Cantalamessa: Das Priestertum Mariens ist ein Vorbild für alle Priester

3. Adventspredigt des Päpstlichen Hofpredigers im Vatikan

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Angela Reddemann

ROM, 17. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Das Priestertum Mariens, ihre Vorbildfunktion für jeden Priester und „die Nähe der Mutter Christi" zu den geweihten Priestern der Kirche, standen im Zentrum der dritten Adventspredigt im Vatikan. Die Präsenz Mariens bei drei wesentlichen Ereignissen: der Menschwerdung, dem Österlichen Geheimnis und Pfingsten, die zentrale Geheimnisse des Glaubens sind, „offenbart etwas über die Nähe Mariens zum Priester",so P. Raniero Cantalamessa OFMcap in seiner heutigen 3. Adventspredigt vor Papst Benedikt XVI. und der Kurie.

„Maria besitzt ganz persönlich als Abbild und Ersterlöste der Kirche Anteil ‚am königlichen Priestertum' (1 Petr 2,9), an dem ja alle Getauften in ihrer Gesamtheit Anteil haben", erklärte P. Raniero Cantalamessa .

Der Hoheitstitel "Priesterin" sei in einer Schrift aus dem Ende des V. Jahrhunderts klar erwähnt worden, der von Epiphanius dem II. stamme: „Ich nenne die Jungfrau Priesterin und Altar; sie, die ‚Tisch-Trägerin', die uns Christus geschenkt hat, das göttliche Brot zur Vergebung unserer Sünden." Nachdem es zu einer volkstümlichen Verehrung der „jungfräulichen Priesterin" gekommen sei, habe der hl. Pius X. „sogar einen besonderen Ablass für diese Form von Verehrung angeordnet. „Aber als es dann zur Gefahr kam, dass das Priestertum Mariens mit dem Amtspriestertum verwechselt werden konnte, hat das Lehramt der Kirche Einspruch erhoben und auf eine Eingabe des hl. Offiziums hin wurde diese Form von Frömmigkeit praktisch abgestellt", führte der Kapuzinerpater heute früh im Vatikan aus.

Was die „Jungfrau Priesterin" bleibend mit den geweihten priesterlichen Amtsträgern verbinde, sei die Wirksamkeit der Gnade, die durch das Werk des Heiligen Geistes Maria den Sohn Gottes empfangen ließ und in Bethlehem zur Welt bringen ließ.

Der Priester empfange seine priesterliche Weihe ebenfalls durch den Heiligen Geist. Er empfängt Jesus im Herzen und ist gerufen, durch die Verkündigung des Wortes und die Spendung der Sakramente göttliches Leben in den Herzen der Gläubigen zu zeugen.

Das wir besonders im II. Vatikanischen Konzil unterstrichen, wenn es in der Konstitution über die Kirche heißt: „Nun aber wird die Kirche, indem sie Marias geheimnisvolle Heiligkeit betrachtet, ihre Liebe nachahmt und den Willen des Vaters getreu erfüllt, durch die gläubige Annahme des Wortes Gottes auch selbst Mutter: Durch Predigt und Taufe nämlich gebiert sie die vom Heiligen Geist empfangenen und aus Gott geborenen Kinder zum neuen und unsterblichen Leben" (LG 64).

„Der Selige Isaak von Stella hat an einer Stelle, die wir am vergangenen Samstag aus dem Stundengebet gelesen haben, so P. Raniero Cantalamessa, eine Zusammenfassung dieser Tradition gegeben: ‚Denn wie Haupt und Leib, so ein Sohn und viele Söhne, so auch Maria und die Kirche, eine Mutter und viele, eine Jungfrau und viele. Jede von beiden (Maria und die Kirche) Mutter, jede Jungfrau; beide empfangen denselben Geist ohne Begehren; beide gebären Gott dem Vater ohne Sünde. Jene gebar ohne Sünde für den Leib das Haupt; diese brachte in der Vergebung aller Sünden dem Haupt den Leib'"

Der persönliche Beitrag Mariens zum Priester bündelt sich im Glauben. Maria, so sagt Augustinus, 'empfing aus Glauben und durch Glauben brachte sie zur Welt' (fide concepit, fide peperit); genauso trägt der Priester Christus im Glauben unter seinem Herzen und durch den Glauben vermittelt er ihn den anderen. Das möge in der heutigen Meditation im Mittelpunkt stehen: wie der Priester den Glauben Mariens lernen kann.

