China: Blinder Menschenrechtsaktivist Chen Guangcheng bereits seit vier Monaten im Gefängnis

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PECHINO, 12. Juni 2006 (ZENIT.org).- Chen Guangcheng, der blinde Menschenrechtsaktivist, der vor allem durch sein engagiertes Auftreten gegen das chinesische Familienplanungsprogramm bekannt geworden ist, wird bereits seit vier Monaten in einem Gefängnis der chinesischen Provinz Shangdong festgehalten. Das haben vor wenigen Tagen die verantwortlichen Behörden bestätigt.



Gemäß einem heute, Montag, vorgelegten Bericht der Nachrichtenagentur "AsiaNews" wird Chen Guangcheng beschuldigt, Staatseigentum beschädigt und das Volk aufgehetzt zu haben. "Die Anschuldigungen entbehren jeder Grundlage", betonte Yuan Weijing, die gestern, am Dreifaltigkeitssonntag, auf der zuständigen Polizeistation ihre Aussage zu Protokoll gab.

Teng Biao, Rechtsanwalt von Chen, unterstrich gegenüber "AsiaNews", dass sein 35-jähriger Mandant – der Sohn eines Bauern, der sich selbst trotz mangelnder Sehkraft juristisches Wissen angeeignet hat und heute ein Fachmann für Menschenrechtsfragen ist – von den Provinzbehörden und nicht von den staatlichen Behörden festgehalten werde; aufgrund der angeführten Beschuldigungen sei die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens im Bereich des Möglichen.

Chen Guangcheng wurde am 11. März zusammen mit zwei Vettern festgenommen. Zuvor hatte er monatelang die eigenen vier Wände nicht verlassen dürfen, da er gegen die Geburtenkontrollpolitik der Provinzbehörden von Shandong protestiert hatte.

Der blinde Menschenrechtsaktivist hat sich besonders für die Rechte der Behinderten, der Familien und der ungeborenen Kinder eingesetzt. Dank seiner Hilfe war es Journalisten der "Washington Post" gelungen, Beweise für behördlich erzwungene Abtreibungen und Sterilisationen in der Stadt Linyi (Provinz Shandong) vorzulegen. Nach der Beschuldigung, mehr als 7.000 Menschen gegen ihren Willen sterilisiert haben zu lassen, sah sich die chinesische Familienplanungsbehörde am 19. September des vergangenen Jahres dazu gezwungen einzuräumen, dass einige Regierungsvertreter "unter Missachtung der Bürgerrechte Abtreibungen und Sterilisationen unter Zwang vorgenommen haben".