Casting Jesus

Der deutsche Künstler Christian Jankowski untersucht das Verhältnis von Religion und Massenmedien

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Von Britta Dörre

ROM, 21. Mai 2012 (ZENIT.org). - In seiner jüngsten Arbeit „Casting Jesus“ hat der deutsche Künstler Christian Jankowski eine aus den Realityshows und dem breiten Publikum dadurch bestens bekannte Castingsituation nachgestellt. 13 Schauspieler müssen ihre Fähigkeiten vor einer Jury unter Beweis stellen und mehrere Runden durchlaufen, bis schließlich einer von ihnen die ersehnte Rolle des „Christus“ erhält. Das für die Ausstrahlung auf zwei Leinwänden konzipierte Video wurde in Santo Spirito di Sassia in Rom gedreht. Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Aspiranten auf die Rolle des „Christus“ um wahre Schauspieler handelt und die Jury sich aus Vertretern des Vatikan bzw. ihm nahestehenden Institutionen zusammensetzt: Monsignor José Manuel del Rio Carrasco, Untersekretär der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche, Sandro Barbagallo, Kunstkritiker der Zeitung „L’Osservatore Romano“ und Massimo Giraldi, Vertreter der italienischen Bischofkonferenz.

Im Laufe des Castings wurden die 13 Kandidaten von der Jury gebeten, Handlungen aus dem Leben Christi nachzuspielen. Szenen wie die „Brotbrechung“ oder die „Kreuztragung“ wurden von den Kandidaten schauspielerisch nachempfunden, wobei deutlich wurde, dass die Schauspieler für ihre Darstellung auf die christliche Ikonographie zurückgriffen und für die Thematik typische Darstellungen aus der Bildenden Kunst nachahmten. Die Idee zu diesem Projekt kam dem Künstler, als ihm 2003 bei den Proben des Schauspielers Mel Gibson für den Film „Die Passion Christi“ aufgefallen war, daß Gibson sich von zwei Priestern für seine Rolle beraten ließ. Jankowski geht in seinen Videoinstallationen, Konzeptkunst, und Inszenierungen von Rollenspielen der Frage nach dem Verhältnis von Kunstinstitutionen, Künstlern, Medien und Gesellschaft nach. Beispiele dafür sind „Die Jagd“(1992), sein „Wahrsagerinnen“- Beitrag für die Biennale in Venedig (1999) und „Kunstmarkt TV“ (2008). 

Der Künstler untersucht die unterschiedlichen Realitäten, die Massenmedien schaffen können. Mit „Casting Jesus“ beleuchtet Jankowski das Verhältnis der Gesellschaft, der Kommunikationsmedien und der religiösen Bildwelt. Es zeigt auf, inwieweit sich Bereiche wie Kunst, Religion und Massenmedien überschneiden können, ohne einander auszuschließen.

Die Kuratorin Valentina Ciarallo beschreibt die Arbeit „als eine subtile Reflexion über die  permanten Überschneidungen von Realität und Fiktion, Kunst und Alltäglichkeit.“ Jankowski nehme als Ausgangspunkt die christliche Ikonographie, die durch die Massenmedien zur zeitgenössischen Ikone werde, so Ciarallo weiter. „Indem er das Format der Castingsshows benutzt, kontaminiert er Religion, Kunst und die Medien, und er richtet das Objektiv sowohl auf die Schauspieler als auch auf die gebannten Blicke der Jurymitglieder, bedeutende und ernsthafte Beobachter, die aber gleichzeitig bereit sind, die Fragilität der Ästhetik bei der Darstellung zu entblößen“. Als Motivation für „Casting Jesus“ gibt Jankowski an: „Ich wollte den Vatikan selbst entscheiden lassen, wer Jesus sein soll“. 

„Casting Jesus“ wurde zum ersten Mal in Italien im Macro (16. März bis 6. Mai) gezeigt und ist ein 2011 in Rom realisiertes Projekt im Rahmen des Programms Spirito Due, kuratiert von Valentina Ciarallo. Christian Jankowski hat eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart inne. Er lebt und arbeitet in Berlin, Hamburg und New York.