Christliche Schulen in Gaza: "Normalität kehrt zurück"

Verbot von koedukativen Schulen wurde von der regierenden Hamas nicht verabschiedet

Jerusalem, (Lateinisches Patriarchat) | 313 klicks

Im April plante die Hamas (sie ist in Gaza seit 2007 an der Macht) ein Gesetz zu verabschieden, das einerseits die Geschlechtertrennung vorschreibt und andererseits verbietet, dass ein Mann Mädchen unterrichtet und eine Frau Knaben über 9 Jahren. Dies würde islamischem Gesetz entsprechen. Nur die christlichen Schulen (und die von der UNO geführten) haben gemischte Klassen, bei einer Gesamtschülerzahl von 3500.

Pfarrer Faysal Hijazeen, der Direktor der Patriarchatsschulen, freut sich über die Tatsache, dass der „Schulbetrieb wieder normal läuft“. Er meint auch, dass „alle Schüler und Lehrer der christlichen Schulen in Gaza wieder zurück in ihren Klassen seien, ohne Veränderung des gewohnten Schulbetriebs. Pf. Hijazeen hofft, dass „die Situation auch so bleibt“. Im Oktober wird sich Pf. Hijazeen und Pf. Humam Khouz, der Verwaltungsdirektor der Patriarchatsschulen mit dem Erziehungsminister von Gaza treffen. Seit langem strebt der Minister eine Erhöhung der Schülerzahlen und auch des männlichen und weiblichen Lehrerpersonals an.

Letzten April meinte Pf. Faysal, es sei sehr schwierig, die Entscheidung der Hamas hinsichtlich des Verbots gemischter Schulen, nachzuvollziehen. Man hätte weder den Platz noch die Geldmittel die Schulen zu teilen. Zusätzlich zum höheren Raumbedarf müssten die Schulen mehr Lehrer und sonstiges Personal anstellen und auch bezahlen.

Ägypten schließt die Grenzen nach Gaza

Für das Schuljahr 2013/14 meldeten sich zusätzlich 983 Schüler an den beiden Patriarchatsschulen an. Diese jungen Menschen teilen die Befürchtungen und das Schicksal von 1,7 Millionen Männern, Frauen und Kindern. Sie alle leiden unter der nahezu vollständigen Blockade seitens Israels und der zweimonatigen Abriegelung von Ägypten.

Diese Einschränkungen „vermitteln den Bewohnern Gazas das Gefühl von Eingesperrt-Sein“, stellte Pf. Hijazen fest. Er vergleicht das ganze Gebiet mit einem „Open-Air-Gefängnis“. Ägypten schränkt in Rafah den Grenzübertritt zum Gazastreifen rigoros ein. Seit Juli wird der Grenzübergang jeweils nur kurzzeitig geöffnet, zumal er der einzige nicht von Israel kontrollierte Zugang nach Gaza ist. Seit der Amtsenthebung von Präsident Mohammed Mursi haben sich die Beziehungen zwischen Kairo und der Hamas drastisch verschlechtert. Für die Palästinenser sind die Grenzen zu Israel nahezu unpassierbar, Hunderte können weder ein- noch ausreisen. Auf diese Weise wird ständig und schwerwiegend das alltägliche Leben in Mitleidenschaft gezogen – sozial, wirtschaftlich und in Erziehungsangelegenheiten.

Das Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) veröffentlichte am Montag, den 23. September, einen Bericht, in dem festgestellt wurde, dass „die von Ägypten an der Grenze zum Gazastreifen verhängten Restriktionen die ohnedies schon prekäre Lage noch zusätzlich verschärfen. Dazu kommen noch vermehrte Treibstoffkürzungen und der eingeschränkte Zugang zur Gesundheitsversorgung, die Ägypten leistet“. Im Bericht heißt es weiterhin, dass„andererseits die israelischen Behörden die drakonischen Einschränkungen beim Grenzübergang äußerst spärlich lockern. Die dramatische humanitäre Situation im Gazastreifen verschlechtert sich dadurch noch mehr.“

Christophe Lafontaine

(Quelle: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem, 08/10/2013)