Christliche Bildung und Verkündigung, Grundpfeiler für die Erneuerung der Kirche

Erzbischof Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, würdigt das Potential der Geistlichen Bewegungen

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BOGOTÁ, 17. März 2006 (ZENIT.org).- Dank der beiden Grundpfeiler Bildung und Verkündigung könnten die neuen geistlichen Bewegungen auf außergewöhnliche Weise zur Erneuerung des kirchlichen Lebens beitragen. Das erklärte Erzbischof Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien, anlässlich des ersten großen Treffens der neuen Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá.



Zusammen mit den Mitgliedern des Rates der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (CELAM) befassten sich rund 170 Vertreter von 45 Geistlichen Gemeinschaften in verschiedenen Arbeitsgruppen mit dem Thema "Nachfolger und Missionare Christi heute", dem Motto der V. Generalversammlung der Bischöfe aus Lateinamerika und der Karibik, die im Mai 2007 im Marienheiligtum in Aparecita (Brasilien) stattfinden wird.

Erzbischof Stanislaw Rylko erklärte anlässlich der von dem Päpstlichen Rat für die Laien und dem Rat der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen organisierten Begegnung, dass die neuen Geistlichen Bewegungen "Träger eines wertvollen evangelisierenden Potentials sind, das die Kirche heute dringend braucht. Sie stellen einen noch weithin unbekannten Schatz dar, der noch nicht entsprechend geschätzt wird."

In diesem Zusammenhang zitierte der Erzbischof ein Wort des vor knapp einem Jahr verstorbenen Johannes Pauls II.: "Wie sehr braucht die Kirche heute reife christliche Persönlichkeiten, die sich ihrer christlichen Identität als Getaufte, ihrer Berufung und der Sendung der Kirche in der Welt bewusst sind."

Dieses Ziel könne allerdings nur erreicht werden, wenn man auf eine "gründliche und tiefgehende Ausbildung und einer starken Verkündigung" Wert lege, fuhr Erzbischof Rylko fort. "Durch diese beiden Grundpfeiler können die neuen Gemeinschaften außergewöhnliche Früchte für das Leben der Kirche hervorbringen und für Tausende von Christen aus allen Himmelsrichtungen wahre Schulen des christlichen Lebens, der Heiligkeit und der Mission sein."

Die christliche Ausbildung sei für den Erziehungsprozess des Menschen gerade heute von nicht zu unterschätzender Bedeutung und habe Vorrang – eine Tatsache, die die "Diktatur des Relativismus" verdunkeln wolle, erklärte der Vortragende in Anlehnung an eine Formulierung Kardinal Ratzingers, des jetzigen Papstes.

Die zweite Priorität, die der Erzbischof in seinem Beitrag ansprach, war die Notwendigkeit einer "starken Verkündigung". Sie müsse dem missionarischen Ruf – Ursprung und Quelle der christlichen Berufung – wieder neuen Raum und neue Kraft geben.

"Die Bewegungen entlarven mit ihrer radikalen Art des Christseins das 'müde Christentum' vieler Getauften", das Erzbischof Rylko in Anlehnung an Benedikt XVI. mit dem Ausdruck "aufgesetztes Christentum voller verwirrender Widersprüchlichkeiten" umschrieb.

"Die geistlichen Bewegungen stellen für eine Kirche, die auf 'ruhige Bewahrung' bedacht ist – und das ist heute weit verbreitet –, eine Herausforderung dar seitens einer missionarischen Kirche, die sich mutig nach neuen Horizonten ausstreckt, und sie helfen der Gemeindepastoral und den Diözesen, etwas von ihrem prophetischen 'Kampfgeist' sowie den dafür nötigen Schwung wiederzugewinnen. Heute braucht die Kirche so etwas. Sie muss sich dieser Neuheit, die der Heilige Geist geschaffen hat, öffnen."

Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften zum kommenden Pfingstfest zur zweiten weltweiten Begegnung nach Rom eingeladen. Die erste Begegnung fand mit Johannes Paul II. im Jahr 1998 auf dem Petersplatz statt.