Christen und Hindus für Gewaltlosigkeit und eine „Revolution der Liebe“

Botschaft des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Rat zum Lichterfest „Diwali“ an die Hindus

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ROM, 28. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Am 28. November 2008  wird von allen Hindus das Fest Diwali oder Dipavali (wörtlich: „Anordnung von Lichtern“) begangen. Das Lichterfest geht auf eine antike Mythologie zurück und symbolisiert den Sieg der Wahrheit über die Lüge, des Lichts über die Finsternis, des Lebens über den Tod, des Guten über das Böse. Es zeichnet sich durch seinen fröhlichen Charakter aus und ist in Nordindien gleichzeitig der Neujahrstag. Diwali erinnert neben dem Jahresbeginn vor allem an die Versöhnung in der Familie, besonders unter Brüdern und Schwestern, sowie an die Anbetung Gottes.



Wesentliches Element von Diwali sind die Lichter. Waren es ursprünglich nur kleine Öl-Lampen – in Reihen an Fenster oder Eingänge gestellt –, so sind es heute zunehmend elektrische Lichterketten, die Wohnhäuser, Geschäfte und Straßen im ganzen Land erleuchten. Nach einer Deutung dieses Brauchs wiesen die Lichter den Geistern der Toten den Weg in das Land der Seligkeit.

Auch dieses Jahr übermittelte der Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, zu diesem Fest eine Botschaft an die „hinduistischen Freunde“. Der Kardinal stellte sie unter das Thema „Christen und Hindus - gemeinsam für Gewaltlosigkeit“.

In der Botschaft wird dazu angeregt, gemeinsam darüber nachzudenken, wie Christen und Hindus in der heutigen Gesellschaft harmonisch zusammenleben und für die Wahrheit, das Licht und die Hoffnung Zeugnis ablegen können. Nicht die Religion als solche, sondern die Instrumentalisierung der Religion sei für vielfältige Formen von Gewalt verantwortlich.

Kardinal Tauran verweist auf ein Wort Papst Benedikts XVI.: In der Welt gebe es „ zuviel Gewalt, zuviel Ungerechtigkeit; eine solche Situation kann man nur dann überwinden, wenn ihr ein Mehr an Liebe, ein Mehr an Güte entgegengesetzt wird. Dieses ‚Mehr’ kommt von Gott: Es ist seine Barmherzigkeit, die in Jesus Fleisch geworden ist und die allein in der Welt den Schwerpunkt auf die Seite des Guten verlagern kann, ausgehend von jener kleinen und entscheidenden ‚Welt’, die das Herz des Menschen ist“ (Ansprache zum Angelusgebet, 18. Februar 2008).

Kardinal Tauran betont, dass in der hinduistischen Tradition die Gewaltlosigkeit eine der wichtigsten Lehren sei. Mahatma Gandhi, der auch für die heutige Welt „ein Vorbild der Gewaltlosigkeit“ sei, habe zu Recht festgestellt: Wenn man das Prinzip „Auge um Auge“ anwendet, „dann werden alle blind“. Gewaltlosigkeit sei nicht nur eine Taktik, sondern die Haltung dessen, der das Böse nur mit den Waffen der Liebe und der Wahrheit bekämpf. Die Liebe zu den Feinden sei „die Revolution der Liebe“.

Alle Hirten und Religionsführer sollten dafür Sorge tragen, die Gewaltlosigkeit zu fördern. „Tun wir alles dafür, damit die Sakralität des menschlichen Lebens, das Wohl der Armen und der Schwachen unter uns vorangebracht wird, und dass wir durch den Dialog zusammenarbeiten, damit die Würde aller Menschen respektiert wird, ganz gleich, zu welcher Rasse oder Kaste, Religion oder Klasse jemand gehört.“

Die Botschaft endet mit einem Appell an die Christen und Hindus, dass sie sich alle vorbehaltlos von der Liebe besiegen lassen mögen - „in der Überzeugung, dass die Gewaltlosigkeit der einzige Weg ist, um eine mitleidsvollere, gerechtere und den Bedürftigen gegenüber aufmerksamere globale Welt zu errichten“.