Chiara Lubich: Liebt alle, liebt als erster!

Botschaft zum Weltjugendtag 2005

| 646 klicks

KÖLN, 20. August 2005 (ZENIT.org).- Chiara Lubich, Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung, lädt die Jugendlichen aus der ganzen Welt zu einer aufrichtigen Liebe ein, die keine Grenzen kennt, frei ist vom Egoismus und nicht bloß auf Sympathie beruht. "Wenn wir die anderen lieben, lieben wir Gott, bleiben in ihm und immer in seinem Licht", heißt es in ihrer Botschaft, die am Donnerstagabend im Rahmen des "Festival for a United World" in Köln veröffentlicht wurde.



Zunächst erinnert sich Chiara Lubich an die Begegnung mit einem Mädchen, das mit Hunderttausenden von Jugendlichen nach Köln gekommen war, in der Hoffnung, "dort Jesus zu begegnen". Mit diesem Wunsch sei sie nicht allein. "Es ist das Motto des Weltjugendtages: Christus suchen, ihn finden und ihn anbeten."

Den Weltjugendtag, "diese großartige Erfindung unseres geliebten Papstes Johannes Paul II.", bezeichnet die im Jahr 1920 in Trient geborene Italienerin, als "besondere Gelegenheit, um Jesus zu begegnen, der in seiner Kirche lebt, in der Einheit mit unserem neuen Papst Benedikt XVI., mit den Bischöfen und den Jugendlichen aus allen Ländern der Welt. Jesus begegnen, ihn anbeten und ihn überall dort zu den Menschen bringen, wohin wir gehen." Direkt an die Jugendlichen gewannt, ruft sie zu einer unvoreingenommenen Liebe auf:

"Liebe Jugendliche, wisst ihr, dass es ein Geheimnis gibt, um Jesus nie mehr zu verlieren, der uns bei den Begegnungen des Weltjugendtages so schön, lebendig und faszinierend erscheint? Dieses Geheimnis besteht in der Liebe! Denn wenn wir die anderen lieben, lieben wir Gott, bleiben in ihm und immer in seinem Licht. Schaut, ich spreche aus meiner über 60-jährigen Erfahrung, aber auch aus der Erfahrung vieler Menschen, die über der ganzen Erde verstreut sind, Millionen von Frauen, Männern und Kindern, die in der Liebe ihren Lebensstil gefunden haben. Das ist das Geheimnis eines glücklichen, erfüllten Lebens, das immer neu ist, immer interessant und überraschend, ein Leben, das nie langweilig wird! Dazu ein kleines und doch großes Beispiel: Ich habe vor kurzem von Jugendlichen gehört, die in einem Flüchtlingslager in Afrika leben, wo es fast an allem fehlt und die sich zum Ziel gesetzt haben, dieses Lager durch ihre Liebe in ein "Paradies" zu verwandeln. Die konkreten Erfahrungen, die sie mir dazu berichten, beweisen, dass das im Kleinen möglich ist. Versteht ihr, was das bedeutet? Es bedeutet, dass die Liebe alles besiegt! Ich könnte stundenlang über diese Liebe sprechen, die Jesus uns durch sein Leben, durch seine Worte, durch seine Heiligen aufzeigt. Aber in der Kürze der Zeit möchte ich nur zwei für die christliche Liebe jedoch wesentliche Punkte hervorheben:

1. ALLE lieben, ohne Ausnahme, ohne auszuwählen und ohne zu bevorzugen – so wie Gott es mit uns macht. Es geht darum, die Freunde zu lieben und die Feinde, den Sympathischen und den Unsympathischen, den Lehrer und den Nachbarn, den Postboten genauso wie den Kollegen. ALLE lieben bedeutet auch die zu lieben, die Tausende von Kilometern von uns entfernt sind, aber uns durch die Medien nahe sind, wie die Opfer des Meerbebens in Südostasien oder die Jugendlichen aus ärmeren Ländern, die durch den Solidaritätsfond zum Weltjugendtag kommen konnten.

2. Als ERSTER lieben. In der Regel lieben wir, wenn wir uns geliebt fühlen, dann erwidern wir die Liebe. Aber wenn wir uns nicht geliebt fühlen? Was dann? Nein, viel besser ist es, nicht zu warten, bis wir geliebt werden, sondern selbst die Initiative zu ergreifen und ein Zeichen setzen, zum Beispiel eine Geste der Freundschaft, der Vergebung, der Bereitschaft neu anzufangen. Probiert es aus, und ihr werdet eine große Freiheit erfahren, weil ihr selbst Protagonisten seid!

Liebe Jugendliche, Mut! Es lohnt sich, so zu leben. Ihr seid nicht für Halbheiten geschaffen, gebt euer Herz dem, der es erfüllen kann. Gott möchte Jugendliche, die entflammt sind, die sich nicht durch ihre Probleme, die ständigen Hindernisse zur Liebe, aufhalten lassen, Menschen, die im Feuer der Liebe Gottes alles verbrannt haben und Andere mitreißen. Möge Jesus, dem ihr hier begegnet seid, immer mit euch sein!"