Christen und Kirchen in Indien „werden gezählt“

Weitere Welle hinduistischer Gewalt befürchtet

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BANGALORE, 20. Septembe 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst) – Während man sich in Orissa auf den Jahrestag der antichristlichen Massaker im Jahr 2008 vorbereitet, lanciert die christliche Glaubensgemeinschaft in einem weiteren indischen Staat, Karnataka, einen Appell. Es sei eine mögliche „ethnische Massensäuberung“ unter den christlichen Gemeinden geplant. Die Polizei habe bereits eine Art „Zählung“ der Christen und ihrer Kirchen auf den Weg gebracht, bei denen die Daten „massenweise in die Polizeikartei eingetragen werden“ sollen.

Von dem Vorgang berichtet der „Global Council of Indian Christians (GCIC)“  dem Fidesdienst. Dabei gehe es nicht nur um Verwaltungsfragen, sondern es handle sich offensichtlich „um den Versuch, die Agenda der Sangh Parivar zur unterstützen“. In der Organisation Sangh Parivar  sind verschiedene radikale hinduistische Gruppen zusammengeschlossen, die auch für die Massaker in Orissa verantwortlich gemacht werden.

„Es geht um einen klaren Verstoß gegen die Grundrechte der Christen im Land, die einen Anspruch darauf haben, ihre Religion frei zu praktizieren und zu predigen, wie dies von der Verfassung garantiert wird“, so der GCIC. Der indische Unionsstaat Karnataka wird von der nationalistischen „Baratiya Janata Party (BJP)“ regiert, die extremistische Bewegungen unterstützt.

Die Initiative der örtlichen Polizei wurde bereits im Verwaltungsdistrikt Chikmagalur auf den Weg gebracht. Gemeindepfarrer und Pastoren erhielten Formulare, auf denen sie den Namen der Kirche und ihren Standort eintragen sollen. Weiter Angaben sollen zu den Gebäuden, den Eigentümern und deren Namen und Telefonnummern gemacht werden. Zudem sollen Bankkonten, Besucherzahlen und Zeiten der Gottesdienste bekannt gemacht werden. Dies erinnert an die „Zählung der Christen“ im Unionsstaat Madhya Pradesh (vgl. Fidesdienst vom 15/04/2011), der ebenfalls von der BJP regiert wird. Auch hier war es zu Protesten der Christen gegen die Maßnahme gekommen.

In Karnataka kommt es unterdessen immer wieder zu weiteren Episoden antichristlicher Gewalt: In den vergangenen zwei Wochen wurden an zwei aufeinander folgenden Sonntagen die liturgischen Feiern einiger pfingstkirchlichere Gemeinden unterbrochen. In diesem Zusammenhang wurden die Pastoren verbal beleidigt und körperlich misshandelt. Zur Einschüchterung der Christen erstatten radikale Hindus falsche Anzeigen im Zusammenhang mit angeblichen Zwangsbekehrungen, was zu neuer Gewalt führe. In dem Staat mit insgesamt 52,8 Millionen Einwohnern leben rund 1 Million Christen. Bei einer Welle antichristlicher Gewalt im Jahr 2008 waren hier 113 Übergriffe in 29 Verwaltungsdistrikten gezählt worden. In den vergangenen beiden Jahren gab es in Karnataka insgesamt 138 Vorkommnisse antichristlicher Gewalt.

Mit der Erhebung und Veröffentlichung der Daten beauftragten christliche Nichtregierungsorganisationen den Richter Michael Saldanha, der einen detaillierten Bericht vorlegte (vgl. Fidesdienst vom 24/02/2011). Die Welle der Gewalt fand unter der Leitung von fundamentalistischen hinduistischen Gruppen statt, die sich mit der Regierung in Karnataka verbündet hatten. „In Karnataka“, so Beobachter zum Fidesdienst, „haben hinduistische Extremisten großen Einfluss: sie sind an der Regierung und haben Mitarbeiter im Justizsystem, in der Verwaltung und in der Polizei. Für Christen besteht keine Aussicht auf Gerechtigkeit“.