen und noch wunderbarer erlöst. Du hast das Wasser geschaffen, damit es das dürre Land fruchtbar mache und unseren Leib reinige und erquicke.

Du hast es in den Dienst deines Erbarmens gestellt: Durch das Rote Meer hast du dein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens befreit und in der Wüste mit Wasser aus dem Felsen seinen Durst gestillt. Im Bild des lebendigen Wassers verkündeten die Propheten einen neuen Bund, den du mit den Menschen schließen wolltest. Durch Christus hast du im Jordan das Wasser geheiligt, damit durch das Wasser der Wiedergeburt sündige Menschen neu geschaffen werden.

Segne, Herr, + dieses Wasser, damit es uns ein Zeichen sei für die Taufe, die wir empfangen haben. Gewähre, dass wir teilhaben an der Freude unserer Brüder, denen du in dieser österlichen Zeit die Gnade der Taufe geschenkt hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.“

Obwohl es seiner Inspiration nach antiken Modellen, die man in Manuskripten aus dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert findet, entspricht, scheint dieses wunderschöne Gebet aus relativ neuer Zeit zu stammen.

Die drei zur Wahl stehenden Osterantiphonen sind aus der Schrift entnommen. Die erste Antiphon „Vidi aquam“ stützt sich auf Ezechiel 47:1-2,9 „Ich sah ein Wasser ausgehen vom Tempel, von dessen rechter Seite, Halleluja: Und alle, zu denen das Wasser kam, wurden gerettet und sie werden rufen: Halleluja, Halleluja.“

Nach der Besprengung kehrt der Priester an seinen Sitz zurück und schließt den Bußakt mit den Worten: „Der allmächtige Gott reinige uns von Sünden und mache uns durch das heilige Opfer, das wir nun feiern, würdig, am Tisch seines Reiches teilzunehmen. A.: Amen.“

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel http://www.zenit.org/en/articles/penitential-rite-on-easter