Chrisam-Messe während Vakanz des Bischofsstuhls

Zeichen der Einheit aller Diözesanpriester mit dem Bischof

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 233 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Feier der Chrisam-Messe bei freiem Bischofsstuhl.

Frage: Papst Franziskus hat vergangenen Dezember den Amtsverzicht, den unser Erzbischof ihm angeboten hat, angenommen und ihn dann bis zur Ernennung des Nachfolgers zum Administrator ernannt. Seit in unserem Bistum der Bischofsstuhl frei ist, haben die Priester der Diözese den Namen des Erzbischofs im Hochgebet nicht mehr erwähnt. Meine Frage: Darf der emeritierte Erzbischof während der Sedisvakanz in der Diözese die Chrisam-Messe mit den Priestern des Erzbistums feiern – wo doch die Chrisam-Messe ein Symbol für die Einheit ist, die unter allen Diözesanpriestern mit dem Bischof herrschen soll? -- B.E., Malaysia

P. Edward McNamara: Wenn ich die von unserem Leser dargelegte Situation richtig verstanden habe, hat der Papst den Amtsverzicht des Erzbischofs angenommen und ihn daraufhin zum Administrator ernannt. Genauer gesagt, wäre dann in diesem Fall der Erzbischof bis zur Ernennung seines Nachfolgers der Apostolische Administrator der Diözese.

Wenn dem so ist, dann besitzt der Erzbischof weiterhin alle Vollmachten, die dem Diözesanbischof eigen sind. Der Apostolische Administrator wird im Hochgebet genannt, ob Sedisvakanz herrscht oder nicht, und er steht der Chrisam-Messe vor.

Obwohl im aktuellen Codex des kanonischen Rechts das Amt des Apostolischen Administrators nicht mehr erwähnt wird, wird es heutzutage relativ häufig vergeben. In der Regel wird ein Bischof zu diesem Amt bestellt, damit er eine Diözese vorübergehend leitet. Neben dem Fall des emeritierten Bischofs, gibt es auch manchmal den Fall eines Bischofs, der in eine anderer Diözese versetzt und zum Apostolischen Administrator seiner vorherigen Diözese ernannt wird. Die Ernennung kann bis zur Inbesitznahme der neuen Diözese wirksam sein, gelegentlich aber auch bis zur Ernennung des Nachfolgers, sodass der Bischof über einen gewissen Zeitraum tatsächlich zwei Diözesen leitet.

Unter Umständen kann der Papst einen Bischof zum Apostolischen Administrator ernennen, der aus einer Teilkirche stammt, die dem infrage kommenden Bistum nahe liegt, damit der Hirte, der es leitet, alle Vollmachten besitzt, die zum Bischofsamt gehören. Dies wird normalerweise nur dann geschehen, wenn besondere Schwierigkeiten vorliegen.

Wenn der Papst keine solche Maßnahmen trifft, beginnt die Zeit der Sedisvakanz zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Annahme des Amtsverzichts des Bischofs oder seiner Versetzung.

In Übereinstimmung mit dem Kirchenrecht wird vom Konsultorenkollegium (bzw. dem Domkapitel – vgl. can. 502 § 3 CIC) ein Diözesanadministrator gewählt, damit dieser den vakanten Bischofssitz so lange verwaltet, bis der neue Bischof ernannt ist und von der Diözese Besitz ergreift. Der Diözesanadministrator ist in der Regel ein Priester, doch könnte es auch ein Weihbischof sein, der nicht schon für die Nachfolge in der vakanten Diözese benannt worden ist.

Im Hochgebet erwähnt man seinen Namen nicht. Sollte er der einzige Weihbischof sein, dann darf man – wie auch schon vor der Sedisvakanz – seinen Namen mit dem entsprechenden Titel erwähnen.

Neben einigen Ausnahmen besitzt der Diözesanadministrator den größten Teil der Vollmachten des Bischofs. Er kann aber keine schriftliche Verfügungen, die der vorherige Bischof getroffen hat, ändern, keine wichtigen Neuerungen einführen, noch etwas tun, was die Bischofsweihe voraussetzt.

Wenn der Diözesanadministrator ein Weihbischof ist, kann er die Chrisam-Messe feiern. Wenn er Priester ist, könnte er einen Bischof einladen, damit dieser der Messe vorsteht und die heiligen Öle weiht. Oder er könnte sich dafür entscheiden, die Chrisam-Messe ausfallen zu lassen, müsste aber dafür sorgen, dass die Öle aus einer Nachbardiözese besorgt werden.

Zum Beispiel wurde in einer Diözese Irlands während der Vakanz des Bischofsstuhls, d.h. von 2009 bis 2013, keine Chrisam-Messe gefeiert. 2013 stand dann der Apostolische Nuntius der Chrisam-Messe vor, bei der in gelegener Weise die heiligen Öle geweiht wurden, die bei der Bischofsweihe des mittlerweile ernannten Nachfolgers verwendet werden sollten.

Man kann beides tun. Wahr ist, dass bei der Chrisam-Messe besonders die Einheit des Presbyteriums mit dem Bischof hervorgehoben wird. Doch hat die Messfeier auch einen praktischen Zweck, der selbst dann erhalten bleibt, wenn der Bischofsstuhl frei ist.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel  http://www.zenit.org/en/articles/chrism-mass-during-sede-vacante