Christen und Buddhisten im gemeinsamen Kampf gegen die Armut

Botschaft des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog

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ROM, 3. April 2009 (ZENIT.org).- Das Vesakh-Fest ist das bedeutendste Fest im Buddhismus. Es erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und den Tod des Fürstensohnes Siddhartha Gautama, der später „Buddha“ (der „Erleuchtete“) genannt wurde und den Buddhismus begründete. In diesem Jahr wird das Fest in Taiwan und Japan am 8. April, in Korea am 2. Mai und in den anderen Ländern buddhistischer Tradition am 8. Mai begangen werden.

In der diesjährigen Grußbotschaft des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog zu diesem Anlass unterstreicht der Präsident des Dikasteriums, Kardinal Jean Louis Tauran, die gemeinsame Berufung von Christen und Buddhisten zur Armutsbekämpfung.

In dem Schreiben, das ganz im Zeichen des Mottos „Zeugen des Geistes der Armut: Christen und Buddhisten im Dialog“ steht, wird hervorgehoben, was immer klarer ersichtlich sei: dass Christen und Buddhisten mit vereinten Kräften und in Treue zu ihren eigenen geistlichen Traditionen zum Wohl ihrer Gemeinschaften und der ganzen Menschheit ihren Beitrag leisteten.

Immer stärker werde die Herausforderung wahrgenommen, die sich aus dem immer mehr verbreiteten Phänomen der Armut in ihren verschiedenen Formen ergebe. Dieser stehe auf der anderen Seite eine frenetische Suche nach materiellem Besitz und die Verbreitung des übertriebenen Konsums gegenüber.

In der Botschaft wird an die Worte Benedikts XVI. vom 1. Januar 2009 erinnert, als der Papst von einer Armut gesprochen hatte, die es zu „wählen“ gelte. Dieser Form von Armut stehe eine andere Armut gegenüber, die „bekämpft“ werden müsse. Die gewählte Armut stelle für den Christen einen Weg der Nachfolge Jesu dar. Diese Armut verstehe das Christentum in erster Linie als eine „Entleerung des eigenen Ichs“. Gleichzeitig bestehe sie auch in der Annahme des eigenen Ichs, der eigenen Talente und Grenzen. Ein solche Armut wecke im Christen das Verlangen, auf das Wort Gottes hinzuhören, sich für die Brüder und Schwestern zu öffnen und diese zu achten.

Gleichzeitig gelte es, die Armut als Mangel zu bekämpfen, insofern diese es den Menschen und Familien verunmögliche, ihrer Würde entsprechend zu leben. Eine solche Armut, so Benedikt XVI., verletze die Gerechtigkeit und Gleichheit unter den Menschen und bedrohe das friedliche Zusammenleben.

Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog zitiert in diesem Zusammenhang die Botschaft des Papstes zum diesjährigen Weltfriedenstag, wo es heißt: „So existieren zum Beispiel in den wohlhabenden und hoch entwickelten Gesellschaften Phänomene der Marginalisierung und der relationalen, moralischen und geistigen Armut: Es handelt sich um innerlich orientierungslose Menschen, die trotz des wirtschaftlichen Wohlergehens verschiedene Formen von Entbehrung erleben.“

Den Buddhisten wird in dieser Hinsicht große Anerkennung engegengebracht: „Während wir Katholiken auf diese Weise über den Sinn der Armut nachdenken, achten wir auch auf eure geistliche Erfahrung. Wir möchten euch für euer erhellendes Zeugnis der Abstandnahme und der Zufriedenheit mit dem, was man hat, danken.“

Buddhistische Mönche und Laien nähmen jene „gewählte“ Armut auf sich, „die geistlich das Herz des Menschen nährt und so das Leben mit einem tieferen Blick auf den Sinn des menschlichen Daseins bereichert und den Einsatz für die Förderung des guten Willens der gesamten menschlichen Gemeinschaft unterstützt“.