China: 400 Millionen Abtreibungen in 30 Jahren

Ein-Kind-Politik führt zur Selektion von Mädchen

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PEKING, 29. September 2011 (ZENIT.org). - In den vergangenen 30 Jahren wurden in der Volksrepublik China 400 Millionen Kinder im Mutterleib getötet. Seit dem In-Kraft-Treten der „Ein-Kind-Politik”  am 25. September 1980 wurde damit eine Kinderzahl getötet, die der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika entspricht. Dies gab nun ein Vertreter des chinesischen Regimes bekannt.

Das Regime zwingt mit der Ein-Kind-Politik per Gesetz und unter schwerer Strafe den chinesischen Paaren auf, nur ein einziges Kind zu haben. Von Zeit zu Zeit macht das Regime, wohl unter dem Druck von Menschenrechtsorganisationen, Versuche, die Gültigkeit des Gesetzes nach außen hin zu verschleiern. Tatsächlich ist es jedoch nach wie vor uneingeschränkt in Kraft, samt Abtreibungszwang, der zum Teil gewaltsam und unter Polizeieinsatz erfolgt.

Seit Jahren versucht der Demograph Steven W. Mosher, Vorsitzender des Population Research Institute, das Ausmaß der Auswirkungen dieser Ein-Kind-Politik zu errechnen. Da die chinesischen Statistiken gezielt verschleiert und unübersichtlich sind, waren ihm bisher nur ungefähre Schätzungen möglich. Zu Geburtenraten, Kindersterblichkeitsraten und Sterblichkeitsraten allgemein liegen für das riesige chinesische Territorium keine wirklich sicheren Daten vor. Volkszählungen unterliegen der staatlichen Zensur. Deren Ergebnisse werden nur bruchstückhaft durch die Propagandastellen bekannt gemacht.

Mosher kam bei seinen jahrelangen Recherchen auf eine Schätzung von 350 bis 450 Millionen getöteten ungeborenen Kindern auf der Grundlage von durchschnittlich 10-15 Millionen erzwungenen Abtreibungen. Wie sich nun herausstellte, war seine Schätzung ziemlich genau: Offiziell wurde bekannt, dass die Ein-Kind-Politik bisher 400 Millionen Menschenleben gekostet hat.

Auf eine direkte Frage des republikanischen US-Abgeordneten und Lebensrechtlers Timothy Huelskamp antwortete Gao Qiang, zwei Jahre lang politischer Kommissar des chinesischen Gesundheitsministeriums und Stellvertreter des Minister, dass die chinesische Bevölkerung heute durch die Ein-Kind-Politik der Regierung 400 Millionen Menschen weniger zähle. Gao fügte stolz hinzu, dass diese Zahl wesentlich höher sei als die gesamte Bevölkerung der USA mit derzeit 312 Millionen Einwohnern.

„Die kommunistische Partei Chinas feiert diese Eliminierung von Menschenleben als ‚Erfolg‘, was die totale Verachtung der internationalen Menschenrechte beweist“, so Steven W. Mosher. „Diese horrenden Zahlen wurden nur erreicht, weil die Frauen zur Abtreibung gezwungen wurden, manche sogar bis in die letzten Schwangerschaftsmonate. Das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal verurteilte so etwas als Verbrechen gegen die Menschheit.“

Der amerikanische Demographiker machte auch auf eine „Tragödie in der Tragödie“ aufmerksam: die selektive Abtreibung von Mädchen. Die Ein-Kind-Politik führe zu einer gezielten Abtreibungsselektion, die sich gegen Mädchen richtet. Durch eine weit verbreitete kulturelle Sicht und die Erwartung des Staates an die Mütter, Söhne zu gebären, werde als einziges Kind ein Junge gewünscht. Die Geburt eines Mädchens als einziges Kind einer Familie werde von den Behörden sogar als eine Form der Sabotage registriert. Die Ein-Kind-Politik habe zu einer radikalen Geringschätzung der Frau in China beigetragen. Wenn Mädchen als einziges Kind geboren würden, liefen sie Gefahr, nachträglich getötet, ausgegrenzt, ausgestoßen oder sogar dem Meistbietenden verkauft zu werden.

Die pränatale Selektion bringe die gesamte „natürliche Bevölkerungsentwicklung ins Rutschen und in eine gefährliche Schieflage“, so Mosher. Die Abtreibungs- und Selektionspolitik des Landes entspreche allerdings der Logik eines Regimes, das von den Familien der zum Tode Verurteilten verlange, die Kugel zu bezahlen, mit der ihr Angehöriger hingerichtet wird.