Als Maria zu Elisabeth kam, empfing diese sie mit großer Freude, und, erfüllt vom Heiligen Geist, rief sie aus: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ" (Lk 1,45). Es besteht keinerlei Zweifel daran, daß dieses Wort der Elisabeth sich auf die Antwort bezieht, die Maria dem Engel gegeben hat: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast" (Lk 1,38)".

„Carlo Carretto berichtet in seinem Büchlein (Beata te che hai creduto, Ed. Paoline 1986, 9f.) über die Muttergottes, unter welchen Umständen ihm der Glaube Mariens in seiner ganzen Tragweite bewusst wurde. Als er bei seinen Freunden, den Tuareg-Nomaden, in der Wüste lebte, erzählte man ihm von einem Mädchen aus dem Lager, das mit einem jungen Mann verlobt worden war, aber noch nicht mit ihm zusammenlebte, da es noch zu jung war. Carlo Carretto bemerkte die Übereinstimmung der Situation des Mädchens mit der Mariens, wie Lukas sie uns berichtet. Als er zwei Jahre später erneut eine Zeit in demselben Lager verbrachte, erkundigte er sich nach dem Mädchen. Ihm fiel auf, dass seine Frage unter seinen Gesprächspartnern eine gewisse Verlegenheit auslöste, und einige Zeit darauf näherte sich ihm einer von ihnen, nahm ihn unter großer Heimlichkeit beiseite und klärte ihn ohne Worte über das Schicksal des Mädchens auf: Er fuhr sich mit einer Hand über die Kehle mit der charakteristischen Geste der Araber, die besagt: "Man hat ihr den Hals durchgeschnitten". Sie war vor ihrer Eheschließung schwanger geworden, und um der Ehre der Familie willen musste sie auf diese Weise sterben. Und wieder musste Carretto an Maria denken, an die Blicke, die die Leute von Nazaret sich zugeworfen haben mochten, vielsagend, und plötzlich begriff er ihre grenzenlose Einsamkeit und erwählte sie noch in derselben Nacht zu seiner Weggefährtin und zur Herrin seines Glaubens".

Marias Glaube sei „ein Akt der Liebe und Sanftmut, ein freier Akt, auch wenn er von Gott eingefordert wurde und ein geheimnisvoller Akt, wie ja doch jedes Mal eine Begegnung mit ihm ein Geheimnis zwischen Gnade und Freiheit bleibt", so der päpstliche Hofprediger.

„Kommen wir jetzt von Maria zum Priester, so Cantalamessa. „Der hl. Augustinus schrieb: ‚Maria hat geglaubt, und was sie geglaubt, ist in ihr geschehen. Glauben auch wir, damit auch uns zum Heil gereichen könne, was geschehen ist!'. Glauben auch wir! Die Kontemplation des Glaubens Mariens kann uns dabei helfen, unseren persönlichen Akt des Glaubens und der Hingabe an Gott zu erneuern.

"Wir alle sollten Maria und ihren Glauben nachahmen, aber ganz besonders kommt dem Priester diese Aufgabe zu. ‚Der Gerechte, so sagt Gott, wird aus dem Glauben leben' (Vgl. Hab 2, 4; Röm 1, 17): das gilt in besonderer Weise für den Priester. Er sollte ein Mann des Glaubens sein. Der Glaube bestimmt, wenn wir es so ausdrücken wollen, ‚die Gewichtigkeit' und die Wirksamkeit seines Dienstes".

