Chiara Lubich: Unermüdliche Baumeisterin des Miteinanders

Neue Fürsprecherin für Einheit und Gemeinschaft im Himmel

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ROM/MÜNCHEN, 14. März 2008 (ZENIT.org).- Chiara Lubich, die heute Nacht gestorben ist, gehört mit zu den bewegendsten und faszinierendsten Gründergestalten, die vor und unmittelbar nach dem Konzil der katholischen Kirche ein neues Gesicht gegeben haben. Am kommenden Dienstag, den 18. März, wird für sie um 15.00 Uhr in Sankt Paul vor den Mauern in Rom das feierliche Seelenamt, die Exequien gefeiert. Anschließend findet die Beerdigung statt.

Für die katholischen Bewegungen wurde Lubich zu einer der Schlüsselfiguren der Sammelbewegung unter den neuen geistlichen Werken und Gemeinschaften. Im Jahr 1998 nahm sie die Herausforderung, zur Einigung unter den Bewegungen beizutragen, als „Willen Gottes" unmittelbar aus den Händen von Papst Johannes Paul II. an.

Für eine Bewegung, die stark auf Ökumene und interreligiösen Dialog ausgerichtet ist, war dies wahrhaftig ein Anruf, zu einer neuen Form von Miteinander beizutragen.

Pater Dr. Michael Johannes Marmann, viele Jahre Vorsitzender des Generalpräsidiums des Internationalen Schönstattwerkes und Leiter der Patresgemeinschaft, bemüht sich seit einigen Jahren um eine immer tiefere Gemeinschaft zwischen den verschiedenen geistlichen Bewegungen.

Chiara Lubich, Gründerin der Fokolar-Bewegung, hatte vor acht Jahren ein Treffen mit Andrea Riccardi von Sant'Egidio und Salvatore Martinez, dem Vorsitzenden der katholischen Charismatischen Erneuerung in Italien, vereinbart. So hatten sie den Anstoß gegeben, damit sich auch andere Verantwortliche und Gründer von kirchlichen Bewegungen diesem organischen Miteinander anschlossen. Neben Don Giussani, dem verstorbenen Gründer von Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung) und Frances Ruppert, die internationale Verantwortliche der Cursillo-Bewegung, begann auch Pater Marmann, sich auf den Anstoß von Chiara Lubich hin im Namen der ganzen Schönstatt-Familie diesem Bündnis der Einheit zu verpflichten.

Für das Ehepaar Waltraud Bauer und Heinz Bauer, die Regionalleiter der Equipes Notre Dames, bedeutet der Name Chiara Lubich die Erinnerung an das Liebesbündnis, dass die Gründerin der Fokolar-Bewegung beim ersten ökumenischen Treffen der geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen in der Münchener Mathäuskirche am 1. Dezember 2001 vorgeschlagen hatte. „Wenn sie vom Liebesbund, von der Gemeinschaft, vom Reich Gottes sprach", so Waltraud Bauer, „dann spürte man darin Worte, die darauf drängten, Realität zu werden; Worte, die etwas zu bewegen vermochten, ein Evangelium, das jetzt gelebt werden kann".

Für Esther Klein, Leiterin des weiblichen Zweiges der Fokolare in Oberbayern, ist Chiara Lubich „eine Mutter", von der sie „die Beziehung und Begegnung mit Gott unmittelbar lernen durfte". Sie unterstrich gegenüber ZENIT, dass Chiara besonders die Einheit und Freundschaft aller Mitglieder ihrer Bewegung am Herzen lag. „Von Chiara habe ich gelernt, dass der Blick auf Jesus am Kreuz, als Verlassenen, das Herzstück der Einheit ist."

Chiara Lubich war auch einer der treibenden Kräfte dafür, dass sich im August 2000 mehr als 80 Verantwortliche und Mitglieder evangelischer Bewegungen und Kommunitäten, darunter 18 evangelische Pfarrer, nach Rom aufmachten, um die Gemeinschaft Sant'Egidio, das Zentrum der Fokolar-Bewegung und die katholische Charismatische Erneuerung Italiens zu besuchen.

Ein Jahr später folgte das erste ökumenische Treffen mit über 5.000 Teilnehmern im Liebfrauendom in München (Dezember 2001), drei Jahre beziehungsweise sechs Jahre später folgten die beiden internationalen ökumenischen Kongresse in Stuttgart.

Pfarrer Thomas Römer vom CVJM München ist Chiara Lubich persönlich begegnet und hat mit ihr das Projekt der Stuttgarter ökumenischen Großtreffen mitgetragen. Sie ist für ihn ein Symbol für die radikale Nachfolge Christi: „Chiara Lubich hat in einer tiefen Liebe zu Jesus gelebt. Sie hat das Geheimnis Jesu entdeckt in dem Wort Jesu am Kreuz: ‚Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich velassen.' Gerade diese Liebe zum gekreuzigten Jesus hat sie für mich als evangelischen Christen zu einer wichtigen Weggefährtin in der Nachfolge Jesu gemacht."

Für Tobias Spandri, dem Leiter des Neokatechumenalen Weges in München, ist Chiara Lubich schon jetzt eine neue Fürsprecherin für die Einheit in Liebe im Himmel. Dies habe Chiara vorgelebt.

Auch in Zukunft wird die Fokolar-Bewegung laut Statut immer eine Frau an ihrer Spitze haben, um als Werk Mariens den Laiencharakter der Gemeinschaft zu verdeutlichen. Weltweit umfasst die Fokolar-Bewegung mehr als zwei Millionen Freunde, davon 141.400 in festen Gruppen. In Deutschland sind es 37.000 Freunde, von denen knapp 5.000 zum Mitarbeiterkreis zählen. Mehr Informationen unter: www.focolare.org.

Von Angela Reddemann