Chile nach dem Erdbeben: Opferzahl steigt - Kirche meldet große Schäden an Gebäuden

Misereor: "Wir machen uns große Sorgen, dass das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Chile momentan unterschätzt wird"

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SANTIAGO DE CHILE, 3. März 2010 (ZENIT.org).-Das katholische Hilfswerk MISEREOR hat seine Soforthilfe für die Opfer des Erdbebens in Chile aufgestockt. Damit reagiert MISEREOR auf Meldungen von Projektpartnern, die die Folgen des Bebens vom vergangenen Samstag in den stark betroffenen Regionen als katastrophal und besorgniserregend bezeichnen.

"In den Regionen Maule und Bio Bio sind fast alle kleinen Städte und Fischerdörfer durch das Erdbeben und den anschließenden Tsunami zerstört worden", berichtet Jorge Brito, Direktor des Diözesanen Entwicklungsbüros CRATE in der Diözese Talca. "Die Zahl der Toten nimmt von Tag zu Tag zu. Keiner kennt momentan die genaue Zahl der Vermissten, die es in Folge des Tsunami an der Küste gibt. Nach Augenzeugenberichten hatte eine Welle von beträchtlicher Höhe eine Schneise der Verwüstung in den Regionen hinterlassen. Auch in den Dörfern im Landesinneren sind zahlreiche Gebäude und Kirchen zerstört worden", so Brito.

Die Kirche in Chile hat durch das verheerende Erdbeben am vergangenen Samstag vor allem große Sachschäden an ihren Gebäuden erlitten. Der Vorsitzende der chilenischen Bischofskonferenz und Bischof von Rancagua, Monsignore Alejandro Goic Karmelic berichtete, allein in seiner etwa 300 Kilometer vom Epizentrum entfernten Diözese seien mehr als 90 Prozent der über 750 Kirchen und Kapellen entweder zerstört oder schwer beschädigt.

"Kirche in Not"-Länderreferent Ulrich Kny geht davon aus, dass die Schäden an der kirchlichen Infrastruktur in den Diözesen Talca, Concepción und Chillán noch weitaus größer seien. Ob auch pastorale Mitarbeiter unter den Opfern sind, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Der Bischof von Chillán, Monsignore Carlos Pellegrin Barrera, habe Kny telefonisch mitgeteilt, dass in seiner Diözese vor allem in den Küstenregionen mehrere Tote zu beklagen seien. Auch er meldete hohe Sachschäden. Die Kathedrale habe das Erdbeben zwar überstanden, sei aber wegen zerbrochener Fenster derzeit unbenutzbar.

Mehrere Pfarrkirchen müssten abgerissen und neu aufgebaut werden. Besonders groß seien die Schäden an vielen Wohngebäuden – in einer Pfarrei seien 800 Wohnhäuser zerstört worden. Auch die beiden Gebäude der Kinderklinik in Chillán wiesen irreparable Schäden auf. Die Kinder seien aber rechtzeitig evakuiert worden.


"Wir machen uns große Sorgen, dass das Ausmaß der Erdbebenkatastrophe in Chile momentan unterschätzt wird", erklärt MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. "Es gibt keine gesicherten Angaben über die Folgen der Katastrophe in den ländlichen Regionen.

In den am schlimmsten betroffenen Gebieten um Concepcion, Talca, Constitucion und Talcahuano fehlt es noch immer an Strom, Wasser und Lebensmitteln. In viele Küstenorte sind die Rettungskräfte noch nicht einmal vorgedrungen. Die Seuchengefahr steigt." MISEREOR werde über CRATE die Opfer mit Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten und Zelten versorgen. "Die Situation ist heikel, weil viele Menschen aus Frust über die ausbleibende Hilfe zu Plünderungen greifen. Mit CRATE haben wir aber einen sehr erfahrenen Partner, der sich bereits beim Erdbeben 1985 in der Notversorgung und beim anschließenden Wiederaufbau bewährt hat", so Bröckelmann-Simon.

In Chiles Hauptstadt Santiago de Chile haben Mitarbeiter des weltweiten katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" inzwischen mit der Hilfe für die Erdbebenopfer im Land begonnen. Das chilenische Büro des Hilfswerks habe die Katastrophe den Angaben zufolge ohne Schäden überstanden. Mitarbeiter seien zur Stunde damit beschäftigt, sich ein Bild vom Ausmaß der Zerstörungen zu machen.

Anders als in Haiti könne man zwar davon ausgehen, dass die zum Wiederaufbau nötigen Mittel auch aus Chile selbst fließen könnten, erklärte Kny, durch die hohen Sachschäden seien aber auch Hilfen aus dem Ausland nötig.

Offiziellen Angaben zufolge hat es die schwersten Schäden im Süden Chiles gegeben, insgesamt seien bisher mindestens 796 Menschen umgekommen, 1,5 Millionen wurden obdachlos. Allein in der Hauptstadt Santiago wurden über 1500 Wohnungen beschädigt. Schätzungen über den entstandenen Sachschaden schwanken zwischen elf und 22 Milliarden Euro. Die meisten Schäden seien durch die Tsunami-Welle entstanden, die nach dem Erdbeben die Küstenstädte verwüstet hatte.