Christ sein ist kein Privileg

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 352 klicks

In seiner heutigen Predigt während der Messe in Santa Marta nahm Papst Franziskus Bezug auf das heutige Evangelium (Mk 6,14-29) über das Martyrium von Johannes. Der Pontifex betonte, dass der wahre Jünger Christi wie Johannes den Weg der Demut nehme, ohne sich der Prophezeiung zu bemächtigen.

„Am Hof ist alles möglich: Korruption, Laster, Kriminalität. Höfe machen solche Dinge einfach. Was hat Johannes getan? Zunächst einmal verkündete er den Herrn. Er verkündete, dass der Retter nah sei, der Herr, der dem Reich Gottes nah war. Und er tat dies mit einiger Kraftanstrengung. Und er taufte. Er forderte alle auf, sich zu bekehren. Er war ein starker Mann. Und er kündigte Jesus Christus an.“

Papst Franziskus wies darauf hin, dass Johannes nie von sich behauptet habe, er sei der Messias. Stattdessen habe er auf jemanden verwiesen, der nach ihm komme, und habe somit nicht den Titel für sich beansprucht. Er sei ein Mann der Wahrheit gewesen, der niemandem die Ehre genommen habe. Überdies habe er sich erniedrigt, bis zum Tod, wie Jesus.

„Erniedrigt gestorben. Auch Johannes hat seinen ‚Olivenhain‘ gehabt, seine Angst im Kerker, als er dachte, einen Fehler begangen zu haben, und seine Jünger zu Jesus schickte, um ihn zu fragen: ‚Sag mir, bist du es, oder habe ich einen Fehler begangen, und es gibt einen anderen?‘ Das Dunkel der Seele, das Dunkel, das läutert, wie Jesus im Olivenhain. Und Jesus hat Johannes geantwortet, wie der Vater Jesus geantwortet hat, indem er ihm Mut machte. Das Dunkel des Menschen Gottes, der Frau Gottes. Ich denke in diesem Moment an das Dunkel der Seele von Mutter Theresa. Die Frau, die von der ganzen Welt gepriesen wurde, Nobelpreis! Aber sie wusste, dass in bestimmten Momenten ihres Lebens nur Dunkel herrschen würde.“

Der Pontifex fuhr fort, Johannes habe sich nie der Prophezeiung bemächtigt; Er sei ein vorbildlicher Jünger gewesen. Der Ursprung für dieses Verhalten habe in einer Begegnung gelegen: der Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, als Johannes im Bauch seiner Mutter vor Freude getanzt habe. Johannes sei der Mensch gewesen, der Jesus Christus angekündigt, jedoch nie versucht habe, seine Stelle einzunehmen.

„Es würde uns heute gut tun, uns mehr zu unserem Dasein als Jünger zu befragen: Verkünden wir Jesus Christus? Oder profitieren wir von unserem Dasein als Christen, als ob es ein Privileg wäre? Johannes bemächtigt sich nicht der Prophezeiung. Drittens: Gehen wir auf dem Weg Jesu Christi? Auf dem Weg der der Demut und der Selbsterniedrigung für den Dienst? Und wenn wir feststellen, dass wir darin nicht beständig sind, fragen wir uns: ‚Wann war meine Begegnung mit Jesus Christus, diese Begegnung, die mich mit Freude erfüllt?‘ Zurück zur Begegnung. Wir alle haben eine! Dahin müssen wir zurück! Sich mit dem Herrn treffen und auf diesem so schönen Weg weitergehen, auf dem er größer werden muss und wir kleiner.“