Christliche Minderheit befürchtet Anarchie in Damaskus

Bischof berichtet vom Hilferuf der Menschen

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ALEPPO, Syrien, 24. Juli 2012 (ZENIT.org).- Der chaldäische Bischof von Aleppo berichtet, die Christen der Region fürchteten, dass die Situation reiner Anarchie in Damaskus zu einer Katastrophe für ihre Minderheit werden könne.

Der chaldäische Bischof Antoine Audo von Aleppo sprach am Montag mit dem Hilfswerk „Kirche in Not“. Er erinnerte an die Flucht praktisch aller Christen – 120.000 Menschen – aus Homs und erwähnte, dass die Zuspitzung der Situation in Aleppo und Damaskus dazu geführt habe, dass christliche Flüchtlinge ihn um Hilfe gebeten hätten.

„Wir befürchten, dass in einer außer Kontrolle geratenen Situation bewaffnete Menschen die christlichen Viertel überfallen könnten, wie es in Homs geschehen ist“, so Bischof Audo. „Wenn sie in unsere Kirchen und zu unserer Kurie kommen wie in Homs, dann wird es für uns zur Katastrophe.“

Der 66-jährige Prälat, seit zwanzig Jahren Bischof von Aleppo, erzählte von den halbleeren Kirchen bei der Sonntagsmesse, eine Folge der Sorgen der Menschen.

Wiederholt betonte er, wenn die Kämpfer in christliches Gebiet eindringen sollten, müsse die Gewalt eskalieren. „Wir sind eine Minderheit. Wir sind immer bedroht“, erklärte er.

„Nicht nur Christen befinden sich in dieser gefährlichen Lage“, fügte der Bischof hinzu, „sondern auch manche Muslime, nämlich alle, die verdächtigt werden, mit dem Regime zu sympathisieren.“

„Es ist sehr schwer, besonders für die Flüchtlinge aus Homs, die alles hinter sich gelassen haben. Die Ärmeren besitzen gar nichts mehr.“ Die Hilfswerke der Kirche benötigten mehr Lebensmittel und Medikamente, um den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden.

„Wenn man mich fragt, auf welcher Seite ich stehe“, erklärte der Bischof weiter, „antworte ich immer: Ich bin auf der Seite meines Landes. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um Syrien, unserem geliebten Land, zu helfen“.

„Was wir brauchen, sind eure Gebete für uns alle. Es sind sehr gefährliche Zeiten. Die Menschen haben Angst.“

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]