Christen und Muslime als aktive Partner in der europäischen Gesellschaft

Interreligiöses Spitzentreffen schafft Grundlagen für tragfähiges Miteinander

| 1308 klicks

ESZTERGOM, 22. April 2008 (ZENIT.org).- Eine wachsende Annäherung zwischen Christen und Muslimen gibt Anlass zur Hoffnung. Das haben Vertreter christlicher Kirchen im ungarischen Esztergom zusammen mit Muslimen aus verschiedenen Ländern Europas festgestellt. Man hatte sich getroffen, um gemeinsam für den Herbst dieses Jahres eine christlich-muslimische europäische Konferenz vorzubereiten.

Auf Einladung von Kardinal Peter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest und Präsident des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), wurde auf dem interreligiösen Spitzentreffen die Tagung „Europäische Bürger und gläubig sein. Christen und Muslime als aktive Partner in der europäischen Gesellschaft" vorbereitet. Sie wird vom 20. bis zum 23. Oktober 2008 im belgischen Malines bei Brüssel stattfinden.

Bei der Organisation der Begegnung in Esztergom (17.-20. April) waren die Mitglieder des europäischen ökumenischen Ausschusses für die Beziehungen mit den Muslimen in Europa (CRME) beteiligt. Das CRME ist ein ökumenisches Komitee, das im Jahre 1986 von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und vom CCEE eingreichtet worden war. Das Ziel des Komitees besteht darin, die Kirchen in Europa in der Begegnung mit dem Islam zu unterstützen und die Beziehungen mit den Muslimen zu verstärken.

Kardinal Erdö, Primas von Ungarn, betonte in seiner Eröffnungsrede die Tatsache, dass jüngst veröffentlichte Studien religiös engagierten Menschen die Fähigkeit zu Toleranz und Dialog beschieden hätten. „Der Gott unserer Religionen ist ein Gott des Friedens und der Liebe", so erklärte er. „Man darf ihn keinesfalls für Gewaltoptionen missbrauchen." In Osteuropa gebe es zudem positive Anzeichen eines fruchtbaren Miteinanders von Christen und Muslimen, so der Kardinal.

Auf der Tagesordnung des Treffens in Esztergom stand auch eine Diskussion über zwei Dokumente, die sich noch in Bearbeitung befinden. Das erste Dokument befasst sich mit dem religiösen Aspekt des Phänomens Gewalt, das zweite mit der Priesterausbildung im Hinblick auf die zunehmende muslimische Präsenz im Leben der Kirche in Europa.

Der offene Brief der 138 muslimischen Theologen an Papst Benedikt XVI. und die Verantwortlichen der übrigen christlichen Kirchen und Konfessionen vom 13. Oktober 2007 sowie die Charta der Muslime in Europa, die am vergangenen 10. Januar von 400 muslimische Vereinigungen und Organisationen in Europa unterzeichnet worden waren, wurden auf dem Treffen ebenfalls behandelt.

Seitens des Rates der europäischen Bischofskonferenzen nahmen folgende Personen teil: Professorin Bénédicte du Chaffaut aus Frankreich, P. Joseph Ellul OP aus Malta (und Delegierter des Heiligen Stuhls), P. Claudio Monge aus der Türkei, Dr. Erwin Tanner von der Schweizerischen Bishofskonferenz, P. Hans Vöcking von der Kommission des CCEE für Migration aus Deutschland, Professor Kari Vogt von der Universität Oslo aus Norwegen, Helmut Wiesmann von der Deutschen Bischofskonferenz, Msgr. Aldo Giordano und Donata Bricci vom CCEE aus der Schweiz.

Die muslimischen Partner waren der Imam Yahya Sergio Yahe Pallavicini, Vize-Vorsitzender des COREIS (Italien), Sughra Ahmed von der Islamic Foundation in Großbritannien und Professor Azzedine Gaci aus Frankreich.

Seitens der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) waren neben Professor Dr. Paul-Lucian Brusanowski von der orthodoxen Kirche in Rumänien auch Gerd Marie Adna aus Norwegen, Dr. Martin Affolderbach vom OKR aus Deutschland, Rev. Berit Schelde Christensen von der evangelisch-lutherischen Kirche in Dänemark, Rev. F. Georgy Roshchin von der orthodoxen Kirche in der Russischen Föderation, Dr. Andrew Wingate von der anglikanischen Kirche in Großbritannien, Rima Barsoum vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf und Professor Dr. Viorel Ionita von der Konferenz Europäischer Kirchen anwesend.