Chaldäischer Patriarch Raphael I. inthronisiert

Starke Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad

Rom, (ZENIT.org) Jan Bentz | 942 klicks

Das Oberhaupt der Katholiken im Irak, der chaldäische Patriarch Raphael I. (Louis Sako), ist am Mittwoch vergangener Woche feierlich in sein Amt eingeführt worden. Der Gottesdienst zur Inthronisierung in der St.-Josephs-Kirche im Zentrum von Bagdad fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizeikräfte hatten den Bereich der Kirche weiträumig abgeriegelt.

Louis Sako (64) war Ende Januar in Rom von der Bischofssynode seiner Kirche zum Patriarchen von Babylon gewählt worden.[ZENIT berichtete] Als Amtsnamen wählte er Raphael I. Sein Motto ist „Authentizität, Einheit, Erneuerung“.

Papst em. Benedikt XVI. hat ihm traditionell wenige Tage später nach Kanon 76 § 2 die Kirchengemeinschaft und die offizielle Anerkennung seiner Leitungsautorität gewährt. Raphael I. ist Nachfolger von Kardinal Emmanuel III. Delly (85), der das Amt Mitte Dezember niedergelegt hatte.

An der Zeremonie, die auch vom öffentlichen irakischen Fernsehen übertragen wurde, nahmen der irakische Premierminister Nouri al Maliki und der Präsident des irakischen Parlaments, Osama al-Nujaifi teil.

In seiner Predigt erinnerte der neue Patriarch an die Bedrängnis, unter der viele Christen im Irak während der vergangenen Jahre leben mussten: „Was wir an Leid, Bedrängnis und Blutvergießen unserer Märtyrer erlebt haben“, so der Patriarch, „bringt uns, wenn wir so wollen, dem Geheimnis Christ näher und hilft uns, die Gegenwart Gottes unter uns zu erkennen und unser Vertrauen darauf zu stärken, dass der Heilige Geist die Herzen der Menschen bessern kann. Der Sturm wird sich legen.“

Weiterhin kündigte er die Einberufung einer Synode der chaldäischen Kirche für den kommenden 5. Juni an. Dabei werde die Erneuerung der Liturgie und der Lehrmethoden im Mittelpunkt stehen, wobei „wir die Strukturen unserer Kirche entschlossen und mutig dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben ‚Ecclesia in Medio Oriente‘ anpassen werden“, zitiert Fides den Patriarchen.

Mit Blick auf die Ökumene kündigte er an, das Osterfest künftig gemeinsam mit der assyrischen Kirche feiern zu wollen, und bekräftigte seine Absicht, mit der assyrischen Kirche mit dem Ziel der vollen Einheit zusammenzuarbeiten.

Hinsichtlich der Beziehungen zu den Muslimen betonte Louis Raphael I., man werde die Gemeinsamkeiten vertiefen und die Unterschiede respektieren. Dies sei der Gottes Wille, der uns mit unseren Unterschieden geschaffen habe.

Raphael I., geboren am 4. Juli 1948 im nordirakischen Zakho an der Grenze zur Türkei, studierte in Mossul am Theologischen Seminar des Dominikanerordens. Er wurde1974 zum Priester geweiht. 1979 setzte er seine Studien am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom fort und schrieb eine Dissertation in orientalischer Patristik. Außerdem erwarb er einen Doktorgrad in Geschichte an der Pariser Sorbonne.

Von 1986 an wirkte Sako in Mossul als Gemeindepfarrer. Zwischen 1997 und 2002 war er Rektor am Priesterseminar in Bagdad; anschließend kehrte er in seine frühere Pfarrstelle zurück. Seit 2003 ist Sako Erzbischof von Kirkuk. Er spricht außer Arabisch und Chaldäisch Französisch, Englisch, Italienisch und Deutsch. Er hat mehrere Bücher geschrieben und verschiedene andere theologische Artikel publiziert.

Die mit Rom unierte chaldäische Kirche zählt rund 480.000 Mitglieder. Über 150.000 davon leben in den USA und 30.000 in Australien.