Christlich inspirierte Fernsehsendungen für den Libanon und Nahen Osten

Interview mit P. Jean Bou Khalife

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BEIRUT, 1. Juni 2007 (ZENIT.org).- Pater Jean Bou Khalife wurde 1972 im Libanon geboren und am 7. Februar 2000 zum Priester geweiht. Er gehört dem Orden der Maronitischen Libanesischen Missionaren (www.kreim.org) an, jenem Orden, der das erste christliche Radio im Nahen Osten aufgebaut hat. Pater Jean ist im Vorstand dieses Radios, das sich „Radio Stimme der Liebe“ (Radio Voix of charity) nennt. Damit das Wort Gottes zu noch mehr Menschen gelangen kann, will er nun das „Studio der Liebe“ aufbauen – für Filmproduktionen.

ZENIT: Pater Jean, wie ist die Idee entstanden, das „Studio der Liebe“ aufzubauen?

P. Jean Bou Khalife: Nachdem ich meinen Master in Kommunikationswissenschaft an der Päpstlichen Universität der Salesianer in Rom gemacht habe, bin ich wieder in den Libanon zurückgekehrt. Dort angekommen, war ich vom Mangel an religiösen und gesellschaftlichen Inhalten in den lokalen libanesischen Fernsehsendern enttäuscht – vor allem während der religiösen Feiertage. Damals ist die Idee entstanden, ein Produktionsstudio zur Verfilmung religiöser und gesellschaftlicher Filme aufzubauen.

Es erscheint mir wichtig anzumerken, dass wir im Libanon in einer islamischen Welt leben. Deswegen ist es von großer Bedeutung, dass die Filme, die wir produzieren wollen, die Schönheit der christlichen Religion aufzeigen und dass sie das Christentum als Religion der Liebe, Offenheit und Verzeihung darstellen.

Außerdem könnten die Produktionen dieses Studios eine große Hilfe für die Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Libanon und im gesamten Nahen Osten darstellen.

ZENIT: Unterstützt die Kirche im Libanon solche Initiativen?

P. Jean Bou Khalife: In Übereinstimmung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sieht die Kirche die sozialen Kommunikationsmittel als Werkzeuge an, um ihre Botschaft zu verkünden. Das ist auch der Grund, weshalb sie Priester und Laien ermutigt, sich im Bereich der Kommunikationswissenschaft zu spezialisieren. Auf diese Art und Weise hat die Kirche Fernsehsender und Radiostationen aufgebaut. Es ist ihr Ziel, das Wort Gottes auf ganz einfache Weise auszusenden.

Hier muss man anmerken, dass es die Gemeinschaft der Libanesischen Maronitischen Missionare war, zu der auch ich gehöre, die auf diesem Gebiet den Anfang gemacht hat, indem sie den Radiosender „Stimme der Liebe“ gegründet hat. Dieses Radio ist das erste christliche Radio im gesamten Nahen Osten.

Diese Gemeinschaft hat mich und auch einen anderen Priester nach Rom geschickt, zur Ausbildung im Bereich der Kommunikationswissenschaft und im Bereich der audiovisuellen Medien. Wir haben ein gut organisiertes Team gebildet, und so ist das Gelingen unseres Projektes gewährleistet.

ZENIT: Es ist klar, dass Ihre Initiative gewisse personelle und materielle Ressourcen benötigt. Wie werden Sie für diese Ressourcen aufkommen?


P. Jean Bou Khalife: Alle, die im Radio „Studio der Liebe“ arbeiten, sind Fachleute und setzen sich ehrenamtlich für das Reich Gottes ein. Zum anderen übernimmt die Kongregation der Libanesischen Maronitischen Missionare 40 Prozent der Kosten, um den Start dieses Projekts zu ermöglichen.

Heute wollen wir über die Seiten von ZENIT einen Appell der Liebe aussenden; er richtet sich an alle, die helfen und unser Projekt unterstützen möchten, damit es verwirklicht werden kann.

ZENIT: Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von ähnlichen Projekten?

P. Jean Bou Khalife: Es ist wahr, dass die bestehenden religiös und gesellschaftlich motivierten Medien gut arbeiten, aber sie sind aus dem Westen importiert. Das bedeutet, dass sie nicht unsere echten Reflexionen widerspiegeln und auch nicht unsere orientalische Realität. Deshalb wollen wir Filme über religiöse und gesellschaftliche Themen produzieren, die unsere orientalische Welt zum Inhalt haben. Die Produzenten der Filme, die jetzt ausgestrahlt werden, interessieren sich mehr für den finanziellen Erfolg als für die religiösen Aspekte.

Das Neue an diesem Projekt ist die Produktion von Filmen, die von den Evangelien inspiriert sind, vom Leben der Heiligen, von der Geschichte und den Sakramente der Kirche, und das, ohne die vielen gesellschaftlichen Probleme außer Acht zu lassen: die Verteidigung der Rolle der Frau, der Kinder und der älteren Menschen; die Armut; die Kriminalität; die Folgen von Drogen (bei Jugendlichen); die Beziehung zwischen Christen und Moslems usw.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich wirklich hoffe, dass das „Studio der Liebe“ das Niveau eines Amateurs, der solche Dinge als Hobby macht, bei weitem überschreitet, denn wir wollen auch einen professionellen Ethos in die Welt der kirchlichen Information hineintragen.

[Kontaktadresse: P. Jean Bou Khalife, Convent St. John, Fouad Chehab Street, 850 Jounieh – Libanon; Telefon/ Fax: +961- 9918090/+961- 9930 272; E-Mail: jeanbk12@hotmail.com]