Christen und Muslime angesichts einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft

Ereignisse in Syrien vom islamisch-katholischen Komitee scharf verurteilt

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 511 klicks

Das islamisch-katholische Komitee veranstaltete am 18. und 19. Juni 2013 in Rom sein 19. Treffen zum Thema „Die Gläubigen in Anbetracht einer materialistischen und säkularisierten Gesellschaft“. Den Vorsitz führten auf katholischer Seite Kardinal Jean-Louis Tauran, der auch Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog ist, und auf islamischer Seite Hamid bin Ahmad Al-Rifaie, Präsident des Islamischen Internationalen Forums für den Dialog.

Eine entscheidende Wende im interreligiösen Dialog zwischen der katholischen Kirche und dem Islam wurde durch die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils eingeleitet. In „Nostra Aetate“ und „Lumen Gentium“ werden die den beiden Religionen gemeinsamen Elemente benannt. „Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird“, (vedi „Lumen Gentium“ 16, vom 21. November 1964). 

Gleichzeitig wird auch der Hauptunterschied zwischen dem Christentum und dem Islam, die Gottessohnschaft Jesu, deutlich gemacht. In „Nostra Aetate“, veröffentlicht am 28. Oktober 1965, heißt es im entsprechenden Abschnitt:

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde5, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen", (Nostra Aetate 3).

Papst Paul VI. hatte 1964 eine Einrichtung ins Leben gerufen, die sich mit dem interreligiösen Dialog befassen sollte und „Sekretariat für die Nichtchristen“ hieß, wie Karl Kardinal Lehmann in seiner Ansprache anlässlich der Preisverleihung der Pax-Bank-Stiftung am 28. August 2007 ausführte. Als erster Präsident der Institution wurde der Erzbischof von Wien, Franz Kardinal König, eingesetzt. Seit den 80er Jahren trägt sie die noch heute gültige Bezeichnung „Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog“. Paul VI. hatte in seiner Enzyklika „Ecclesiam Suam“ vom 6. August 1964 die „respektvolle Anerkennung gegenüber den geistlichen und moralischen Werten der verschiedenen nichtchristlichen Religionen“ gefordert. Die Einrichtung sollte dazu dienen, die religiöse Freiheit, menschliche Brüderlichkeit, die Kultur und die Wohltätigkeit als gemeinsame Ideale zu fördern.

Ein sehr schönes und zeitlich fast 900 Jahre zurückliegendes Beispiel für die islamisch-katholische Freundschaft nannte Benedikt XVI. während seiner Ansprache am 28. November 2006 in der Türkei: „Als Beispiel für den brüderlichen Respekt, mit dem Christen und Muslime gemeinsam wirken können, möchte ich einige Worte von Papst Gregor VII. aus dem Jahr 1076 zitieren, die er an einen muslimischen Prinzen aus Nordafrika gerichtet hat, der gegenüber den unter seine Jurisdiktion gestellten Christen mit großem Wohlwollen gehandelt hatte. Papst Gregor VII. sprach von der besonderen Liebe, die Christen und Muslime einander schulden, denn ‚wir glauben und bekennen den einen Gott, wenn auch auf verschiedene Weise, jeden Tag loben und verehren wir ihn als Schöpfer der Jahrhunderte und Herrscher dieser Welt‘ (PL148,451).“

Für den christlich-islamischen Dialog in unserer heutigen Zeit ist, wie die christlich-islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO), eine Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz, ausführt, vor allem die Frage nach den Perspektiven des Dialogs von Bedeutung. Christen und Muslime müssten gemeinsam ihre Werte auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene umsetzen. Als mögliche Fragestellungen kämen Themen wie Bioethik, soziale Gerechtigkeit, aber auch aktuelle Probleme  — wie zum Beispiel der aktuelle Syrienkonflikt — in Betracht.

Die Teilnehmer des 19. Treffens des islamisch-katholischen Komitees einigten sich auf sechs gemeinsame Arbeitspunkte. Zuvor hatten sie Vorträge katholischer und muslimischer Wissenschaftler zum Thema gehört und anschließend diskutiert:

„1. Das Christentum und der Islam bestätigen die Untrennbarkeit und Ergänzung zwischen dem materiellen und spirituellen Bereich. Unsere Verantwortung als Gläubige liegt in der Vereinigung dieser beiden Aspekte des Lebens.

2.Viele Menschen leiden heute unter dem Fehlen spiritueller und religiöser Wurzeln.

3. Die Welt von heute sieht sich mit vielen verschiedenen Krisen konfrontiert. Wir erkennen unsere gemeinsame Verantwortung als an Gott Gläubige an, alles Mögliche zu tun, um die verletzbaren Menschen in unserer Zeit zu schützen.

4. Den Teilnehmern des Treffens wurde die Ehre zuteil, zur Audienz bei Papst Franziskus empfangen zu werden. Der Papst ermutigte sie, mit ihrer Arbeit auf dem Weg des respektvollen und nützlichen Dialogs zwischen den Gläubigen für den Frieden und das Wohl in der Welt fortzufahren.

5. Die Ereignisse in Syrien wurden scharf verurteilt, und es wurde ein Appell an die örtlichen und internationalen Institutionen gerichtet, alles Mögliche auszurichten, um dem Blutvergießen Einhalt zu gebieten gemäß dem internationalen Recht.

6. Die muslimischen Vertreter übernahmen die Aufgabe, das nächste Treffen zu organisieren, das in Tatwan (Marokko) stattfinden und dem eine vorbereitende Begegnung vorausgehen wird.“

„Gemeinsam müssen wir – Christen und Muslime – uns den zahlreichen Herausforderungen stellen, die unsere Zeit uns aufgibt. Für Apathie und Untätigkeit ist kein Platz, und noch weniger für Parteilichkeit und Sektentum. Wir dürfen der Angst und dem Pessimismus keinen Raum geben. Wir müssen vielmehr Optimismus und Hoffnung pflegen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt“ (Benedikt XVI. am 20. Augsut 2005 am Weltjugendtag in Köln).