"Christen, Muslime und Juden haben eine gemeinsame Verpflichtung zum Frieden"

Grußbotschaft des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zum muslimischen Fest des Fastenbrechens (Ramadan) 2002

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BONN, 26. November 2002 (ZENIT.org-dbk.de).- An die gemeinsame Verpflichtung zum Frieden von Christen, Muslimen und Juden erinnert Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, in seiner diesjährigen Grußbotschaft an die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Fest des Fastenbrechens.



"Gemeinsam leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Frieden zwischen den Religionen, indem wir ein Beispiel für ein gelingendes Miteinander geben", so Lehmann. Es sei ein "ermutigendes Zeichen" gewesen, als die Oberhäupter der religiösen Gemeinschaften im Heiligen Land am 21. Januar Gewalt als ein "Übel, dem sich alle gläubigen Menschen widersetzen müssen", verurteilt haben.

Im folgenden die Grußbotschaft von Kardinal Karl Lehmann im Wortlaut:

"Sehr geehrte muslimische Schwestern und Brüder!

In diesen Tagen bereiten Sie sich in Ihren Familien und Gemeinschaften auf das Fest des Fastenbrechens vor. Dieses Fest ist mir seit fast zwei Jahrzehnten regelmäßig Anlass, Ihnen meine besten Glück- und Segenswünsche zu übermitteln und auf die im christlich-muslimischen Verhältnis bedeutsamen Ereignisse zurückzublicken.

Nie zuvor seit Beginn des Friedensprozesses im Nahen Osten haben sich die Perspektiven für einen gerechten Frieden in jenem Land, das Juden, Christen und Muslimen als heilig gilt, so sehr verfinstert. Zudem schockieren uns Akte der Gewalt und des Hasses auch in anderen Teilen der Welt, die darauf zielen, das friedliche Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit zu zerstören.

Für den Palästina-Konflikt ebenso wie im Blick auf die Gräueltaten von New York und Washington, Djerba und Bali aber gilt: Das Töten Unschuldiger im Namen Gottes bedeutet eine Entweihung Seines Heiligen Namens und eine Diffamierung der Religion in dieser Welt.

Die Gewalt ist ein Übel, dem sich alle gläubigen Menschen widersetzen müssen. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass die Oberhäupter der religiösen Gemeinschaften im Heiligen Land dies am 21. Januar dieses Jahres öffentlich erklärt haben, als sie in Sorge um die jüngsten Entwicklungen in Alexandria zusammenkamen. Christen, Muslime und Juden haben eine gemeinsame Verpflichtung zum Frieden. Sie erwächst aus dem Glauben an den einen, barmherzigen Schöpfergott.

Zu dieser Verpflichtung bekennen sich auch alle gläubigen Christen und Muslime in Deutschland. Gemeinsam leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Frieden zwischen den Religionen, indem wir ein Beispiel für ein gelingendes Miteinander geben. Auch durch unser Gebet dürfen wir daran mitwirken, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die jetzigen und die künftigen Generationen in gegenseitigem Respekt und Vertrauen zusammenleben können. In diesem Geiste erbitte ich über uns alle den Segen Gottes und grüße Sie zum Fest des Fastenbrechens

Karl Kardinal Lehmann"

Hinweis: Die Botschaft zum Ende des Ramadans "Christen und Muslime und die Wege zum Frieden" des Erzbischofs Michael L. Fitzgerald, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog in Rom, finden Sie auf ZENIT.org-Sektion: Dokumente.