"Chancen zur sozialen Teilhabe der Roma - eine Herausforderung in Deutschland und Europa"

Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz legt Positionspapier vor

Bonn, (DBK PM) | 450 klicks

Die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz hat heute ein Positionspapier mit dem Titel „Chancen zur sozialen Teilhabe der Roma – eine Herausforderung in Deutschland und Europa“ veröffentlicht. Sie reagiert damit auf die seit längerem in der Öffentlichkeit geführte Debatte um die steigende Zuwanderung von Roma-Gruppen aus Südosteuropa. 

Der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), erläutert das Ziel des Papiers: „Wir wollen zu einer sachlichen Diskussion beitragen, indem wir die ohne Zweifel vorhandenen Probleme ebenso benennen und ernstnehmen wie die Nöte der Migranten.“ Ausgangspunkt des Positionspapiers ist die Aufforderung von Papst Franziskus, von einer „Haltung der Verteidigung und der Angst, des Desinteresses und der Ausgrenzung“ zu einer „Kultur der Begegnung“ überzugehen. Weihbischof Dieter Geerlings (Münster), Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Seelsorge für Sinti, Roma und verwandte Gruppen und stellvertretender Vorsitzender der Migrationskommission, ergänzt: „Wir wissen uns verpflichtet, die prophetischen Worte des Papstes in konkretes Handeln zu übersetzen, wo uns dies möglich ist.“ 

Migration bedeutet für die Zuwandernden und die aufnehmende Gesellschaft neben Chancen auch Risiken und Schwierigkeiten. Bischof Trelle erinnert daran, dass Menschen schon immer zu neuen Ufern aufgebrochen sind, wenn sie ihre Grundbedürfnisse in der Heimat nicht erfüllen können: „Der Traum von einer besseren Zukunft ist verständlich und legitim. Wir sollten uns daran erinnern, dass auch Millionen Deutsche auf der Suche nach neuen Lebenschancen nach Ost- und Südosteuropa und später nach Amerika und Australien ausgewandert sind.“ 

Die Migrationskommission richtet den Blick sowohl auf die Herkunftsländer der Roma als auch auf die Situation in Deutschland. Die Motive für die Migration sind oft – auch nach örtlichen Vergleichsmaßstäben – extreme Armut und Diskriminierung. Zwar leben die Roma seit Jahrhunderten in Europa; fast ebenso lange aber leiden sie unter Benachteiligung, Diskriminierung und Verfolgung. „Bis heute sind die südosteuropäischen Roma nachweislich gesellschaftlich an den Rand gedrängt, vor allem, was den Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit betrifft“, erklärt Weihbischof Geerlings. 

Die Kirche sieht sich verpflichtet, auf vielen Ebenen an einer Verbesserung der Lebenssituation der Roma mitzuwirken. Die Seelsorge für Sinti, Roma und verwandte Gruppen leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Ermutigend ist das Engagement ehrenamtlich tätiger Gemeinschaften wie beispielsweise Sant‘Egidio, denen es gelingt, Trennendes zu überwinden. Die Caritasverbände bringen ihre Kompetenz in die Suche nach Lösungen vor Ort ein. Außerdem unterstützt die Kirche in Deutschland beispielsweise mit dem Hilfswerk Renovabis die Bemühungen, die Lebenssituation in den Herkunftsländern der Roma zu verbessern. Das Positionspapier wirbt dafür, Ressentiments und Vorurteile in den Kirchengemeinden zu überwinden. 

Die Bischöfe schließen mit einem Appell: „Bei allen Diskussionen über Schwierigkeiten, Probleme und Herausforderungen sollte nicht vergessen werden, dass es viele Beispiele von Roma gibt, die in unseren modernen Gesellschaften gut integriert und beruflich sehr erfolgreich sind. Auch bei neu zuwandernden Roma gibt es viele, die gesellschaftlichen Aufstieg suchen und für jede Unterstützung dankbar sind. Das sollte uns Ansporn sein, in dem Bemühen um die Integration nicht nachzulassen und unsere Anstrengungen zu intensivieren.“ 

Hinweis:

Das Positionspapier der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz finden Sie als PDF-Dokument unter www.dbk.de.