"Was die Gläubigen sofort erfassen, ist, ob ein Priester oder Pfarrer 'glaubt'. Ob er glaubt, was er sagt und was er feiert", erklärte Cantalamesa. Wichtig sei, ob ein Priester vor allem Gott nahe stehe; wenn er Gott nicht suchte, dann könne er sich selbst leicht täuschen.

„Der hl. Bonaventura erzählt, wie er eines Tages, während er sich in den Bergen von La Verna zurückgezogen hatte, es ihm wieder in den Sinn kam, was die heiligen Väter darüber gesagt hatten, wie Gott ergebene Seelen durch die Gnade des Heiligen Geistes und die Kraft des Allerhöchsten spirituell das gebenedeite Wort des eingeborenen Sohnes des Vaters empfangen und gebären könnten; ihn aber auch beim Namen nennen, gleich den Weisen aus dem Morgenlande umarmen und anbeten können und ihn dann glücklich Gottvater im Tempel darbringen könnten.

Daraufhin schreibt er ein Bändchen mit dem Titel 'Die fünf Feste des Jesuskindes'. Der Priester empfängt Jesus, wenn er schier unglücklich geworden über das Leben, das er führt, und bewegt von heiligen Eingebungen und Erleuchtungen, von heiligem Eifer gepackt, sich schließlich entschlossen von seinen alten Gewohnheiten und Fehlern freimacht. Dann wird er durch die Gnade des Heiligen Geistes befruchtet und begreift den Sinn und Zweck eines neuen Lebens.

Sobald der gebenedeite Sohn Gottes empfangen und im Herzen des Priesters geboren wurde, kann es eine gesunde Klärung darüber geben, wie er sich mit Gottes Hilfe daran machen kann, unmittelbar ihre heiligen Vorsätze umzusetzen, also sich endlich auf den Weg zu machen, um das zu erreichen, was schon lange anstand und heranreifte, aber was er aber stets aus Angst oder Unfähigkeit verschoben hatte".

„Diese Vorsätze für ein neues Leben müssen unverzüglich in etwas Konkretes umgesetzt werden, das eine Veränderung unseres Lebensvollzuges und unserer Gewohnheiten mit einschließt. Wenn der Vorsatz nicht umgesetzt wird, wird Jesus zwar empfangen, aber er kommt nicht zur Welt. Das ist eine der vielen spirituellen Abtreibungen, die in der Seele statt finden", mahnt Raniero Cantalamessa OFMcap.

"Es sind die knappen Worte Mariens im Augenblick der Verkündigung, die der Priester im Augenblick der Priesterweihe spricht: 'Hier bin ich!' und 'Amen!'.

Während des Rituales werden einige Fragen gestellt: ‚Bist du bereit, das Priesteramt als zuverlässige Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten?' ‚In der Verkündigung des Evangeliums und in der Darlegung des katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und gewissenhaft zu erfüllen?' ‚Die Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung, gemäß der kirchlichen Überlieferung in gläubiger Ehrfurcht zu feiern.' Auf diese Frage antworteten wir: ‚Ich bin bereit!'

Die Erneuerung des katholischen Priestertums, so wie der Heilige Vater es sich wünscht, hat auch etwas damit zu tun, ob jeder von uns, Priester und Bischof der Kirche, fähig ist, erneut dies ‚Hier bin ich!' und ‚Ich bin bereit!', zu sprechen und so die in der Weihe empfangene Salbung zu erneuern. Als er in die Welt kam, sprach Jesus: ‚Hier komme ich, deinen Willen oh Herr zu tun!' (Hebr. 10,7)

Empfangen wir ihn an diesem Weihnachtsfest mit folgenden Worten: ‚Hier bin ich Herr, mir geschehe nach Deinem Wort'".