Christliche Realität: Benedikt XVI. eröffnet erste Generalkongregation

Das ewige Wort Gottes ist der Fels unseres Lebens

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ROM, 6. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Allein das Wort Gottes verleihe dem Leben des Menschen „jene Festigkeit”, die nirgendwo anders zu finden sei - weder in der Karriere noch im Geld, wie die jüngste Weltfinanzkrise beweise. Mit diesen Gedanken führte Papst Benedikt XVI. über den Psalm 119 heute, Montag, die Bischöfe in die Arbeiten der ersten Generalkongregation der Zwölften Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode ein.



Der Papst wandte sich in einer frei gehaltenen Ansprache an die Synodenväter und erklärte: „Ein Realist ist, wer im Wort Gottes das Fundament allen Seins erkennt.“ Realist sein heiße für den Gläubigen, die Bedeutung umzukehren, die diesem Wort normalerweise gegeben werde. Diese starke Sicherheit komme aus dem Heiligen Geist, und sie sei deshalb „fest wie der Himmel und noch mehr“. Die Alternative wäre, so der Papst, sich für die zeitlichen „Sicherheiten“ zu entscheiden, die früher oder später dazu bestimmt seien, wegzurutschen „wie der Sand unter einem Haus“ - wie jenes Haus, von dem Jesus in der Bergpredigt spreche.

Benedikt XVI. zitierte Psalm 119: „Herr, dein Wort bleibt auf ewig, es steht fest wie der Himmel… du hast die Erde gegründet, sie bleibt bestehen.“ Ein Wort scheine zunächst nichts zu sein, aber Worte seien es, die dann Geschichte schafften, den Gedanken Form verliehen. „Es ist das Wort, das die Geschichte, die Wirklichkeit bildet.“

Das Wort Gottes sei das Fundament von allem, die „wahre Wirklichkeit“. Alles andere sei eine Wirklichkeit zweiter Ordnung. „Wer sein Leben auf dieser Wirklichkeit errichtet, auf der Materie, auf dem Erfolg, auf all dem, was erscheint, baut auf Sand“, betonte der Papst. Insofern sei unser Begriff von Realismus zu ändern, um so den Grund unsere Lebens zu finden und es zu erbauen.

Die Heilsgeschichte ist, wie Benedikt XVI. erläuterte, keine Kleinigkeit, die auf einem abgelegen Planeten geschieht. Sie sei vielmehr der Beweggrund von allem, der Grund der Schöpfung. „Alles ist deshalb geschaffen, damit sich diese Geschichte ereignet, die Begegnung zwischen Gott und seinem Geschöpf.“ In diesem Sinne gehe die Heilsgeschichte der Schöpfung voraus. Der Bund Gottes sei Bedingung und wahre Ursache des Kosmos. Das Ziel der Schöpfung sei Christus, der „Erstgeborene“, und sein Wort, so der Papst.

Hinsichtlich des Bibelstudiums warnte Benedikt XVI. mit Worten des heiligen Augustinus davor, nicht „Wegweiser“ zu sein, die den Weg nur weisen, ihn aber nicht beschreiten. Es gehe darum, die Gegenwart im Vergangenen zu entdecken, den Heiligen Geist, der heute mit den Worten der Vergangenheit spreche. So trete man in die innere Bewegung des Wortes ein. Exegese habe daher nichts mit Literatur zu tun; sie sei vielmehr „die Bewegung meines Lebens“: ein Zugehen auf das Wort Gottes in menschlichen Worten.

Auch die religiösen Erfahrungen des Menschen seien endlich. Allein Gott sei unendlich. Und so sei auch sein Wort universal und unendlich. Trete man in das Wort Gottes ein, so betrete man wirklich das göttliche Universum. Die Gemeinschaft mit dem Wort Gottes führe dann zur Gemeinschaft der Kirche, die das Wort Gottes lebe.

Evangelisierung und Mission hätten nichts mit einer Art „kirchlichem Kolonialismus“ tu tun. Sie bedeuteten vielmehr ein Herausgehen aus den Grenzen der einzelnen Kulturen hinein in die Universalität, die alle eine.

Abschließend wies Benedikt XVI. darauf hin, dass das Wort Gottes wie eine Leiter sei, auf der man in die Tiefen der Liebe Christi vordringen könne.