Christen fasten und beten für ein Ende der Gewalt

Eskalierende Lage in Syrien

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DAMASKUS, 15. April 2011 (ZENIT.org). - Die eskalierende Lage in Syrien, wo das Regime gewaltsam gegen Oppositionelle vorgeht, hat auch die Christen des Landes in Angst versetzt. Wie die Menschenrechtsorganisation Open Doors berichtet, beten und fasten die christlichen Gemeinschaften vor Ort für ein Ende der Gewalt. Alle Christen der Welt seien aufgerufen, mit ihnen gemeinsam für Syrien und die Zukunft der Christen in diesem Land zu beten.

Zurzeit kommt es zu brutalen Auseinandersetzungen zwischen den Regierungskräften von Präsident Baschar al-Assad und Demonstranten, die Rechtsstaatlichkeit und Demokratie fordern. In den letzten Tagen sollen über 100 Menschen getötet worden sein. Die Zahlen sind schwer zu überprüfen, da Journalisten in dem Land, wo seit 50 Jahren der Ausnahmezustand herrscht, nicht frei arbeiten können.

Wie ein Gemeindevorstand, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will, gegenüber Open Doors sagte, seien die Christen in Sorge, dass ihre Situation sich durch eine Ablösung der gegenwärtigen Regierung ähnlich dramatisch wie die der christlichen Minderheit im Irak entwickeln könnte, „wenn nicht noch schlimmer".

Einige christliche Familien denken darüber nach, das Land zu verlassen oder ihre Häuser zu verkaufen. Andere sind in Panik und hoffen, dass die Situation für Christen zumindest stabil bleibt. Es wird befürchtet, dass sie als erstes zur Zielscheibe von Anschlägen durch extreme Muslime oder Drusen, einer schiitischen Religionsgemeinschaft, werden könnten. Bislang gilt das Land als vergleichsweise tolerant gegenüber Christen. Es gibt keine offizielle Staatsreligion, der Präsident muss allerdings Muslim sein.

Rein verfassungsrechtlich wird anderen Religionsgruppen die Freiheit garantiert, ihre Religion auszuüben und ihre Gottesdienste zu feiern. Das Evangelium darf jedoch nicht an Muslime weitergegeben werden. Muslime, die Christen wurden, können familiären Druck aufgrund ihrer Hinwendung zum Christentum ausgesetzt sein. Im vorigen Jahr wurden mehrere Hauskirchen geschlossen sowie Christen verhaftet und verhört. Von den 22 Millionen Einwohnern sind rund neun Prozent Christen.

Der Schwerpunkt des Aufstandes der Oppositionellen liegt im Norden und im Süden des Landes. In Daraa nahe der jordanischen Grenze nahmen die Proteste ihren Anfang und griffen dann auf Latakia an der Mittelmeerküste über. Noch gibt es aber keine wirklich flächendeckende Revolte.


Bei den Christen ist Präsident Assad angeblich beliebt, sie wünschten sich allerdings Verbesserungen ihrer Lebenssituation.