CDU-Vereinigung fordert breit angelegte Wertedebatte

Zweitstärkste CDU-Bundesvereinigung erinnert die Partei an ihre christlichen und ethischen Fundamente

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BERLIN, Mittwoch, 6. Juni 2011 (ZENIT.org). - Die Senioren-Union (SU), mit 57.000 Mitgliedern zweitstärkste Bundesvereinigung der CDU, hat zu einer breit angelegten gesellschaftlichen Werte-Debatte aufgerufen. In einem in Berlin beschlossenen Manifest „Kultur des Lebens" vom 5. Juli 2011 stellt der Bundesvorstand der Senioren-Union die Frage: „Deutschland ist ein christlich geprägtes Land, aber wie lange noch?"

Das Manifest appelliert an alle gesellschaftlichen Gruppen, sich auf die abendländische Tradition zu besinnen: Um dieses geistig-moralische Fundament zu schärfen, sei „eine breit angelegte gesellschaftliche Debatte – nicht nur innerhalb der CDU – darüber notwendig, was die Eckpfeiler unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens und politischen Handelns sind."

Zu diesen Eckpfeilern gehörten an erster Stelle die im Grundgesetz verankerten Prinzipien des Lebensschutzes und der Menschenwürde, unterstreicht die Senioren-Union. In ihrem Grundsatzprogramm habe die CDU festgehalten, „dass unsere Politik auf dem christlichen Verständnis vom Menschen und seiner Verantwortung vor Gott beruht“.

Einleitend heißt es in dem Manifest „Kultur des Lebens":

„In einer Zeit, die geprägt ist von wachsender Individualität, ..sich auflösenden Milieus und Werteverfall, brauchen wir in unserer Gesellschaft wieder mehr Orientierung, mehr inhaltliche Führung und ein konkretes christlich geprägtes Leitbild, das Richtschnur unseres Handelns und Verhaltens sein soll."

Der Bundesvorstand der Senioren-Union forderte: „Wir Christdemokraten müssen für das christliche Menschenbild einstehen, immer und zu jeder Zeit." Die Union dürfe ihre ethischen Fundamente nicht „schleifen". An der Frage, wie die Gesellschaft zum menschlichen Leben stehe, entscheide sich, „ob das Gesicht unserer Gesellschaft ein humanes ist  oder nicht“. Es gehe nicht darum, dem Zeitgeist hinterherzulaufen und in allen Meinungsumfragen im Trend zu liegen. Konrad Adenauer habe gefordert: „Christen müssen vor allem eines, nämlich führen“. Diesen Anspruch dürfe die CDU nicht aufgeben, unabhängig von aktuellen Stimmungen oder der rückläufigen Entwicklung der Mitgliederzahlen in der katholischen oder evangelischen Kirche.

In dem Manifest spricht sich die CDU-Bundesvereinigung scharf gegen die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID), die Stammzellenforschung, die Tötung nicht geborener Kinder durch Abtreibung sowie gegen die aktive Sterbehilfe aus. Diese seien „unvereinbar" mit dem christlichen Menschenbild. Die CDU müsse sich aktiv für eine „Kultur des Lebens" einsetzen und konsequent „am ‚C' orientiert" politisch handeln, mahnt das Manifest.

So lehne die Senioren-Union die „Tötung noch nicht geborener, wehrloser Kinder grundsätzlich ab." Der Staat sei verpflichtet, sich schützend vor das ungeborene Leben zu stellen. Der Bundesvorstand der Senioren-Union bedauert: „Die CDU dagegen ist in dieser Frage leider nicht mehr konsequent."

Die Senioren-Union erinnert ausdrücklich an das Grundsatzprogramm der Union, in dem es heißt: „Mit den hohen Abtreibungszahlen, die sich auch aus Spätabtreibungen ergeben, finden wir uns nicht ab."

Nach den CDU-Verlusten bei den jüngsten Landtagswahlen und vor dem Hintergrund anhaltend schlechter Umfragewerte bundesweit nicht nur für die Union, will der Bundesvorstand der Senioren-Union mit seinem Manifest „Kultur des Lebens" einen nachhaltigen Anstoß zu einer breiten Werte-Diskussion in Partei und Gesellschaft geben.

Die Senioren-Union weicht dieser die Gesellschaft herausfordernden Debatte nicht aus und stellt in Bezug auf die Mutterpartei fest: „Die Frage ‚Was macht den christdemokratischen Kern der CDU heute wirklich noch aus?' wird zu Beginn des 21. Jahrhunderts zwar immer öfter gestellt – aber immer seltener beantwortet." Grundsätze und Wertegerüst der Union würden im politischen Alltag „immer mehr verschwimmen."

Kritisch merkt das Manifest an: „Spitzenakteure der CDU sprechen gerne davon, dass die Kernideen und Werte unserer Partei immer wieder in die neue Zeit ‚übersetzt' werden müssen. Dem stimmen wir mit einer Ausnahme zu: Das christliche Menschenbild ist zeitlos und davon ausgenommen. "

„Enttäuscht" äußert sich der Bundesvorstand der Senioren-Union darüber, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion abweichend vom Grundsatzprogramm der Partei und den Beschlüssen des Karlsruher CDU-Bundesparteitages nicht für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) votiert hat.

„Die Feststellung, dass in bioethischen Fragen Gott und die Ebenbildlichkeit des Menschen der letzte Maßstab bleiben müssen, hat nichts an Aktualität und Relevanz eingebüßt. Bei der CDU aber scheint dies leider nicht mehr uneingeschränkt der Fall zu sein", rügt der Bundesvorstand der Senioren-Union.

Das „Manifest 'Kultur des Lebens'" der Senioren-Union findet sich auf der Homepage. (jb)