Christen, die stören, um Jesus verkündigen zu können

Im Rahmen der gestrigen hl. Messe im Gästehaus "Sanktae Marthae" weist Papst Franziskus auf jene Menschen hin, die die Kirche der Gegenwart benötigt: Keine "Salonchristen"

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 564 klicks

Im Inneren eines Christen brennt ein Feuer: der zur Verkündigung Christi allerorts und an jeden Menschen drängende apostolische Eifer. Dieser bewahrt ihn vor der Haltung eines „Salonchristen“ und macht ihn vielmehr zu einem unbequemen Zeitgenossen. Wie der hl. Paulus, dessen gesamtes Leben durch „Prüfungen“ und „Verfolgungen“ gekennzeichnet war, sollen auch wir nicht den Mut zu verlieren, sondern unseren Weg stets fortsetzen.

Im Rahmen der gestern im päpstlichen Gästehaus zelebrierten hl. Messe fügte Papst Franziskus einen neuen Baustein in das seit nunmehr zwei Monaten in Arbeit befindliche Mosaik über das Profil des wahren Christen. Unter den Teilnehmern an der mit Kardinal Peter Turkson und Msgr. Mario Toso, Präsident und Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, konzelebrierten Feier befand sich eine Gruppe von Angestellten des Dikasterions und von Radio Vatikan.

Der Papst widmete der Gestalt des hl. Paulus eine längere Betrachtung und bezeichnete dessen apostolischen Eifer als „gesunde Verrücktheit“, die treibende Kraft für die Verkündigung, dank derer er aus der „Feldschlacht“ seines Lebens stets siegreich hervorgegangen sei. Nach den Worten des Papstes sei das Schicksal des Apostels „ein Schicksal mit vielen Kreuzen, doch er geht weiter. Er blickt den Herrn an und setzt den Weg fort“. Der Heilige Vater führte aus: „Paulus stört. Er ist Mensch, der mit seiner Predigt, seiner Arbeit und seiner Haltung stört, denn er nimmt sich der Verkündigung Jesu Christi an und diese Verkündigung stört unsere Bequemlichkeit und die oft auch im christlichen Leben vorzufindenden behaglichen Strukturen“.

Dennoch richte Gott genau diese Bitte an uns: „Der Herr will, dass wir immer weiter gehen, immer weiter und weiter … Er möchte, dass wir nicht in einem ruhigen Leben oder den nach unten strebenden Strukturen verharren“, betonte der Papst.

Der hl. Paulus habe vom Herrn gesprochen und gestört, doch er sei weitergegangen, denn in ihm sei der durch und durch christliche apostolische Eifer, apostolische Innbrunst, lebendig gewesen: „Er war kein Mann der Kompromisse. Nein, er suchte die Wahrheit, er verkündigte Jesus Christus.Vorwärts!“. Der Herr sei der Quell dieses Eifers gewesen. Der hl.Paulus war naturgemäß ein “von Leidenschaft erfüllter Mensch”, doch nicht nur sein Temperament habe ihn zum “Vorwärtsgehen” gedrängt. Der Herr habe “mitgewirkt”. Papst Franziskus zufolge sei der apostolische Eifer kein Streben nach Macht, nach einer Art von Besitz, gewesen, sondern sei vielmehr einer inneren Regung, einem Wunsch des Herrn an ihn, gefolgt. Seine Wurzel sei die „Kenntnis Jesu Christi“. So habe Paulus Jesus Christus gefunden und sei ihm begegnet. Dies sei jedoch nicht auf intellektuellem oder wissenschaftlichem Weg geschehen. Vielmehr sei er von einer „Kenntnis des Herzen, der persönlichen Begegnung“, geleitet worden. Aus diesem Grund sei Paulus stets für Jesus in schwierige Situationen geraten.

Der apostolische Eifer sei laut dem Papst „etwas Verrücktes, aber eine Art geistliche Verrücktheit“. Es handle sich um eine „gesunde Verrücktheit“, dank derer man nicht zu einem „Salonchrist“ werde. Dieser sei nach den Worten des Papstes „gut erzogen, aber nicht fähig, der Kirche über die Verkündigung und apostolischen Eifer Kinder zu schenken“.

Abschließend richtete Papst Franziskus an die Gläubigen folgend Einladung: „Bitten wir den Heiligen Geist um diesen apostolischen Eifer und um die Gnade, jene Dinge in der Kirche stören zu können, die allzu ruhig sind. Möge er uns die Gnade schenken, uns den Peripherien der Existenz zu nähern“.

Der Papst rief aus: „Dies hat die Kirche dringend nötig! Das gilt nicht nur für die fernen Gegenden und die jungen Kirchen, jene Völker, die Jesus Christus noch nicht kennen, sondern für das Hier und Jetzt, für diese Stadt. Hier, in dieser Stadt, muss Jesus Christus verkündigt werden“.

Vom apostolischen Eifer erfüllte Christen sollen wir sein. Gepriesen sei der Herr, wenn wir stören!“, so der Papst abschießend.