Christen im Irak droht die Auslöschung, der "Arabische Frühling" führt zu vermehrter Gewalt

Introvigne: Europa darf nicht schweigen

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MOSKAU, 9. Dezember 2011 (ZENIT.org). - Mit einem Appell an die internationale Staatengemeinschaft, Maßnahmen gegen die Christenverfolgung zu ergreifen, endete am 1. Dezember 2011 die „Internationale Konferenz gegen die Diskriminierung und Verfolgung der Christen“. Die Konferenz war vom Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche unter großem Medieninteresse organisiert worden.

Laut Metropolit Hilarion, dem „Außenminister“ der russisch-orthodoxen Kirche, handelte es sich um die größte kirchliche Versammlung, die je zu diesem Thema veranstaltet wurde.

Eröffnet wurde die Tagung vom italienischen Soziologen Massimo Introvigne als Repräsentant der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa für den Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung der Christen. Ausgehend von einer Kunstausstellung in der Petersburger Eremitage erinnerte Introvigne daran, dass die russische, aber auch westeuropäische Kunst im 19. Jahrhundert sich häufig mit dem Schiffbruch beschäftige. Wenn Europa weiterhin zur Verfolgung der Christen schweige, aus Angst, die Verfolger zu „beleidigen“, riskiere Europa, moralisch und geistlich Schiffbruch zu erleiden. „Ein Schiffbruch, der schädlicher sein wird als die Wirtschaftskrise“, so Introvigne.

Der Metropolit der Assyrischen Kirche des Irak, Mar Gewargis, schilderte in seinem Referat das Klima des Terrors und der Angst, in dem die Christen seines Landes leben müssten. „Der christlichen Gemeinschaft des Irak droht die Auslöschung“, so der Erzbischof.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. erinnerte in seiner Rede an die Forderung die Kruzifixe aus den Schulklassen Italiens zu entfernen. Papst Benedikt XVI. hatte die Staaten aufgerufen, Italien vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen diesen Antrag zu unterstützen. Nur zehn europäische Staaten folgten dem Aufruf und erhoben gemeinsam mit Italien Einspruch gegen die Entscheidung erster Instanz des Gerichtshofs. Vier davon waren kleine katholische Staaten (Malta, Litauen, San Marino und Monaco). Bei den sechs mittleren und großen handelte es sich um orthodoxe Staaten (Russland, Griechenland, Bulgarien, Armenien und Zypern).

Die koptischen Kirchenvertreter Ägyptens zeigten einen Dokumentarfilm zur Gewalt und Brutalität der ägyptischen Islamisten und der Polizei seit dem Sturz von Staatspräsident Mubarak. Der sogenannte „Arabische Frühling“ habe keine Verbesserung für die Christen gebracht. Die Gewalttaten nähmen in der allgemeinen Rechtsunsicherheit noch zu, so die Kopten. Ein koptischer Vertreter berichtete, dass in ägyptischen Krankenhäusern Christen ohne deren Wissen und Zustimmung Organe entnommen würden.

Ein katholischer Priester aus Pakistan, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden konnte, stellte eine Dokumentation über die alltägliche Verfolgung der pakistanischen Christen vor, darunter auch Fälle von bei lebendigem Leib verbrannten Priestern.

Zu den Referenten gehörten auch die katholischen Bischöfe Msgr. Paolo Pezzi, Erzbischof von Moskau, und Msgr. Joseph Ender, der Apostolische Nuntius in Russland sowie zahlreiche Erzbischöfe und Patriarchen der orthodoxen Welt. An der Konferenz nahmen als Beobachter ebenfalls Vertreter der russischen Juden und Muslime teil.

Im Schlussdokument der Moskauer Tagung werden Länder wie Ägypten, Pakistan, Afghanistan, Nigeria, der Sudan, Indonesien, Eritrea und Indien als jene Staaten genannt, in denen die Christen besonders verfolgt und unterdrückt werden. Die Staaten werden aufgefordert, für eine wirksame strafrechtliche Verfolgung der Täter zu sorgen, die Gewalt gegen Christen angewendet haben. Schließlich fordert die Konferenz die Schaffung „einer internationalen Behörde gegen die Diskriminierung und Verfolgung der Christen“, die den Verfolgten auch zu Hilfe kommen soll.[jb]