Buße und Umkehr immer noch aktuell

Impuls zum Fest Taufe des Herrn

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 513 klicks

Die ersten Christen feierten überraschenderweise nicht das Weihnachtsfest, sondern Epiphanie, Erscheinung des Herrn. Weihnachten mit dem Datum vom 25. Dezember kam erst später dazu, als man sich der Menschlichkeit des Herrn mehr bewusst wurde. Immer steht ja unser Christusbild in diesem Spannungsfeld zwischen Jesus, dem wahren Menschen und Christus, dem wahren Gott. In den ersten Jahrhunderten tat sich die Kirche relativ schwer mit der theologischen Klärung dieses für uns heute ganz klaren Tatbestandes, dass Jesus Christus wirklich Gott und wirklich Mensch ist, ohne Vermischung dieser beiden Naturen, ohne dass die eine in der anderen aufging, und schließlich dergestalt, dass er bei zwei verschiedenen Naturen, der göttlichen und der menschlichen, dennoch eine einzige Person ist. Das Symbolum Athanasianum bringt diese Sicht der Person Christi mit äußerster Klarheit zum Ausdruck.

Wenn die alte Kirche das Fest Erscheinung des Herrn feierte, so legte sie besonderen Wert darauf, zu zeigen, dass und wie der Mensch gewordene Gott vor den Augen der Menschen erscheint. Diese Erscheinung des Herrn sah sie in drei Schritten, so dass das eine Fest eigentlich drei Festgeheimnisse umschließt.

Da wird zuerst die Geburt gefeiert, das Erscheinen Jesu vor den einfachen Menschen, den Hirten, wie auch vor den ‘bedeutenden’ Menschen, den drei Sterndeutern. Christus ist für alle Menschen gekommen, für die Großen und die Kleinen, für die Armen und für die Reichen.

Nachdem etwa dreißig Jahre vergangen sind, tritt Jesus zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf. Das Ereignis der Taufe Jesu durch Johannes ist ebenfalls Epiphanie. Er erscheint als Mensch, während gleichzeitig der Vater spricht und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herabkommt.

Und schließlich, nur wenige Wochen später, das dritte Epiphanie-Ereignis, als Jesus bei der Hochzeit zu Kana seine göttliche Wundermacht zeigt. Das Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein, das Jesus auf Bitten seiner Mutter wirkt, hatte nicht nur den Zweck, die Brautleute vor einer schrecklichen Blamage zu bewahren (hier sehen wir in besonders rührender Weise die Menschlichkeit Christi), es sollte außerdem für seine ersten Jünger der Beweis sein, dass er der Messias war. “So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn” (Joh 2,11).

Um noch einen Augenblick bei der Entstehung des Festes Epiphanie zu bleiben: der erste Teil, die Geburt Jesu, wurde später außerdem noch in einem eigenen Fest gefeiert, eben Weihnachten und dem Fest, das wir, etwas einengend, Heilige Drei Könige nennen.

Der zweite Festinhalt, die Taufe Jesu, hat ihr eigenes Fest am Sonntag nach Epiphanie. Nur das dritte Festgeheimnis, die Hochzeit zu Kana, geht gewissermaßen leer aus: sie hat kein eigenes Fest außer der zusammenfassenden Feier Epiphanie.

Die Taufe Jesu, die wir also an diesem Sonntag begehen, bietet allerdings reichlichen Stoff, um über die Hintergründe dieses Ereignisses nachzudenken. Zunächst einmal ist die Taufe im Jordan keineswegs mit unserer sakramentalen Taufe zu vergleichen. Sie ist nur ein Zeichen der Buße, eine Bußtaufe, die die Sünden nicht wegnimmt wie die sakramentale Taufe. Natürlich kann es diese noch gar nicht geben, weil sie, wie alle Sakramente, eine Frucht des Erlösungstodes Christi ist, der ja später erst stattfindet.

Die zweite Frage, die sich stellt, ist die: warum muss Jesus, der ganz und gar sündenlose, sich einer solchen Bußzeremonie unterziehen?

Er stellt sich in die Reihe der bußfertigen Sünder, und als Johannes ihn wahrnimmt, sagt er abwehrend: “Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ (Mt 3,14)

Jesus aber widerspricht, denn nur so kann „die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllt werden“ (vgl. Mt 3,15).

Ich möchte Sie einladen, diese beiden Aspekte des Jordanereignisses gleichzeitig zu beachten.

Einerseits fordert Johannes der Täufer (immerhin der „Größte der von einer Frau Geborenen“) in kraftvollen Worten Umkehr und Buße. Wir heutigen Menschen tun gut daran, uns angesprochen zu fühlen, auch wenn wir solche Töne – viele bedauern das – selten zu hören bekommen. Würde der Täufer, wenn er heute unter uns lebte, nicht genauso reden müssen? Oder kommen solche Sachen wie Ehebruch, Mord, Betrug und Gewalt heute nicht mehr vor? Wenn Johannes fragt: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!“, richtet er sich an die Sadduzäer und die Schriftgelehrten. Ihre Schuld ist die größte, weil sie es ja besser wissen müssten.

Ob er nicht auch unseren heutigen Theologen Ähnliches zu sagen hätte, die die Sünden wegerklären und Bußandachten statt der Beichte anbieten? Die Buße der Leute am Jordan war eine individuelle, keine kollektive.

Andererseits zeigt uns das Verhalten Jesu, dass zusammen mit der erforderlichen Strenge des Johannes, die Barmherzigkeit des Herrn zeichenhaft erscheint. Er stellt sich, ohne ein Wort zu sagen, in die Reihe der Sünder, er der, selber schuldlos, die „Sünden der Welt hinweg nimmt“. So macht er dem reuigen Sünder Mut, trotz aller Erschütterung über seine Schuld auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen, da Jesus ihm so nahe kommt.

Mit dem Fest der Taufe des Herrn schließt die Weihnachtszeit. Aber wir freuen uns auf einen weihnachtlichen „Nachklang“ am 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn, auch Mariä Lichtmess genannt, wo wir noch einmal Jesus  als den liebenswerten kleinen Jungen sehen, über den zwei alte Herrschaften prophetisch reden.

Ansonsten wird im Weihnachtsgeschehen wenig geredet. Allein davon könnte unsere redselige Zeit lernen.

Das Kind kann noch nicht sprechen, und Maria schweigt und „bewahrt alles in ihrem Herzen“ (vgl. Lk 2,30).

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).