Caritas will ihren Einsatz in China verstärken

Beratungen in Rom mit Kardinal Zen

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ROM, 9. März 2007 (ZENIT.org).- Mitglieder von Caritas Internationalis haben in den vergangenen Tagen die humanitären Bedürfnisse in der Volksrepublik China und die Entwicklung des chinesischen Volkes analysiert und über den Beitrag beraten, den die an die Kirche gebundenen Organisationen in diesem Bereich leisten könnten.



In China leben heute rund 1,3 Milliarden Menschen. Im letzten Jahrzehnt erlebte das Land einen einzigartigen Wirtschaftswachstum, der viele Menschen aus der Armut befreite. Dennoch lebt rund die Hälfte der Bevölkerung immer noch unter der Armutsgrenze: Mehr als 160 Millionen Menschen leben von weniger als einem Dollar pro Tag, 480 Millionen Menschen haben jeden Tag weniger als zwei Dollar zur Verfügung.

Zu den größten Problemen zählen die ländliche Armut, die Emigration, das Altern der Bevölkerung und der Mangel an Gesundheitsfürsorge, um den hilfsbedürftigeren Bevölkerungsgruppen, wie etwa den Behinderten, Hilfe zukommen zu lassen. So sind beispielsweise mehr als 144 Millionen Menschen über 60 Jahre als. In den Krankenhäusern sind pro 1.000 ältere Menschen nur zehn Betten vorhanden.

Kardinal Joseph Zen, Bischof von Hongkong, befand sich unter den Teilnehmern des Caritas-Treffens. Er erklärte, dass die Caritas in China „mit der Unterstützung der drei Caritas-Organisationen aus Macao, Hongkong und Taiwan sowie verschiedenen Mitgliedern des internationalen Caritas-Dachverbandes“ arbeite.

Da es in China keine Bischofskonferenz gebe, könnten die Einsätze bedauerlicherweise nur lokal stattfinden. Es sei daher notwendig, „lokale diözesane Caritas-Büros aufzubauen und die bestehenden zu verbessern“.

Kardinal Zen erinnerte die Tagungsteilnehmer daran, dass die Caritas in China ihre Arbeit mit „voller Zustimmung und dem Lob der lokalen Autoritäten“ ausübe. Die Projekte könnten jedoch kein großes Ausmaß annehmen, weil sonst seitens der Regierung befürchtet würde, dass die Verantwortlichen zuviel Macht erlangen könnten.

Ferner verwies der Kardinal auf den wirtschaftlichen Fortschritt und hob hervor, dass nun „viele Probleme, und viele neue Probleme“ anzugehen seien: „Korruption floriert in großem Umfang. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Selbst wenn auf wirtschaftlicher Ebene ein großer Fortschritt zu verzeichnen ist, erreichen die Vorteile nicht die Gesellschaft, wie es zum Beispiel im Gesundheits- oder Bildungswesen ersichtlich ist.“

Hinsichtlich der Beziehungen zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung erörterte Kardinal Zen, dass Peking zurückhaltend sei und die Initiative stets vom Vatikan ausgehe. Er sprach auch das Problem der unzulässigen Bischofsernennungen an, indem er darauf hinwies, dass das vietnamesische Modell nicht vollständig angenommen werde, demzufolge der Heilige Stuhl eine Liste von Kandidaten aufstelle, zu der sich die Regierung äußern könne, bevor der Heilige Stuhl auf Grundlage dieses Austausches seine Entscheidung fälle.

Ein derartiges Modell könne auf politische Entscheidungen angewendet werden, nicht aber auf Verfügungen kirchlicher Art, so Kardinal Zen. „Die Regierungsbeamten sind nicht in der Lage zu verstehen, welche Eigenschaften ein Bischof notwendigerweise mitbringen muss.“ Der Kardinal hoffe jedoch auf einen Wandel.

Eine Öffnung Chinas für die Religionsfreiheit sei von größter Bedeutung. Eine diesbezügliche Entscheidung habe die chinesische Regierung verschoben, „was in der Bevölkerung großen Kummer verursacht hat. Die Menschen bedürfen eines Lebens in Harmonie. Es gibt keinen Grund dafür, eine Normalisierung unserer Beziehungen [zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung] zu behindern. Wir wissen nicht, was kommen wird. Uns verbleibt allein das Gebet.“